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Würde es nur eine Halbzeit im Fußball geben, wäre Dynamo Dresden auf dem Weg in die Bundesliga. Problem: Nicht erst seit Sepp Herberger (†80) dauert ein Spiel nun mal 90 Minuten. Und darum wird es für den Zweitliga-Aufsteiger im Kampf um den Klassenerhalt wohl doch enger als nötig…
Fakt: Nimmt man nur die Zeit bis zum Pausenpfiff, würde die SGD mit 46 Punkten auf Platz zwei punktgleich mit Spitzenreiter Schalke 04 stehen. Rechnet man allerdings nur die Tore in der zweiten Hälfte ein, wäre Dresden mit 22 Zählern Vorletzter.
Spätestens die Partien in Karlsruhe (3:3 nach 3:1-Führung) und in Paderborn (1:2 nach 1:0) festigten den Eindruck auch in der sonst starken Rückrunde.
Die Spieler beschäftigt es. Torwart Tim Schreiber (23): „Dass wir wieder eine Führung verspielt haben, nervt sehr. Immer die zweite Halbzeit, wir haben das mehrfach angesprochen. Das ist halt schwierig.“ 17-mal lag Dynamo in Front, raussprangen aber nur sieben Siege bei sechs Unentschieden und sogar vier Pleiten.
Innenverteidiger Julian Pauli (20) wird noch konkreter: „Es sind dieselben Muster, wie in der Hinrunde. Immer die zweite Halbzeit, das müssen wir wegkriegen. Wir müssen beim Zocken bleiben und weiter hinten herausspielen, auch wenn der Gegner mehr Druck macht. Wir brauchen mehr Tiefe und mehr Breite, um den Ball laufen zu lassen.“
Der zweite Anzug bereitet Sorgen
Konnte man beim Spiel in Karlsruhe noch die Behauptung aufstellen, dass Trainer Thomas Stamm (43) an diesem Tag vielleicht etwas zu spät gewechselt hatte und die frischen Kräfte schon vorher nötig gewesen wäre, ergibt sich mittlerweile ein anderes Bild.

Christoph Daferner ist bemüht, sich an seine Jokerrolle zu gewöhnen.
Foto: Harry Langer/DeFodi Images
Dynamos Problem kommt eher von der Bank. In Paderborn wechselte der Chefcoach früher, nahm in der 60. Minute den starken Vincent Vermeij für Christoph Daferner vom Feld. Zusätzlich tauschte Stamm das komplette offensive Mittelfeld. Ben Bobzien, Niklas Hauptmann und Jason Ceka gingen, dafür kamen Nils Fröling, Luca Herrmann und Jakob Lemmer. Obwohl es 1:1 stand und alles möglich war, verlor Dresden immer deutlicher den Faden.
Da drängt sich der Verdacht auf, dass die zweite Reihe einfach qualitative Schwierigkeiten hat und sich im Zweitliga-Endspurt entsprechend steigern muss – und zwar sowohl gegen als auch mit dem Ball. Sinnbildlich, wie sehr Freud und Leid zusammenhängen, sah man das an der Topchance von Christoph Daferner kurz vorm Ausgleich (63.).
Bewährungsprobe für Joker gegen Boleslav
Thomas Stamm sagt: „Wir müssen ein paar Dinge verändern. Denn der Unterschied zwischen erster und zweiter Halbzeit ist zu extrem bei uns. Was das betrifft, habe ich die wichtigen Dinge gerade in der Kabine sehr, sehr deutlich angesprochen.“ Dann ergänzte der Schweizer direkt gegenüber den Journalisten: „Nachfragen dazu können Sie sich ersparen.“

Thomas Stamm hadert oft in der Schlussphase mit seiner Bank
Foto: picture alliance/dpa
Man kann also nur erahnen, was in der Kabine aufgearbeitet wurde. Klar ist dennoch, dass der Klassenerhalt im Bundesliga-Unterhaus nicht mit elf Spielern, sondern nur als gesamtes Team zu schaffen ist.
Am Donnerstag im Test gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav (13:30 Uhr, Trainingszentrum, Eintritt frei) hat jeder Gelegenheit, sich anzubieten. Stamm ist ein Verfechter davon, dass man solche Situationen zum Beispiel in Trainingseinheiten und erst recht gegen einen Testgegner simulieren kann. Und das wäre für die Entwicklung von Dynamo Dresden auch sinnvoll…