Unerfüllte Liebe, verpasste Chancen: Mit der preisgekrönten Wuppertaler Produktionsfirma „Out the Club“ realisierten die Wuppertaler Stadtwerke im Jahr 2018 einen Werbespot fürs Kino, der die Schwebebahn als Ort der Begegnung in den Fokus rückt.

Der eine Minute und 20 Sekunden lange Spot erzählt in drei kurzen Szenen die Geschichte einer stillen, nie ausgesprochenen Liebe. Zwei Menschen begegnen sich immer wieder in der Schwebebahn – lächeln sich an, verfehlen aber stets den Moment, sich anzusprechen. Die Stadt und ihre Wege verbinden sie über Jahrzehnte – in der Kindheit der 50er, der Jugend der 70er und der Gegenwart, als sie alt und grau, aber noch voller Sehnsucht sind. Und als er endlich den entscheidenden Schritt tut – geht’s schief. Und das alles wegen eines roten Lollis. Zurück bleibt ein bittersüßes Gefühl zwischen gefühlter Nähe und gelebter Distanz. Und die Erkenntnis: „Nicht alles wird besser mit der Zeit. Wir schon. WSW. Wuppen wir’s.“ So der Slogan der Stadtwerke, der damals alles zusammenfasste.

„Das war ein schönes Projekt, an das wir uns gerne erinnern“, erzählt Marc Schießer, Regisseur und Mitgründer der Produktionsfirma. Dennoch sei der Dreh logistisch herausfordernd gewesen. „Uns stand nur ein enges Zeitfenster zur Verfügung, um mit den verschiedenen Schwebebahn-Generationen unterwegs zu sein.“ Genauer gesagt: ein einziger Drehtag, der 6. Mai 2018 von 7.30 bis 21.30 Uhr. Um ohne Probleme drehen zu können, erhielt das Team jeweils einen eigenen Wagen als Sonderzugfahrt. Auf der Strecke halten durften sie allerdings nur kurz, schließlich fand alles im laufenden Betrieb statt. Die Planung sei zwar sehr sorgfältig gewesen, vor Ort habe sich aber schnell herausgestellt, dass sich die Abläufe nicht immer präzise vorhersehen ließen. „Zum Beispiel war nicht sofort klar, ob die nächste Bahn in zwei oder erst in fünf Minuten kommt. Gerade bei den vielen Ein- und Ausstiegsszenen hat das für uns bedeutet, dass wir permanent auf dem Sprung waren – Kamera, Team und Schauspieler mussten jederzeit bereit sein, schnell wieder raus- oder reinzuhüpfen.“

Professionelle Schauspieler – unter ihnen Hans Richter, der 40 Jahre lang im Schauspielhaus in 200 Rollen auf der Bühne stand – sowie 20 Komparsen bildeten das wechselnde Ensemble. „Es war schön, mit Hans Richter einen so traditionsreichen Wuppertaler Bühnenschauspieler dabei zu haben. Er hat sich sehr darüber gefreut, dass sein Handlungsstrang unter anderem am Schauspielhaus an der Kluse vorbeiführt.“

Manches musste im Anschluss digital nachgebaut werden, darunter der Alte Markt im Stil der 50er- Jahre. „Das war der aufwendigste Moment in der Postproduktion. Dafür haben wir auf Grundlage historischer Fotos die damaligen Gebäude recherchiert, am Computer in 3D rekonstruiert und mit einer realen Aufnahme des Kaiserwagens kombiniert.“ Ziel sei es gewesen, den Platz glaubwürdig in seinen historischen Zustand zu versetzen, während gleichzeitig die echte Fahrt der Schwebebahn im Bild bleibt.

Und so schuf Marc Schießer mit Kameramann Daniel Ernst eine Geschichte, die sich über drei Generationen erstreckt: Alles beginnt mit einem eleganten Wagen der Baureihe 50, damals gab es noch Raucher- und Nichtraucherabteile, die Zigarre beweist es. Ein Junge entdeckt ein Mädchen mit Zöpfen und rotem Wollpullover. Sie hat einen Lolli in der Hand. Die Blicke treffen sich, die Gedanken laufen Sturm. Er versucht, durch die Fahrgäste zu ihr zu gelangen, doch da kommt auch schon die Haltestelle, das Mädchen wird von ihrer Mutter weggezogen, sie verliert ihren Lolli, sie steigen aus, der Junge bleibt hinter dem Fenster zurück.

Zweites Kapitel, viele Jahre später: Die Schwebebahn ist Blau-Orange, 72er-Baureihe. Passagiere tragen bunte Shirts, Sonnenbrillen, Protestplakate gegen den Krieg. Ein junger Mann erblickt im Waggon eine junge Frau, sie trägt wieder etwas Rotes. Sie erkennen sich, doch abermals wird sie in die Welt da draußen gezogen.

Das dritte Kapitel ist schließlich im Jetzt angesiedelt. Ein alter Mann mit Brille sitzt in der Schwebebahn. Er wird auf eine Seniorin mit roter Strickjacke aufmerksam, richtet sich auf, stürzt fast fiebrig durch den Waggon. Die Frau erhebt sich, ihre Augen öffnen sich erwartungsfroh. Als sie voreinander stehen, greift der Mann in die Innentasche seines Jacketts, wickelt ein verknittertes Papier auseinander – und holt ihren Lolli hervor, den er damals aufgehoben und offensichtlich über all die Jahre in Ehren gehalten hat. Die Erinnerung an ihre erste Begegnung. Leider sieht man dem Lolli die Zeichen der Zeit an, denn er ist völlig verfilzt. Die Folge: Die Frau steigt irritiert aus und winkt ihrem Verehrer noch einmal zu. Kein Happy End.

Eine Idee für einen weiteren
Spot gibt es – aber keinen Auftrag

Eine Fortsetzung gebe es derzeit leider nicht, verrät Marc Schießer: „Wir hatten den Wuppertaler Stadtwerken eine neue Spotidee zum Jubiläum angeboten. Darin wäre sogar Kaiser Wilhelm persönlich im Kaiserwagen mitgefahren – eine augenzwinkernde historische Begegnung.“ Im Moment bestehe seitens der WSW dafür allerdings kein Bedarf beziehungsweise kein entsprechendes Budget, so Schießer.

Der Spot aus dem Jahr 2018 ist hingegen weiterhin bei Youtube zu sehen. Kurzlink: