Es ist nicht der erste Brief dieser Art: Schon 2023 schrieb der Bürgerverein an den damaligen Bundesverkehrsminister Volker Wissing mit der Bitte, eine Tunnelvariante beim Ausbau der A59 zu prüfen. Das fruchtete aber nicht sonderlich – die Bereitschaft des Bundes, einen Tunnel beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen den Kreuzen Duisburg und Duisburg-Nord in Erwägung zu ziehen, war nicht sonderlich ausgeprägt.

Wird es diesmal anders sein? Am Donnerstag vergangener Woche wurde der Protestbrief des Meidericher Bürgervereins und des Bezirksbürgermeisters Eren Yantaki an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) übergeben. Die Überbringer waren zwei Duisburger: Die Duisburger SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir. Unterzeichnet haben ihn neben Oberbürgermeister Sören Link (SPD) und Mahmut Özdemir auch die Bundestagsabgeordneten Lamya Kaddor und Felix Banaszak (beide Grüne) sowie Mirze Edis (Linke).

Auch die Landtagsabgeordneten Sarah Philipp, Frank Börner und Benedikt Falszewski (alle SPD) sowie Jule Wenzel (Grüne) haben unterschrieben.

„Mit großem Unmut“, heißt es in dem Brief, habe man die jüngsten Änderungen des Fernstraßen-Bundesamtes zu den Änderungen des Planfeststellungsverfahrens für den A59-Ausbau zur Kenntnis genommen. Denn offenbar geht das Amt nach wie vor einem Ausbau der Autobahn in Troglage aus. Man habe feststellen müssen, heißt es in dem Brief weiter, „dass zahlreiche fundierte Hinweise und Forderungen sowie insgesamt 1400 Einwendungen aus der Bürgerschaft, von Vereinen, Initiativen und aus der kommunalen Politik offenbar weitgehend unberücksichtigt geblieben sind“. Diese mangelnde Berücksichtigung stoße bei den Menschen im Duisburger Norden „auf großes Unverständnis“.

Ein Ausbau in Tunnellage biete die seltene Chance, „frühere städtebauliche Fehlentwicklungen zumindest teilweise zu korrigieren“. Die Errichtung einer „überdimensionierten Hochstraßenkonstruktion“ würde eine weitere Verschlechterung bedeuten, die die räumliche Trennung der Stadtteile dauerhaft zementiere. Das Fazit: „Wir bitten Sie daher eindringlich, die Planungen nochmals grundlegend zu überdenken und insbesondere eine Tunnellösung ernsthaft in Betracht zu ziehen.“ Was andernorts möglich sei, sollte auch in Duisburg möglich sein, so die Verfasser. Der Gewinn für die Menschen wäre erheblich: „Der Duisburger Norden braucht Zukunftsperspektiven – keine Verschärfung bestehender Probleme durch infrastrukturelle Fehlentscheidungen.“

Der Bund hatte sich in der Vergangenheit skeptisch gegenüber der Tunnellösung gegeben. Prognosen einer Machbarkeitsstudie zufolge könnte der Ausbau mit einem Tunnel rund 2,3 Milliarden Euro teurer werden als die Variante in Hochlage. Zudem würde sich danach der Ausbau von sechseinhalb Jahren auf zwölf Jahre verlängern und somit fast verdoppeln. Dies ist auch der Grund, warum die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer die Tunnellösung kritisch sieht. Denn die A59 ist für die Wirtschaft, insbesondere für den Hafen, von enormer Bedeutung. Und da könne man sich keine übermäßig lange Bauzeit erlauben.

Der Meidericher Bürgerverein wirbt indes um weitere Unterstützung. So gibt es eine Onlinepetition zum Thema, die bereits von mehr als 2200 Menschen unterzeichnet wurde. Weitere Unterschriften werden an Infoständen gesammelt, die immer freitags bei Rewe an der Herbststraße und samstags am Bezirksamt/Meidericher Hahn aufgestellt sind.

Der bereits begonnene Ersatzbau für die Berliner Brücke hat keine Auswirkungen auf die spätere Ausbauvariante in Meiderich und Hamborn. Vielmehr musste hier mit den Bauarbeiten vorzeitig begonnen werden, weil die Brücke nur noch bis 2029 genutzt werden darf. Also muss dann auch bis dahin die neue Brücke fertig sein. Der Ausbau im Duisburger Norden wird dagegen viele Jahre länger dauern.