Ständige Kontrollen und Razzien

Ein paar Monate später rückt die Leipziger Polizei erneut aus. Diesmal statt zu einem Spätverkauf zu einer Bar im Leipziger Osten. Die Bar ist nicht unbekannt, Razzien hat es hier schon mehrere gegeben. Ein Reporter von MDR INVESTIGATIV ist live dabei und dokumentiert das Geschehen. Während Zivilfahnder das Gebäude beobachten, machen sich die Beamten bereit.

„Vor ca. 20 Minuten ist eine unbekannte Person in den Laden rein und hat ein kleines Päckchen reingebracht, ist ohne Päckchen wieder raus. Also die Chancen, dass wir was finden sehen ganz gut aus“, sagt einer der Beamten. Die Polizisten machen sich auf den Weg, stürmen das Geschäft.

In der Bar sind mehrere Gäste, die durchsucht werden. Drogenhunde rennen durch das Geschäft, schnüffeln unter den braunen Ledercouches. In der Küche hängt ein abgeschnittener Wasserhahn über dem Spülbecken, unter der Dunstabzugshaube steckt eine Tüte mit Heroin. Auch im Keller des Gebäudes finden die Beamten Drogen hinter Rohren und ein Smartphone hinter einer Verkleidung, dass mutmaßlich zum Drogenverkauf dient.

Alles wird fotografiert und dokumentiert. Neonröhren werden aus ihren Verpackungen gezogen, um sicherzustellen, dass hier nicht weitere Drogen sind. Die Polizei findet genug Drogen, um die Bar für längere Zeit zu schließen.

„So ein Laden, wenn wir den für einen Monat versiegeln lassen, wenn der schließt und sein Gewerbe nicht betreiben kann, dann gehen dem Gewinne von mehreren 10.000 Euro flöten im Monat“, sagt Kriminaloberrat Matthias Franz. „Und das ist dann der Punkt wo wir sagen, dass muss trotzdem unser Ziel sein und das rechtfertigt dann auch den Einsatzaufwand, den wir betreiben.“ Die Geschäfte würden oft von Familienclans betrieben. Das große Geld machen die Leute vor Ort nicht, meist reiche es gerade einmal für ihren eigenen Konsum.

Wenn wir so einen Laden für einen Monat versiegeln lassen, dann gehen dem Gewinne von mehreren 10.000 Euro flöten.

Matthias Franz, Kriminaloberrat

TikTok-Videos als Lockmittel

Der Leipziger Rechtsanwalt Jan Siebenhühner hat selbst einen Mandanten, der angeklagt ist aus einem Spätverkauf mit Drogen gehandelt zu haben. Er vermutet, dass gezielt über TikTok-Videos zum Drogenverkauf angeworben wird. Zu sehen sind darauf getunte Luxuskarossen mit verdunkelten Scheiben.

„Solche Videos sollen zwei Sachen bewirken. Einerseits der Familie in der Heimat, aber auch hier im Leipziger Umfeld zu zeigen: ‚Guck, wir haben es geschafft, wir haben Geld. Wir sind wer.'“, sagt Siebenhühner. „Und gleichzeitig natürlich auch neue, junge Leute innerhalb der Familie oder in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis anzuwerben und zu zeigen: ‚Hey, guck, unterstützt du uns, kannst du dir möglicherweise auch bald leisten'“.

So würden immer neue Leute angeworben, die bereit sind, sich in einer Pseudobar oder in einem Spätverkauf hinter den Tresen zu stellen. Allein in diesem Jahr wurden in Leipzig bereits ein Dutzend Bars versiegelt. Das Gewerbeamt beobachtet, dass die Bars und Spätis auch immer weiter auf andere Stadtteile ausweichen.