Die Mahnwache an der Rheindeichstraße zum Protest gegen den Atommülltransport von Jülich nach Ahaus – auch über die Autobahnen an Moers und Duisburg vorbei – wird wohl nicht die letzte gewesen sein. 152 Castor-Behälter sollen aus Jülich ins Zwischenlager ins Westmünsterland gebracht werden, nun sind es noch 151.
„Maximal drei Behälter können pro Transport auf den Weg gebracht werden. Da lässt sich ja leicht ausrechnen, wie viele Transporte noch nötig sind. Da die Genehmigung dafür bis Ende Juli 2027 gilt, müsste nun theoretisch fast jede Woche ein solcher Transport laufen“, sagt Kerstin Ciesla. Die stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Sprecherin der Kreisgruppe Duisburg ist schon aus grundsätzlichen Erwägungen gegen die Transporte.
Sie fordert stattdessen den Bau eines Zwischenlagers in Jülich, sodass die Castor-Behälter gleich dort bleiben könnten. Bedenken wegen einer möglichen Erdbebengefährdung im Kreis Düren hält sie längst für gutachterlich widerlegt. Dagegen warnt sie vor den Folgen, wenn auf dem Transport etwas schief geht und ein Behälter beschädigt wird.
Diesen Fall habe die Physikerin Oda Becker in einem Gutachten untersucht. Dabei geht es unter anderem um die Radien, in denen Menschen im Falle der Beschädigung eines Behälters auf Dauer evakuiert werden müssten – und um den Umkreis in unmittelbarer Nähe, der für Menschen unweigerlich tödlich wäre.
Im Vorfeld habe man überlegt, wo die Mahnwache platziert werden soll. „Es gibt auch Stellen, wo man dem Konvoi deutlich näher käme. Aber das ist nicht unser Ziel. Wir wollen den Transport nicht blockieren oder stören, sondern nur unseren Protest zum Ausdruck bringen.“
Blockadeversuche gibt es allenfalls auf juristischer Ebene. Im Eilverfahren war der BUND zunächst vor Gericht gescheitert. „Dabei gab es aber nur eine oberflächliche Prüfung. Das kann im Hauptverfahren schon ganz anders sein“, hofft Kerstin Ciesla. Wie lange es bis zu einer gerichtlichen Entscheidung dauert und wie viele Transporte bis dahin schon abgewickelt sind, das weiß auch sie nicht. Proteste auch gegen weitere Transporte soll es geben, wo und in welcher Form, das ist noch unklar.
Michael Zerkübel, Sprecher der BUND-Ortsgruppe Moers, ist seit den 90-er Jahren gegen die Atomenergie aktiv. Auch bei den Protesten gegen die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in Duisburg-Wanheim war er mit von der Partie. Hier war der Kampf nicht umsonst: Das Unternehmen, das sich mit schwach belastetem radioaktivem Atommüll befasste, war 2020 nach 35 Jahren geschlossen worden. Nun kämpft Zerkübel gegen die Atommülltransporte von Jülich ins Zwischenlager nach Ahaus: „Niemand kann garantieren, dass das Risiko dabei bei Null liegt. Es gibt immer ein Restrisiko.“