Suche nach dem molekularen Schalter
Isermann und sein Team wollen verstehen, wie Zellen entscheiden, ob sie überleben oder absterben. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist der sogenannte Tissue-Faktor. Bekannt als Auslöser der Blutgerinnung, erfüllt er offenbar noch weitere Funktionen. „Wir haben festgestellt, dass der Tissue-Faktor in der Niere eine bislang unbekannte Verbindung zu einem zentralen Entzündungsregulator eingeht“, erklärt er. „Dieser Komplex wirkt wie ein molekularer Schalter, der die Thrombo-Inflammation an- oder ausschalten kann.“
Damit rückt ein Mechanismus in den Fokus, der zwei zentrale Prozesse gleichzeitig steuert. Seit der Covid-19-Pandemie wird weltweit verstärkt erforscht, wie Entzündung und Blutgerinnung zusammenwirken. Viele Therapien greifen bislang nur einzelne Prozesse an, etwa die Gerinnung oder die Entzündungsreaktion. Forschende suchen deshalb nach Mechanismen, die beide Systeme gleichzeitig beeinflussen. Auch die Leipziger Arbeiten knüpfen daran an. Sie untersuchen, ob sich zentrale molekulare Steuerpunkte identifizieren lassen, über die sich diese komplexen Prozesse gezielter regulieren lassen könnten.