Bielefeld. Mael Corboz hat Arminia Bielefeld vor der vierten Niederlage am Stück bewahrt. Mit einem souverän verwandelten Elfmeter in der 90. Minute sicherte der Kapitän dem DSC im OWL-Duell gegen den SC Paderborn ein 2:2 (1:0). Es war ein leistungsgerechtes Resultat nach einer emotional aufgeladenen Zweitligapartie.
Nach seiner emotionalen Brandrede bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag, in der er sich demonstrativ vor seine zuvor dreimal in Folge unterlegene Mannschaft gestellt hatte, krempelte DSC-Trainer Mitch Kniat sein Team kräftig um. Der 40-Jährige tauschte die halbe Mannschaft aus, brachte für Uldrikis, Rochelt, Wörl, Russo und Knoche diesmal Sarenren Bazee, Momuluh, Mehlem, Großer und Handwerker.
Ein auf den ersten Blick radikaler Schnitt, den Kniat im Sky-Interview vor dem Anpfiff so begründete: „Ich habe mich heute für viel Tempo auf der vordersten Reihe entschieden. Wir werden viele Tiefenläufe brauchen, um die Räume zu öffnen. Paderborn spielt einen guten Ballbesitzfußball, den gilt es für uns zu unterbinden.“
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DSC Arminia Bielefeld
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Arminia muss kurzfristig Knoche ersetzen
Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Momuluh und Handwerker hatten das Spiel zuvor beim FC Schalke 04 (0:1) nur deshalb verpasst, weil sie eine Gelbsperre absaßen. Ihre Rückkehr ins Team war keine Überraschung, ebenso wenig die Nominierung von Maximilian Großer, der im defensiven Mittelfeld den gelbgesperrten Russo vertrat.
Mit Noah Sarenren Bazee, Marvin Mehlem und auch mit Arne Sicker zog Kniat indes drei Kaninchen aus dem Hut. Während Letztgenannter sehr kurzfristig reinrotierte, weil Innenverteidiger Robin Knoche über Rückenprobleme klagte, war mit den beiden anderen nicht zu rechnen. Mehlem hatte zuvor zuletzt am 16. Spieltag in der Heimpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:0) von Beginn an spielen dürfen, Sarenren Bazee am 17. Spieltag in der Begegnung bei Hertha BSC (1:1).
Paderborns Coach Ralf Kettemann war mit zwei Startelfänderungen ins OWL-Duell gegangen. Laurin Curda, der wegen eines Infekts beim 1:1 gegen Braunschweig gefehlt hatte, kehrte zurück. Für ihn musste Jonah Sticker auf der Bank Platz nehmen. Und auch in der Dreier-Angriffsreihe gab es einen Wechsel. Filip Bilbija ersetzte Nick Bätzner und verbuchte damit seinen zweiten Startelfeinsatz in der Rückrunde. Der wiedergenesene Sebastian Klaas stand als Ersatzspieler parat. Selbiges galt für Steffen Tigges, der beim Paderborner 4:3-Hinspielsieg einen Doppelpack geschnürt hatte.
Paderborner Pyro-Show sorgt für verzögerten Spielbeginn
„Arminia hat viel Tempo auf dem Platz, das ist schwer zu verteidigen“, sagte Kettemann vor der Partie und meinte: „Von den Rängen ist heute einiges zu erwarten. Ich wünsche mir einfach, dass es auf und neben dem Platz respektvoll zugeht.“
Vor allem ging es verspätet zu. Infolge eines heftigen Pyro-Einsatzes seitens der Gästeanhänger kurz vor dem geplanten Anpfiff (13 Uhr) verzögerte sich dieser wegen der nur langsam abziehenden Rauschwaden um sieben Minuten.
Als es endlich losging, war direkt eine gewisse Härte im Spiel, die Schiedsrichter Patrick Ittrich (47, Hamburg) auf seiner Abschiedstour – der Referee beendet am Saisonende seine Laufbahn – mit je einer Gelben Karte für beide Teams ahndete. Erst holte Brackelmann Grodowski von den Beinen (5.), dann wurde Curda von Mehlem gefoult (9.).
