24. März 2026 – Chiara-Lee Haartje
Nach dem tödlichen Balkonsturz eines 15-Jährigen bei einem Überfall in Hamburg hat das Landgericht zehn Angeklagte schuldig gesprochen. Sieben von ihnen müssen ins Gefängnis.
Knapp elf Monate nach dem Tod eines 15-Jährigen bei einem Überfall in einem Hamburger Hochhaus hat das Landgericht Hamburg zehn Angeklagte verurteilt. Sieben von ihnen erhielten mehrjährige Haftstrafen, drei weitere wurden wegen Beihilfe schuldig gesprochen. Nach Überzeugung der Jugendkammer hatten die Angeklagten in der Nacht zum 14. April die Wohnung eines Bekannten im Stadtteil Wilstorf überfallen.
Fluchtversuch über den Balkon endet tödlich
Acht Männer stürmten laut Gericht die Wohnung im achten Stock, während drei weitere Beteiligte vor dem Haus warteten. In der Wohnung hielten sich vier junge Männer auf, die nach vorausgegangenen Drohungen mit einem Angriff gerechnet hatten. Als die Täter gewaltsam eindrangen, flohen die Bedrohten in Panik auf den Balkon. Der 15-Jährige versuchte, über die Brüstung zu entkommen, verlor dabei jedoch den Halt und stürzte in den Tod.
Gericht spricht von „Szene wie aus einem Horrorfilm“
Die Vorsitzende Richterin beschrieb den Überfall als „Szene wie aus einem Horrorfilm“. Ein Angeklagter habe die Wohnungstür eingetreten, ein anderer mit einer Machete die Glastür zum Wohnzimmer zerstört. Der Wohnungsinhaber wurde den Feststellungen zufolge mit einem Faustschlag attackiert, ein weiterer Anwesender mit einem Klappmesser bedroht. Erst als in der Wohnung gerufen wurde, dass jemand gestürzt sei, ließen die Angreifer von ihm ab und flohen.
Polizei hörte die Tat am Telefon mit
Besondere Bedeutung kam im Prozess einem Notruf zu, den die Überfallenen kurz vor der Tat abgesetzt hatten. Das Telefon blieb während des Angriffs unbemerkt in der Leitung, sodass die Polizei das rund dreiminütige Tatgeschehen live mithören konnte. Als ein Angeklagter das Handy später an sich nahm, bemerkte er laut Gericht, dass die Polizei noch verbunden war. Er soll sich daraufhin unter falschem Namen gemeldet und behauptet haben, versehentlich angerufen zu haben.
Vorgeschichte aus Gewalt und Bedrohungen
Nach Gerichtsangaben war dem Überfall eine Serie gewaltsamer Auseinandersetzungen vorausgegangen, unter anderem an der Reeperbahn, am Jungfernstieg und vor dem Phoenix-Center. Auch persönliche Verbindungen zwischen Tätern und Opfern spielten demnach eine Rolle. Die Richterin machte zudem deutlich, dass der getötete Jugendliche selbst zuvor in eine Gewalttat verwickelt gewesen sein soll. Das ändere jedoch nichts an der strafrechtlichen Bewertung des Überfalls.
Sieben Haftstrafen, Bewährung und Auflagen
Verurteilt wurden sieben Angeklagte wegen besonders schweren Raubes und Körperverletzung mit Todesfolge, drei weitere wegen Beihilfe. Der mutmaßliche Rädelsführer, inzwischen 18 Jahre alt, erhielt eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren. Die höchste Strafe traf einen 25-Jährigen, der nach Erwachsenenstrafrecht zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Ein weiterer Angeklagter erhielt nach einem umfassenden Geständnis zwei Jahre Haft auf Bewährung. Zwei weitere junge Männer wurden unter Bewährungsauflagen gestellt, ein zehnter Angeklagter muss ein Antigewalttraining absolvieren.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Ein weiterer mutmaßlicher Mittäter ist nach Angaben des Gerichts nach Syrien geflohen. Das Urteil gegen die zehn Angeklagten ist noch nicht rechtskräftig.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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