Fed-Zins-Schock: Renditen ziehen nach Powell-Signal kräftig anJerome Powell am 18. März. Foto: Kent Nishimura/Bloomberg

Die Fed sorgt erneut für Bewegung an den Märkten: Die Erwartungen an eine Zinssenkung stehen zunehmend in Frage. Nach klaren Signalen von Jerome Powell reagiert der Anleihemarkt deutlich. Die Renditen steigen kräftig – und die Hoffnung auf sinkende Zinsen gerät ins Wanken.

Fed-Zins-Schock trifft Anleihemarkt

Die Federal Reserve hatte bereits seit Monaten angedeutet, dass weitere Zinssenkungen alles andere als sicher sind. Am Mittwoch setzte sich diese Botschaft schließlich vollständig bei den Anleihehändlern durch.

Wie Bloomberg berichtet, gerieten US-Staatsanleihen unter Druck, während kurzfristige Renditen auf den höchsten Stand seit August kletterten. Hintergrund war eine Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, wonach die Notenbank zunächst Fortschritte bei der Inflation sehen müsse, bevor sie die Zinsen weiter senkt. Bleiben diese Fortschritte aus, werde es auch keine Zinssenkung geben. Die Notenbank beließ den Leitzins bereits zum zweiten Mal in Folge unverändert.

Zwar hielten die Währungshüter offiziell an ihrer mittleren Prognose von einer weiteren Senkung der Zinsen in diesem Jahr fest. Entscheidend für die Märkte waren jedoch Powells Aussagen. Die Wahrscheinlichkeit für selbst nur eine Zinssenkung wird inzwischen von den Märkten als etwa gleich verteilt eingeschätzt. Zusätzliche Unsicherheit bringen der Krieg im Nahen Osten sowie steigende Ölpreise.

Der rund 31 Billionen Dollar schwere Markt verzeichnete deutliche Verluste, wodurch die Renditen weiter anzogen.Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen, die besonders sensibel auf geldpolitische Veränderungen reagieren, stiegen um mehr als 10 Basispunkte auf 3,80 Prozent – ein Siebenmonatshoch. Die Rendite zehnjähriger Anleihen kletterte zeitweise um bis zu sieben Basispunkte auf 4,27 Prozent.

Zinsen: Fed trübt die Aussicht auf eine ZinssenkungDie Aussichten auf eine Zinssenkung durch die FedRenditen ziehen deutlich an

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Markt an die Kommunikation der Fed anpassen muss, doch die aktuellen Bewegungen fallen besonders deutlich aus. Powell betonte, dass es innerhalb der Notenbank eine „spürbare“ Verschiebung hin zu weniger Zinssenkungen gegeben habe. Zudem sei – wie bereits im Januar – auch über mögliche Zinserhöhungen diskutiert worden.

Die Entwicklung der letzten sechs Monate zeigt laut Robert Tipp, Leiter für globale Anleihen und Chefstratege bei PGIM, eine klare Veränderung: Die Überzeugung habe sich von sicheren Senkung der Zinsen über mögliche Zinssenkungen hin zu einer Diskussion über potenzielle Zinserhöhungen verschoben.

Noch vor drei Wochen hatten Händler mit bis zu drei Zinssenkungen in diesem Jahr gerechnet. Damals sorgten Sorgen über mögliche Marktverwerfungen durch künstliche Intelligenz und Probleme im privaten Kreditmarkt für Nervosität. Diese Unsicherheiten trieben im Februar eine starke Rally bei US-Staatsanleihen an, die beste Monatsperformance seit einem Jahr. Die bisherigen Verluste im März haben diese Gewinne jedoch fast vollständig zunichtegemacht.

Allein in diesem Monat sind die Renditen zweijähriger Anleihen um 38 Basispunkte gestiegen – auf dem Weg zum stärksten monatlichen Anstieg seit Oktober 2024. Parallel dazu legte der Ölpreis deutlich zu. Mit aktuell etwa 3,75 Prozent liegen die Renditen inzwischen wiederholt über dem effektiven Fed-Leitzinsniveau – ein Phänomen, das zuletzt 2023 während einer Phase aktiver Zinserhöhungen zu beobachten war.

Zweijährige Renditen steigen über den wichtigen Referenzzinssatz der FedInflation bleibt zentrales Risiko

Die aktualisierten Zinsprognosen der Fed, bekannt als „Dot Plot“, zeigen, dass die Notenbanker jeweils eine Zinssenkung um 25 Basispunkte für die Jahre 2026 und 2027 erwarten. Dabei wägen sie weiterhin Risiken sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für die Inflation ab.

Die zusätzliche Unsicherheit durch den Krieg im Nahen Osten verstärkt die Sorgen der Marktteilnehmer. Steigende Energiepreise könnten die Inflation erneut anheizen, die ohnehin über dem 2%-Ziel der Fed liegt, oder mittelfristig das Wachstum belasten.

Laut Dan Carter, Senior-Portfoliomanager bei Fort Washington Investment Advisors, klang Powell in seinen Aussagen stärker besorgt über die Inflation als über mögliche negative Wachstumsfolgen durch steigende Ölpreise. Carter sieht kurzfristige bis mittelfristige Zinsen dennoch als attraktiv an, da Zinserhöhungen aktuell als unwahrscheinlich gelten.

Ein Bericht zu den US-Erzeugerpreisen für Februar zeigte zudem stärkere Anstiege als von Ökonomen erwartet.

Wenn sich Inflationserwartungen lösen, geschieht das oft sehr schnell. In einem solchen Szenario könnte die Fed gezwungen sein, ihren derzeit eher lockeren Kurs abrupt in eine restriktivere Haltung zu ändern. Dieses abrupte Umschwenken stellt laut Marktstrategen das größte Risiko für Anleihemärkte und andere Risikoanlagen dar.

Powell und politische Unsicherheit

Powell erklärte außerdem, dass er plane, bis zum Abschluss der Untersuchung durch das US-Justizministerium im Amt zu bleiben. Es war das erste Mal, dass er öffentlich andeutete, auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai weiterhin als Gouverneur tätig zu sein – ein Mandat, das bis 2028 läuft.

US-Präsident Donald Trump, der wiederholt sinkende Zinsen gefordert hatte, hat bereits einen möglichen Nachfolger nominiert: den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh.

Laut Robert Tipp hielt sich der Markt zunächst stabil, bis Powell seine Verbleibsabsicht signalisierte. Dies wurde als Hinweis interpretiert, dass er eine restriktivere geldpolitische Haltung vertritt als ein möglicher Fed-Chef Warsh.

FMW/Bloomberg

Über den RedakteurStefan Jäger

Finanzjournalist und Trader

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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