Seinen 180. Geburtstag hat der CVJM Wichlinghausen nicht mehr erlebt. Eigentlich hätte der Christliche Verein Junger Menschen in Wichlinghausen Anfang Februar einen runden Geburtstag begehen können – wenn er denn nicht im Dezember vergangenen Jahres seine Auflösung beschlossen hätte. „Wir hatten leider keine jüngeren Mitglieder, die den Verein weiterführen und Verantwortung übernehmen wollten“, sagt der Vereinsvorsitzende und Prädikant der evangelischen Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, Günter Schwarz.
Das demografische Dilemma macht schon ein Blick auf die Altersstruktur deutlich – unter den zuletzt noch 49 Mitgliedern betrug das Durchschnittsalter stattliche 62 Jahre. Das ist für einen Verein, der das Adjektiv „jung“ im Namen trägt, kein sonderlich gutes Zeichen. Hinzu kamen gesellschaftliche Entwicklungen: Besonders während der Corona-Pandemie hatten viele Mitglieder den CVJM Wichlinghausen verlassen, Nachwuchs konnte nicht gewonnen werden.
Entscheidung ist den
Mitgliedern nicht leicht gefallen
Einen Verein nur um seiner selbst willen zu erhalten, kam den Mitgliedern aber nicht in den Sinn. Inspiriert von dem Vers „Alles hat seine Zeit… Geboren werden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit“ habe man sich deshalb entschlossen, den CVJM aufzulösen. „Dieser Schritt ist uns nicht leichtgefallen“, betont der Vereinsvorsitzende. Allerdings räumt Schwarz ein, dass der CVJM nur noch wenige Veranstaltungen – wie etwa Jahreshauptversammlung oder Weihnachtsfeier – organisiert hätte. In der Jugendarbeit – also jenem Bereich, der eigentlich zur Kernkompetenz eines CVJM gehören sollte – war der Verein hingegen nicht mehr aktiv. Der Grund: Die Kirchengemeinde hatte schon vor etlichen Jahrzehnten den Betrieb des Jugendhauses in der Bartholomäusstraße 98 a übernommen. Die Gemeinde wurde damit „Trägerin des Hauses und des Personals“, sagt Pfarrer Jörg Wieder, der für den Gemeindebezirk Wichlinghausen-Mitte zuständig ist. Die Auflösung des CVJM habe „für die praktische Arbeit im Jugendhaus null Bedeutung“, sagt der Pfarrer, der selbst Mitglied in dem Verein war. Mit seinen fast 180 Jahren ist der CVJM Wichlinghausen einer der ältesten Vereine seiner Art in Wuppertal gewesen. Viele Unterlagen zur Geschichte des Vereins wurden aber bei dem schweren Brand von 2015 zerstört, der durch einen technischen Defekt verursacht worden war, berichtet Schwarz. Drei Jahre später konnte das Jugendhaus an alter Wirkungsstätte nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet werden.
Offiziell wird die Auflösung des Vereins noch bis Ende 2026 dauern, so lange werden auch die Website und die Kontaktadressen noch bestehen bleiben. Pfarrer Wieder sieht seine Gemeinde in Sachen Nachwuchsarbeit derweil auf guten Kurs. Für dieses Jahr seien mehr als 35 Kinder für den Ende April startenden Konfirmandenunterricht angemeldet, freut er sich. Das sei ein Rekordwert.
Das Jugendhaus biete dank des Engagements der Gemeindepädagogin für Kinder- und Jugendarbeit, Alina Siepmann, zahlreiche Angebote für junge Menschen, betont der Pfarrer im Gespräch mit der WZ: „Das Haus brummt.“ Und das werde sich auch mit dem Ende des CVJM nicht ändern. Im Jugendhaus gibt es unter anderem einen großen Spielbereich, einen Bewegungs- und einen Kreativraum, auch die Offene Ganztagsbetreuung für die Grundschule Friedhofstraße findet dort statt.