Bilbija trifft für Paderborn, doch der VAR schaltet sich ein
Der folgende Freistoß zog sogleich den nächsten Aufreger nach sich. Denn der SCP ging durch Bilbija in Führung. Doch der VAR machte Ittrich auf eine mögliche Abseitsstellung aufmerksam. Der Treffer wurde einkassiert. Praktisch im Gegenzug verpasste Grodowski per Kopf nur knapp das 1:0 für Bielefeld (13.).
Das fiel dafür dann elf Minuten später. Eine herrliche Flanke von Sicker verlängerte Grodowski mit dem Hinterkopf ins Netz (1:0, 24.). Es war der neunte Saisontreffer des mit Abstand besten Bielefelder Torschützen.
Joel Grodowski brachte Bielefeld gegen Paderborn in Führung.
| © Sarah Jonek
Der Gastgeber hätte nur vier Minuten später aufstocken können, wenn nicht gar müssen. Doch Sarenren Bazee konnte die sehenswerte Vorarbeit von Mehlem aus fünf Metern Torentfernung nicht verwerten (28.).
Bielefeld zieht Paderborn vorübergehend den Stecker
Bielefeld blieb am Drücker, Paderborn war vorübergehend der Stecker gezogen. Der SCP musste sich erst mal neu sortieren. Es dauerte bis zur 41. Minute, ehe sich die Gäste wieder zu Wort meldeten. Nach einem Traumpass von Tjark Scheller kam Ruben Müller frei zum Abschluss, schoss aber knapp vorbei.
Besser traf Calvin Brackelmann. Nach einer Ecke zimmerte er aus kurzer Distanz den Ball in die Maschen (45.+3). Doch wieder meldete sich der VAR. Und wieder durfte der DSC durchatmen. Denn wieder war es Abseits.
In der Halbzeit: 30.000 Mitglieder: Arminia Bielefeld durchbricht Schallmauer
Paderborns Coach Ralf Kettemann peitscht sein Team nach vorne.
| © Sarah Jonek
Auch der Start in die zweite Hälfte verlief holprig. Die Gästeanhänger warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Erst als SCP-Trainer Ralf Kettemann vor den Block trat, stellten die Fans das Werfen ein. Nach kurzer Unterbrechung konnte es weitergehen.
Paderborns dritter Treffer zählt – 1:1
Und zwar mit dem Ausgleichstor. Nach einem Ballverlust von Sarenren Bazee kam Stefano Marino in Schussposition. Sein Versuch wurde von Maximilian Bauer abgefälscht und flutschte unter DSC-Keeper Jonas Kersken hindurch in die Maschen (1:1, 53.). Diesmal zählte der Treffer.
Und es sollte noch schlimmer kommen für den DSC. Denn nur neun Minuten später war es schon wieder Marino, der Kersken überwand (1:2, 62.). Zuvor hatten Benjamin Boakye und Mehlem den Gästen viel zu viel Platz gelassen, um den Treffer mustergültig vorzubereiten. Es war Mika Baur, der Marino perfekt bediente.
Wenig später ergab sich fast aus dem Nichts die Großchance für Grodowski zum 2:2. Doch er scheiterte an Gästetorwart Dennis Seimen (66.). Wenig später verfehlte ein Kopfball des Bielefelders Bauer knapp das Gehäuse (67.).
Arminia gab sich noch nicht geschlagen. Und kam durch den eingewechselten Roberts Uldrikis zu einer weiteren dicken Gelegenheit. Den Kopfball des Letten aber klärten die Gäste in Person von Scheller auf der Linie. Und auch beim Nachschuss von Momuluh stand Scheller goldrichtig (75.).
In der 90. Minute rettete Mael Corboz dem DSC dann aber immerhin noch das Remis. Nach einem Foul an Momuluh verwandelte er den fälligen Strafstoß sicher zum 2:2-Endstand.
Für die Arminen geht es am kommenden Samstag in Elversberg weiter, Paderborn empfängt ebenfalls am Samstag Dynamo Dresden.
Der Liveticker zum Nachlesen:

