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Jülich/Ahaus (NRW) – Wochenlang hat die Polizei alles akribisch geplant und vorbereitet. Am Dienstag, um 22.07 Uhr, starten nun über 100 Einsatzwagen in die Nacht, über ihnen schwebt ein Hubschrauber. Insgesamt eskortieren rund 2500 Beamte den Schwertransporter mit hochradioaktivem Atommüll quer durch Nordrhein-Westfalen ins Zwischenlager Ahaus. Der Castor rollt.
„Das ist kein Kindergeburtstag“, sagt Innenminister Herbert Reul (73, CDU) zu BILD. „Das ist kein Routineeinsatz, sondern eine hochkomplexe Lage, bei der wir die ganze polizeiliche Klaviatur spielen.“ Ein Polizeihubschrauber kreist in der Luft, Drohnen überwachen permanent den ganzen Konvoi. 170 Kilometer quer durch NRW sind es bis nach Ahaus, die genaue Route: streng geheim.

Mehr als 100 Polizeiwagen begleiten den Castor-Transport
Foto: Oliver Berg/dpa

NRW-Innenminister Herbert Reul (73, CDU) weiß, dass der Castor-Transport ein potenzielles Anschlagsziel sein kann
Foto: Justin Brosch
Reul: „Lassen uns nicht in die Karten gucken“
„Der Konvoi zieht sich über mehrere Kilometer“, sagt Reul. „Es wird mehrere Autobahnwechsel geben, Engstellen und Brücken, an denen der Gegenverkehr herausgenommen werden muss. Alle Eventualitäten sind mitgedacht: Stillstand, Störungen, Blockaden auf der Fahrbahn und sogar jede einzelne Brücke. Aber ganz in die Karten gucken lassen wir uns nicht. Auch, um den Einsatz nicht zu gefährden.“

Vor dem Transport: Ein Atomkraftgegner steht bei einer Mahnwache am Forschungszentrum in Jülich
Foto: Oliver Berg/dpa
Sorge vor Anschlag auf den Castor
Die Sorge vor einem Anschlag fährt immer mit. Die Polizei denkt auch an Sabotage oder Terrorismus. Der Innenminister stellt unmissverständlich klar: „Wir leben in einer hybriden Bedrohungslage. Drohnen können plötzlich auftauchen, und gerade ein großer Einsatz mit viel Öffentlichkeit kann grundsätzlich zum Ziel eines terroristischen Anschlags werden.“
Wie das aussehen kann: Aktivisten können sich in der Nacht von Brücken oder Autobahnschildern abseilen, sich auf der Fahrbahn festkleben und den Konvoi zum Stillstand bringen. Nach BILD-Informationen ist bei der Spezial-Aktion der Strahlenschutz immer mit dabei. Fest steht aber: Für die Bevölkerung besteht keine Gefahr, auch nicht für die Natur. Der Castorbehälter und die Hülle sind extrem robust, gesundheitliche Risiken gibt es nicht. Ein Mensch müsste neun Monate lang ununterbrochen neben dem Castor stehen, um den Grenzwert des Strahlenschutzgesetzes abzubekommen.
Erster von 152 Castor-Transporten
Der Innenminister mit einem Augenzwinkern: „Wenn alles gut läuft, sollten wir unter diesen neun Monaten bleiben.“ Bei einem störungsfreien Ablauf könnte der Castor-Transport sein Ziel in unter fünf Stunden erreichen. Insgesamt 152 Castorbehälter müssen ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Für die Polizei in NRW wird es ein Kraftakt.