Dass Orbán und Fico sich ausgerechnet für diese beiden Unternehmer einsetzten, sorgte in Brüssel für erheblichen Widerstand. Hinter der Initiative standen offenbar mehrere Gründe. Bei Fridman spielte auch ein Urteil des EU-Gerichts eine Rolle: Die Richter hatten frühere Sanktionsbeschlüsse gegen ihn gekippt, weil die EU nicht ausreichend Belege vorgelegt hatte. Zwar blieb Fridman auf der Liste, doch seine Anwälte kämpfen weiterhin gegen die Maßnahmen.
Bei Usmanow wiederum soll diplomatischer Druck eine Rolle gespielt haben. Der slowakische Ministerpräsident Fico soll einen Brief des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan weitergeleitet haben, in dem dieser sich für den Oligarchen einsetzte.
Allerdings werden zwei andere Personen von der Liste gestrichen. Nach Angaben aus dem EU-Amtsblatt betrifft das Maja Nikolajewna Bolotowa und den niederländischen Geschäftsmann Niels Troost.
Bolotowa ist die Tochter von Nikolai Tokarew, einem engen Vertrauten von Präsident Putin und Chef des staatlichen Pipelineunternehmens Transneft. Troost war 2024 auf der Sanktionsliste gelandet, weil ihm Verstöße mit russischen Ölexporten vorgeworfen wurden. Nach Angaben der EU gab es jedoch zu wenig Belege für eine direkte Unterstützung des Angriffskriegs.
Parallel bleibt ein weiteres Paket mit neuen Russland-Sanktionen blockiert. Ungarn will ihm erst zustimmen, wenn der Konflikt um russische Öllieferungen über die Druschba-Pipeline gelöst ist. Die Leitung führt von Russland über Belarus und die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei.
Seit einem russischen Angriff auf eine Pumpstation Ende Januar ist die Weiterleitung des Öls über Teile der Pipeline unterbrochen. Die Ukraine spricht von notwendigen Reparaturen, die mehrere Wochen dauern könnten. Budapest und Bratislava zweifeln diese Darstellung an und werfen Kiew vor, die Lieferungen aus politischen Gründen zu verzögern.
Der Konflikt fällt zudem in eine politisch heikle Phase. In Ungarn wird im April ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsident Orbán steht dort unter Druck: Umfragen sehen seinen Herausforderer Péter Magyar mit dessen Tisza-Partei deutlich vorn.