Einsatzkräfte von Bundespolizei und Ordnungsdienst gehen durch den Hauptbahnhof Hannover.

AUDIO: Messerangriffe erreichen Höchststand in Niedersachsen (1 Min)

Stand: 16.03.2026 18:10 Uhr

Cannabis, Jugendkriminalität, Gewalt: Niedersachsens Innenministerin Behrens hat neue Zahlen zur Kriminalität in Niedersachsen veröffentlicht. Trotz Problemen in einigen Bereichen hält die Ministerin das Land für sicher.

von Torben Hildebrandt

Angriffe mit Messern bleiben in Niedersachsen ein Problem. Das geht aus der neuen Kriminalstatistik für das Jahr 2025 hervor, die Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) am Montag vorgestellt hat. Demnach registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 3.185 Messerattacken. Das ist ein Plus von etwa vier Prozent. Nach Angaben des Innenministeriums hat die Zahl der Messerattacken damit einen Höchststand erreicht. „Die Konsequenz liegt für mich auf der Hand“, sagte Behrens. „Wir müssen repressiv mit aller Konsequenz gegen Messerangriffe vorgehen und den Schutz der Bürgerinnen und Bürger auch präventiv weiter stärken.“ Behrens verwies auf Waffenverbotszonen und das geplante Messerverbot im Öffentlichen Personennahverkehr. Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutd Niedersachsen, Thomas Bliesener, hält die Zahlen hingegen aus methodischen Gründen für nicht für sehr aussagekräftig. Waffenverbotszonen seien „ein Stück weit Symbolpolitik“.

Kriminalität geht in Niedersachsen zurück

Während die Messerkriminalität zugenommen hat, sieht das Bild insgesamt etwas besser aus als im Vorjahr: Die Zahl aller Straftaten ist laut Innenministerium 2025 etwa um vier Prozent zurückgegangen. Die Gesamtzahl liegt nun bei 506.600 Fällen. Runtergerechnet auf die Einwohnerzahl in Niedersachsen sei die Kriminalitätsbelastung so niedrig wie seit den Corona-Jahren nicht mehr. „Niedersachsen ist im vergangenen Jahr noch sicherer geworden“, sagte Behrens. Da es in einigen Bereichen aber nach wie vor Auffälligkeiten gebe, dürfe man sich auf dem positiven Trend nicht ausruhen. Ein Grund für den Rückgang der erfassten Straftaten war die Teillegalisierung von Cannabis.

Video:
Leben wir in unsicheren Zeiten? Kriminalitätsstatistik kurz erklärt (2 Min)

Häusliche Gewalt bleibt ein Problem

Beim Thema der sogenannten häuslichen Gewalt bleiben die Zahlen hingegen hoch. Im vergangenen Jahr registrierten die Ermittler rund 32.500 Fälle – fast genauso viele wie im Jahr davor. Darunter fielen auch vier Morde, 17 versuchte Morde sowie 38 versuchte oder vollendete Totschlagsdelikte. „Immer noch findet in Niedersachsen statistisch betrachtet jede Woche mindestens ein versuchtes oder gar vollendetes Tötungsdelikt im Kontext häuslicher Gewalt statt“, teilte das Ministerium mit. Vor diesem Hintergrund habe die Landesregierung einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht, wonach das Instrument der elektronischen Aufenthaltsüberwachung auf Fälle häuslicher Gewalt ausgeweitet werden soll. „Neben der Überwachung der Täter sollen auch Betroffene – mit deren Einverständnis – mit technischen Mitteln zur Vorwarnung ausgestattet werden können.“

Mehr ausländische Tatverdächtige

Die Jugendkriminalität geht in Niedersachsen weiter zurück. In der Altersgruppe 18 bis 21 Jahre sind die Zahlen auf einen Tiefststand gesunken. Dagegen ist die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen leicht gestiegen. Etwa jeder dritte Tatverdächtige hat der Statistik zufolge keinen deutschen Pass. „Damit ist diese Personengruppe im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in der Polizeilichen Kriminalstatistik überrepräsentiert“, erläuterte das Innenministerium. Ministerin Behrens betonte, dass nicht die Herkunft, sondern sozio-ökonomische Ursachen dafür verantwortlich seien. Sie sagte aber auch: „Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen sind auch solche, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind.“ Wer in Deutschland schwere Straftaten verübt, dürfe nicht länger erwarten, dass ihm hier Schutz gewährt werde – er „muss das Land wieder verlassen.“

SPD: Weiterhin Handlungsbedarf

Insgesamt bestehe insbesondere bei Messerangriffen und häuslicher Gewalt Handlungsbedarf, teilte der polizeipolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Alexander Saade, schriftlich mit. „Jeder Fall ist einer zu viel.“ Daher müssten Betroffene besser geschützt werden und neue Instrumente wie die elektronische Aufenthaltsüberwachung in Hochrisikofällen geschaffen werden, so Saade. Insgesamt zeigte sich Saade jedoch über die Ergebnisse erfreut: „Die Zahlen zeigen: Niedersachsen ist ein sicheres Bundesland.“ Er lobte die Polizei: Weniger Straftaten und eine weiterhin hohe Aufklärungsquote sei ihr Verdienst. Auch die niedersächsische Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die rückläufigen Fallzahlen als Beleg für die gute Arbeit der Polizei. Dennoch bedeute die teils hohe Gewaltbereitschaft eine Herausforderung.

CDU fordert, Kriminalität wirksam zu bekämpfen

Die CDU fordert in einem Statement ebenfalls wirksame Instrumente zum Schutz von Betroffenen. Die elektronische Fußfessel sei längst überfällig und müsse zügig rechtssicher umgesetzt werden, so der innenpolitische Sprecher André Bock. Wer Kriminalität wirksam bekämpfen wolle, müsse Straftaten mit moderner digitaler Polizeiarbeit und dem Einsatz intelligenter Videoüberwachung frühzeitig verhindern. Dafür brauche es endlich praxistaugliche Gesetze, so Bock. Zudem müsse die Landesregierung für ausreichend Personal und moderne Ausstattung bei der Polizei sorgen. Ute Gottschar, stellvertretende ver.di-Landesbezirksleiterin, forderte die Politik darüber hinaus auf, mehr für den Schutz von Frauen vor gewaltsamen Übergriffen zu unternehmen.

Besucher am Steintor schauen in die Kamera.

Die meisten Gewaltdelikte in Hannover passieren unter anderem hier. Partygäste, Kioskbesitzer und Türsteher berichten.

Ein Mann hält ein Messer in der Hand. (Themenbild)

Die Zahl der Messerangriffe in Niedersachsen hat zugenommen. Woran das liegen könnte, erklärt der Kriminologe Thomas Bliesener.

Eine Frau verhüllt ihr Gesicht mit den Händen. Sie ist gestresst.

Frauenhäuser schützen Frauen und Kinder. Eine Auswertung zeigt jedoch: In vielen Regionen im Norden sind die Plätze rar.

Eine Skizze zum Thema häusliche Gewalt und Sorgerecht

Der Schutz von Frauen vor Gewalt erfährt offenbar gerade da seine Grenzen, wo sie Hilfe suchen. Nämlich vor Gericht.

Eine Frau hält ihre Hände vor das Gesicht.

32.545 Mal musste die Polizei 2024 in Niedersachsen ausrücken. Täterberatungsstellen wollen Rückfälle verhindern.

Mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei von Polizisten in Sturmhauben bewacht.

Das geht aus dem „Lagebild zur Clankriminalität“ für 2023 hervor. An dem Begriff Clankriminalität entzündet sich Kritik.