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Kopenhagen – Es gibt Restaurants. Und es gibt das Noma. Drei Michelin-Sterne. Fünfmal „Bestes Restaurant der Welt“. Wartezeiten von Monaten, Menüpreise von bis zu 1500 Dollar. Das Noma gilt als Heiligtum der Spitzengastronomie – und René Redzepi (48) als einer der einflussreichsten Köche unserer Zeit. Jetzt tritt der Star-Gastronom nach schweren Gewaltvorwürfen zurück.
In einer umfangreichen Recherche hat die „New York Times“ mit 35 ehemaligen Mitarbeitern gesprochen. Laut der US-Zeitung zeichnen deren Aussagen das Bild systematischer Gewalt zwischen 2009 und 2017.
Was dem Koch vorgeworfen wird
Redzepi soll Köche geschlagen, mit Küchenutensilien gestochen und gegen Wände gedrückt haben. Ehemalige Mitarbeiter berichten von Einschüchterungen, Bodyshaming und öffentlichen Demütigungen. Hinter der gefeierten Perfektion auf dem Teller soll über Jahre ein System extremer Härte gestanden haben: 16-Stunden-Schichten, permanenter Leistungsdruck und ein Klima der Angst, das sogar Praktikanten zu spüren bekamen, so die Vorwürfe.

Das ursprüngliche Noma in Kopenhagen wurde 2016 geschlossen …
Foto: Kim Petersen/imageBROKER/picture alliance

… es befand sich bis dahin im Erdgeschoss dieses Gebäudes, zog danach etwas außerhalb Kopenhagens. Seit 2023 gibt es kein „richtiges“ Restaurant mehr. Das Noma will nur noch Pop-up-Restaurants eröffnen, wie derzeit in Los Angeles
Foto: depositphotos/IMAGO
Redzepi räumte gegenüber der „New York Times“ ein, dass sein früheres Verhalten Menschen geschadet habe. Auch wenn er nicht jedes Detail wiedererkenne, sehe er genug von sich selbst in den Schilderungen, um Verantwortung zu übernehmen.

Star-Koch René Redzepi (48, r.) gilt als Perfektionist
Foto: Christian Als/laif
So trat der Stark-Koch zurück
In der Nacht auf Donnerstag meldete sich Redzepi selbst auf Instagram. Er erklärte, die vergangenen Wochen hätten intensive Gespräche über das Restaurant, die Branche und seine frühere Führungsrolle ausgelöst. Zwar habe er über Jahre daran gearbeitet, sich zu verändern und ein besserer Chef zu werden, doch das mache die Vergangenheit nicht ungeschehen. Eine Entschuldigung allein reiche nicht aus – er übernehme die Verantwortung für sein Handeln.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze kündigte er an, die Leitung des Noma abzugeben und anderen den Weg freizumachen. Zudem legte er sein Amt im Vorstand seiner Stiftung MAD nieder.
Derzeit läuft ein hochpreisiges Noma-Pop-up in Los Angeles – ein Prestige-Projekt für zahlungskräftige Feinschmecker mit Menüpreisen im vierstelligen Bereich. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe zogen mehrere Sponsoren ihre Unterstützung zurück. Wer künftig die Küche des Noma führen wird, ist offen. In seiner Rücktrittserklärung betonte Redzepi, das Team sei heute stärker denn je – und das Restaurant größer als jede einzelne Person.
Nach Gewaltvorwürfen: Starkoch René Redzepi tritt zurück
Quelle: Instagram/Rene Redzepi12.03.2026
Der Mythos Noma
Als René Redzepi 2003 das Noma in Kopenhagen gründete, veränderte er die Spitzengastronomie grundlegend. Mit wilden Kräutern aus dem Wald, fermentierten Zutaten, Moos auf dem Teller und radikal regionaler Küche machte er Dänemark zum Hotspot der internationalen Fine-Dining-Szene. Drei Michelin-Sterne, fünfmal Platz 1 der „World’s 50 Best Restaurants“ – ein Tisch im Noma wurde zum globalen Statussymbol.
Köche aus aller Welt bewarben sich um Praktika, Anthony Bourdain nannte Redzepi den einflussreichsten Koch seiner Zeit, in Dänemark wurde er von der Königin ausgezeichnet. Das Noma stand für Innovation, Kreativität und den Anspruch, die Zukunft des Essens neu zu denken. Statt dauerhaftem Restaurantbetrieb setzt Noma seit 2023 auf internationale Pop-ups, ein Innovations- und Fermentationslabor sowie Produkte unter dem Namen „Noma Projects“.