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Eigentlich sollte man mit einer Ligen-Reform Probleme lösen und nicht neue schaffen – anders beim DFB! Dort setzten die Regionalverbandspräsidenten in der Arbeitsgruppe dem sinnvollen „Kompassmodell“ einen Gegenvorschlag entgegen. Und der hat es in sich, wie BILD-Recherchen beweisen.

Denn nach dem „Regionenmodell“ müssten in der 4. Liga demnächst Klubs aus dem höchsten Norden in den tiefsten Osten fahren. Flensburg und Emden würden nach Halle oder bei einem Drittliga-Abstieg von Cottbus sogar ins südliche Brandenburg müssen. Vom Bodensee geht die neue Staffel dann bis nach Leipzig – während Lok Leipzig und der Hallesche FC kein Derby vor 10.000 Zuschauern mehr spielen.

Klingt erfunden, ist aber real in der Welt des Bayerischen und Norddeutschen Fußball-Verbandes! Als Drahtzieher dahinter verbergen sich die beiden Regionalverbandspräsidenten Dr. Christoph Kern und Ralph-Uwe Schaffert, wohl begleitet vom westdeutschen DFB-Vize Peter Frymuth.

Dr. Christoph Kern steckt als Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes hinter dem Regionen-Modell

Dr. Christoph Kern steckt als Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes hinter dem Regionen-Modell

Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com

„Bekannter Vorschlag aus der Mottenkiste geholt“

Sportdirektor Daniel Meyer vom Halleschen FC platzt der Kragen: „Dieser Ansatz ist bereits 2018 krachend gescheitert. Nach einem Jahr intensiver Arbeit wirkt es so, als würde ein bereits bekannter und nicht umsetzbarer Vorschlag unter neuem Namen und gegen den klar artikulierten Willen der Vereine aus der Mottenkiste geholt werden.“

Seit Februar 2025 hatten sich zunächst die Ostklubs und später 70 Vereine aus ganz Deutschland zur Initiative „Aufstiegsreform“ zusammengeschlossen, damit nach 14 Jahren alle Viertliga-Meister aufsteigen. BILD liegen die Sitzungsprotokolle und DFB-Präsentationen zu den Modellen vor.

Kompassmodell ist viel leichter umsetzbar

Daraus wird klar: Beim Kompassmodell ist nur die Trägerschaft noch offen. Heißt: Die Verbandsfunktionäre müssten sich einigen, eine GmbH zu gründen oder den DFB ans Ruder zu lassen. Doch der mögliche Machtverlust passt ihnen nicht. Meyer: „Allein die erneute Einbringung dieses sogenannten Regionen-Modells empfinden wir als klare Provokation. Es stellt sich die Frage, ob in der aktuellen Diskussion wirklich der Fußball im Mittelpunkt steht – oder nicht doch andere Interessen.“

Daniel Meyer war Nachwuchsleiter beim 1. FC Köln und Zweitliga-Trainer in Aue und Braunschweig. Er macht sich ernsthaft Sorgen um die Irrwege deutscher Verbandsfunktionäre.

Daniel Meyer war Nachwuchsleiter beim 1. FC Köln und Zweitliga-Trainer in Aue und Braunschweig. Er macht sich ernsthaft Sorgen um die Irrwege deutscher Verbandsfunktionäre.

Foto: Uwe Koehn

Denn die Folgen wären fatal. Die bayerischen, nord- und ostdeutschen Vereine müssen für diese Vier-Staffel-Lösung viel weiter fahren, für klar unattraktivere Begegnungen, und sie alle erhalten weniger Startplätze als im Kompassmodell.

Das sind die fatalen Folgen

BILD listet alle Nachteile des Regionen-Modells gegenüber der bei Fans sehr beliebten Kompasslösung auf:

  • Weil die vielen kleineren Klubs im Norden und Bayern oft nicht so große Stadien wie im Osten haben, wird es deutlich schwieriger, passende Zulassungskriterien zu entwickeln, die es zusätzlich möglich machen, dass die Vereine sich besser Richtung 3. Liga entwickeln.

Nur 30 Kilometer liegen Halle und Leipzig auseinander, sollen aber bald nicht mehr gegeneinander antreten.

Nur 30 Kilometer liegen Halle und Leipzig auseinander, sollen aber bald nicht mehr gegeneinander antreten.

Foto: IMAGO/Eckehard Schulz

  • Der Übergang zur neuen Liga ist ein echtes Problem. Während beim Kompassmodell alle fünf bisherigen Staffeln eine feste und ähnliche Anzahl an Teams stellen dürfen, wird im Regionen-Modell einfach der Osten auf Bayern und den Norden verteilt.

Der DFB weiß gar nicht, wie er die letzte Saison in der Regionalliga Nordost werten soll, weil die thüringischen und sächsischen Vereine nach Bayern und die Teams aus Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in den Norden müssen. Im Raum steht sogar eine virtuelle Tabelle der Nordost-Staffel nur nach Bundesländer-Begegnungen – absurd!

„Sport-moralischer Kompass scheint kaputt“

  • In jeder der vier neuen Staffeln erhöht sich die Anzahl der Absteiger oder muss aufgestockt werden, wenn sich die Absteiger aus der 3. Liga ungünstig in den Regionen verteilen. Selbst bei der Einführung kann der DFB so kaum planen. Im Kompassmodell spielt das keine Rolle mehr, weil die KI die kürzesten Fahrtstrecken bestimmt, egal woher die Drittligisten runterkommen.

Mehr zum Thema

  • Im Kompassmodell bleiben die Oberligen mit ihren Aufstiegsregelungen gleich. Beim Regionen-Modell müssen die nordostdeutschen Oberligen umstrukturiert werden, damit die Bundesländeraufteilung zu den Staffeln passt – völlig unnötig.
  • Die West-Regionalliga, die bisher unter erheblichen wirtschaftlichen Problemen leidet, bleibt einfach weiterbestehen. Dafür wird ausgerechnet die zuschauer- und finanzstärkste Regionalliga Nordost geopfert und mit unklaren Aussichten in neue Staffeln aufgespalten.

Zahlreiche Medien zerreißen den Plan in der Luft. Tobias Gutsche von der „Märkischen Allgemeinen“: „Hintergrund ist, dass der sport-moralische Kompass von Verbandsobrigkeiten kaputt zu sein scheint.“ Besser kann man es nicht treffen…