
Stand: 18.03.2026 14:11 Uhr
Im Prozess gegen den angeklagten Staatsanwalt Yashar G. sind am Landgericht Hannover heute die Plädoyers gehalten worden. Ihm droht eine Haftstrafe von mindestens acht Jahren. Noch diese Woche soll das Urteil fallen.
Acht Jahre und sechs Monate Haft forderten die Ermittler heute Vormittag für den angeklagten Yashar G. Im Plädoyer ging die Staatsanwaltschaft nochmal alle Taten durch. Über mehrere Monate habe der Angeklagte gegen Geld immer wieder den Stand der Ermittlungen an die Drogenbande weitergegeben. Es sei erwiesen, dass der Angeklagte der Maulwurf der Justiz, der Informant der Drogenhändler gewesen sei. Der Anklagevertreter der Staatsanwaltschaft sagte, der 40-Jährige habe dem Vertrauen in den Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt. Zudem forderte er die Einziehung von 45.000 Euro, weil Yashar G. für jede gestandene Tat 5.000 Euro bekommen haben soll. Zwar wolle der 40-Jährige pro Tat nur 2.500 Euro bekommen haben, dafür spreche aber nichts, so die Staatsanwaltschaft.
Verteidigung fordert untersten Strafrahmen
„Die Verteidigung hingegen hat in ihren Schlussvorträgen den Wert des Geständnisses nochmal stark gemacht“, sagte Eike Kassebaum, Sprecher des Landgerichts Hannover. Sie habe sich auch dafür ausgesprochen, dass der verständigte Strafrahmen nur am untersten Rand angewendet wird. „Also eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und zwei Monaten,“ sagte Kassebaum.
Mitangeklagten erwartet Bewährungsstrafe
Für den mitangeklagten Boxtrainer Amir F. forderte die Staatsanwaltschaft heute eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 15.000 Euro. F. hatte im Prozess sieben von zwölf Anklagepunkten gestanden. In seinem Studio in Hannover sollen die Geldübergaben stattgefunden haben. Amir F. gilt als Mittelsmann zwischen der Drogenbande und dem Staatsanwalt. „Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hat alle für und gegen die beiden Angeklagten sprechenden Gesichtspunkte berücksichtigt, also insbesondere das Geständnis, aber auch sehr betont, wie der Umfang der Taten und mögliche Schäden zu bewerten sind“, sagte Eike Kassebaum. Es liege nun an der Kammer, dies abschließend zu bewerten.
Yashar G. konnte trotz Verdacht weiterarbeiten
Der Staatsanwalt Yashar G. sitzt seit einem Jahr auf der Anklagebank – wegen Bestechlichkeit und weil er Ermittlungsgeheimnisse an eine Drogenbande verraten haben soll. Dadurch sollen sich mehrere Beschuldigte in einem Verfahren ihrer Festnahme entzogen haben. Das Brisante: Obwohl in der Staatsanwaltschaft Hannover bereits frühzeitig Verdachtsmomente gegen Yashar G. vorlagen, konnte dieser bis 2024 als Staatsanwalt an dem Verfahren weiterarbeiten.
Staatsanwalt gestand im Prozess neun Fälle
Lange hatte der 40-Jährige seine Unschuld beteuert. Sehr wortreich sprach er im Prozess am Landgericht Hannover von seinem Leben als Flüchtlingsjunge aus dem Iran, von seinem Aufstieg und dass er hart ermittelt habe. Er hätte dies niemals für wenige Tausend Euro Schmiergeld aufs Spiel gesetzt. Doch die Beweise waren dann wohl doch zu schlagkräftig. Im Januar gestand er neun von 14 Fällen. Der Rest der Vorwürfe wurde eingestellt. Vielleicht war es auch die Einzelhaft, die zum Sinneswandel führte. In der saß er, weil er aus der Haft heraus versucht haben soll, Zeugen zu beeinflussen.

Yashar G. hat vor dem Landgericht Hannover gestanden, in neun Fällen Informationen gegen Bezahlung weitergegeben zu haben.
Staatsanwalt war ein „trojanisches Pferd“
Der Fall Yashar G. hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Warum, das kann der Trierer Strafrechtsprofessor Mohamad El-Ghazi und geschäftsführender Direktor des Trierer Instituts für Geldwäsche und Korruptionsstrafrecht gut nachvollziehen: „Man könnte den Eindruck gewinnen, der organisierten Kriminalität ist es gelungen, ein trojanisches Pferd in den Gerichtssaal einzuschleusen.“ Im vergangenen Jahr habe es eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs gegeben. Dabei sei es um einen korrupten Oberstaatsanwalt gegangen, der selbst auch mit Korruptionsermittlungen betraut war. Aber in einer solchen Dramatik sei ihm kein Fall wie der in Hannover bekannt, so El-Ghazi. „Insbesondere deshalb, weil wir hier einen Staatsanwalt haben, der am Ende sogar noch als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal den Bandenmitgliedern gegenüber getreten ist“, sagte er.

Der 39-Jährige soll Dienstgeheimnisse an Drogenschmuggler verraten und vor Razzien gewarnt haben. Was bisher bekannt ist.
Politische Aufarbeitung folgt noch
Am Freitag will das Gericht ein Urteil sprechen. Der Fall wird aber weiter Gesprächsthema bleiben. Denn er hat eine politische Seite, die noch aufgearbeitet werden soll. Die CDU in Niedersachsen spricht von einem Skandal und will im April einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen. Dafür reichen ihre Stimmen im Landtag. Die Christdemokraten werfen Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) vor, trotz Hinweisen auf die Maulwurftätigkeit des Staatsanwalts nicht eingeschritten zu sein. Ein Thema des Untersuchungsausschusses wird die Frage sein, warum der Staatsanwalt noch bis Februar 2024 im Drogendezernat arbeitete, obwohl gegen ihn schon seit Sommer 2022 ermittelt wurde. Allerdings soll die niedersächsische Justiz 2020 erstmals von dem Leck erfahren haben. Damals war noch CDU-Politikerin Barbara Havliza Justizministerin.

Der Spediteur hatte Behörden über den korrupten Staatsanwalt in Hannover informiert. Nun wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Vor Gericht muss sich Yashar G. wegen Korruption verantworten. Im Landtag wird sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Fall beschäftigen.

Die niedersächsische Justiz wusste bereits seit 2020 von engen Kontakten zwischen Yashar G. und einem Mitglied der „Hells Angels“.