Was ihre Mitmenschen achtlos in die Gegend geworfen haben, sammelten Verler Schüler jetzt in mühseliger Kleinarbeit wieder ein
Bornholte (matt) – Am letzten Schultag wurde für die Bornholter Viertklässler das Klassenzimmer einfach nach draußen verlegt. Statt Matheaufgaben wartete auf die 24 Jungen und Mädchen eine ganz andere Herausforderung: Müllsammeln in Bornholte.
Mit Weste, Handschuhen und Greifzange ausgestattet streiften die Schüler durch Bornholte. Die Aufgabe: Straßen und Wege von Müll zu befreien. Die Müllsammelaktion in Bornholte ist immer die Abschlussaktion des Schulgartenprojekts und damit praktisch erfahrbarer Unterricht. Aber so ganz ohne bohrende Fragen ging es dann doch nicht. Nur, dass sie nicht von Lehrern, sondern in diesem Fall von Iva Potrebova gestellt wurden.
Was die Vorsitzende des Vereins Hof Diekämper wissen wollte, klang zwar banal, machte den Grundschülern aber den eigentlichen Sinn der Müllsammelaktionen deutlich. Die wichtigste Frage lautete: Warum sammeln wir überhaupt Müll? Matilda (9) hatte die schlüssigste Antwort. Nicht damit alles ordentlich und sauber aussieht, sondern: „Plastik, Glasscherben sind für Tiere gefährlich, wenn sie das fressen.“ Und für den Tier- und Umweltschutz haben die Teilnehmer an diesem Tag eine Menge getan.
Als Messgrad dienen die sechs prall gefüllten Müllsäcke, die der Verler Bauhof jetzt fachgerecht entsorgen wird. Plastikbecher, jede Menge Zigarettenstummel, Babyschuhe, Besteck, Bürsten und sogar einen Damenslip haben die jungen Müllsucher an Land gezogen.
In drei Gruppen zu acht Schülerinnen und Schülern wurde Bornholte durchkämmt. Die Gruppe von Iva Potrebova kehrte mit prallen Säcken am Dorfgemeinschaftshaus Hühnerstall zurück.Dass das Schulgartenprojekt, das eine Kooperation zwischen der Zweigstelle der Kaunitzer Grundschule, dem Bürgerverein in Bornholte und dem Verein Hof Diekämper ist, Spuren in den Köpfen der Schulkinder hinterlassen hat und sie sich eigene Gedanken um die Frage der Nachhaltigkeit machen, zeigte der Einwand von Antonia: „Wenn Plastik doch so schädlich für die Natur ist, warum sammeln wir den Müll dann in Plastiksäcken?“
Eine ziemlich schlaue Frage, auf die weder die Lehrer noch Iva Potrebova so richtig eine Antwort hatten. Sie zeigt aber, dass die jährlichen Müllsammelaktionen in den Köpfen junger Menschen etwas bewirken können und vielleicht sogar dazu führen, dass solche Sammelaktionen vielleicht überflüssig werden. Aber das wäre aus Sicht der Schüler andererseits natürlich nicht so toll. Dann müssten sie nämlich am letzten Tag vor den Osterferien doch noch Matheaufgaben lösen, statt in der Natur herumstrobern zu können. Denn Spaß machte den Schülern die Aktion erkennbar.
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