
AUDIO: Liveticker: Entscheidende Stunden für Buckelwal in der Wismarbucht (3 Min)
Stand: 30.03.2026 16:51 Uhr
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen bei dem Buckelwal in der Ostsee von einem deutlich geschwächtem Tier. Sie hoffen dennoch, dass der Wal die Kraft findet, sich auf den Weg zum Atlantik zu machen.
Das Wichtigste im Überblick:
16:05 Uhr
Neues Rettungsmanöver geplant

Ein Schlauchboot macht sich erneut auf dem Weg zum Wal.
Greenpeace-Meeresbiologin Franziska Saalmann kündigte an, dass die Organisation gemeinsam mit dem Deutschen Meeresmuseum und der Wasserschutzpolizei erneut auf das Wasser fahren wird. Ziel ist es, den Wal dazu zu animieren, den steigenden Wasserstand auszunutzen und sich aus eigener Kraft zu befreien. Dabei sollen vorsichtig Reaktionen des Tieres beobachtet werden, unter anderem durch Geräusche, um seine Kraft und Motivation einzuschätzen. Saalmann betonte, dass das Tier nicht unnötig gestresst werden soll, der aktuelle Wasserstand aber jetzt genutzt werden müsse.
16:03 Uhr
Streit um den gestrandeten Wal
Zwischen dem Meeresbiologen Robert Marc Lehmann und den zuständigen Behörden sowie Wissenschaftlern ist ein Streit über den Umgang mit dem gestrandeten Wal entbrannt. Hintergrund sind unterschiedliche Einschätzungen über den richtigen Umgang mit dem geschwächten Tier und den Umfang möglicher Eingriffe. Im Konflikt haben Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Vertreter des Deutsches Meeresmuseum Vorwürfe einer Ausgrenzung zurückgewiesen. Backhaus betonte, man schließe grundsätzlich niemanden von der Unterstützung aus und stehe inzwischen auch mit Lehmann im Kontakt, um mögliche Hilfe zu prüfen. Zugleich kritisierte er öffentliche Angriffe auf beteiligte Wissenschaftler und Einsatzkräfte.
Video:
Till Backhaus (SPD): „Stehe mit Herrn Lehmann in Kontakt“ (2 Min)
14:02 Uhr
Experten denken schon weiter
Aufgrund der schlechten Verfassung des Wals, von der die Experten derzeit aufgrund verminderter Vitalitätszeichen ausgehen, wurde auch schon über weitere Optionen diskutiert. Noch sollen laut Burkard Baschek, dem Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, aber die entscheidenden Stunden am Nachmittag abgewartet werden, in denen der Wal sich bei höherem Wasserstand selbst befreien könnte. Dennoch würden Fragen, wie das sterbende Tier begleitet werden kann, besprochen. Details wurden bei der Pressekonferenz nicht genannt.
13:45 Uhr
Wal zeigt kaum Zeichen von Vitalität

Drohnenbilder zeigen die minimale Bewegung des Wals im Vergleich zum Vortag.
Laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) geht es dem Wal schlecht. Das bestätigte auch der Direktor des Meeresmuseums. Es gebe zwar keine Möglichkeiten, den Wal direkt zu untersuchen. Dennoch könnte sein Zustand anhand von Vitalitätszeichen beurteilt werden. Die Vitalität hätte sich aber im Vergleich zu gestern verschlechtert. Es gebe keine signifikanten Flossenbewegungen, auch vokalisieren würde das Tier nicht mehr. Die Atemfrequenz sei zudem deutlich reduziert. Registrierten die Experten bei der Rettung vor Timmendorfer Strand noch Atemzüge alle zwei bis drei Minuten, würde der Wal hier in der Wismarbucht nur noch alle vier Minuten atmen. Die verminderte Atmung kann ein Zeichen von fehlender Kraft, aber auch von Ruhe sein, heißt es.
13:43 Uhr
Baschek: Entscheidender Moment am Nachmittag
Burkhard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, erklärt, dass ein steigender Wasserstand am Nachmittag eine mögliche Chance bietet. Zwischen 14 und 18 Uhr soll das Wasser um etwa 30 Zentimeter steigen – genug, um den Wal womöglich in Bewegung zu bringen. Dennoch spricht er von einem riskanten Versuch mit ungewissem Ausgang.
Video:
Baschek: Steigender Wasserstand als Chance für den Wal (1 Min)
12:45 Uhr
Pressekonferenz zur aktuellen Lage
Heute um 13 Uhr informiert das Umweltministerium MV, das Deutsche Meeresmuseum und Greenpeace zum weiteren Umgang mit dem gestrandeten Wal. Mehr dazu gleich hier im Livestream.
Video:
Pressekonferenz zum Buckelwal: Kritische Lage spitzt sich zu (23 Min)
11:33 Uhr
Greenpeace: „Aufgeben ist keine Option“
Franziska Salmann von Greenpeace ist zusammen mit der Wasserschutzpolizei zum Wal gefahren. „Wir prüfen, wie wir ihm bestmöglich helfen können und ihn gegebenenfalls unterstützen können“, sagt sie. Auch wenn der Wal sehr geschwächt sei und die Chancen für ihn schlecht stehen, sei Aufgeben keine Option.
Video:
Greenpeace zum Buckelwal: „Wollen die Hoffnung noch nicht aufgeben“ (1 Min)
10:02 Uhr
Wasserschutzpolizei: Wal reagiert immer weniger
Die Wasserschutzpolizei und Greenpeace sind mit dem Schlauchboot zurück vom Wal. Sie haben mit einem Paddel flach auf das Wasser geschlagen, um eine Reaktion des Wals zu provozieren. Ergebnis: Der Wal reagiert immer weniger. Trotzdem gebe es noch die Hoffnung, dass er sich erholt und von selbst wieder in die Fahrrinne in der Nähe schwimmt.
Video:
Wasserschutzpolizei fährt zum verirrten Buckelwal (1 Min)
08:24 Uhr
Keine Rettungsaktion geplant
NDR Reporter Mike-Oliver Woyth berichtet aus Wendorf, dass derzeit keine weiteren Rettungsaktionen geplant sind: „Man setzt darauf, dass der Wal zu Kräften kommt und sich dann selbst befreien kann.“
Video:
Wie geht es dem Buckelwal am Montag? (1 Min)
07:27 Uhr
Vorerst letzte Fahrt zum Wal
Mit Tagesanbruch steht fest: Der Buckelwal hat sich nicht wie erhofft in der Nacht selbst freigeschwommen. Mit einem Schlauchboot fahren die Wasserschutzpolizei und Greenpeace zum Wal. Sie wollen seinen Gesundheitszustand einschätzen. Das soll vorerst die letzte Fahrt zu dem Buckelwal sein, denn er soll in Ruhe gelassen werden, damit er letzte Kraftreserven mobilisieren kann.
06:16 Uhr
Tier ist deutlich geschwächt

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen von einem deutlich geschwächten Tier. Gestern landeten immer wieder Möwen auf seinem Rücken und pickten in seine Haut. Dennoch hoffen Expertinnen und Experten, dass der Wal doch noch die Kraft findet, sich selbst auf den Weg Richtung Atlantik zu machen, wenn er in Ruhe gelassen wird.
06:12 Uhr
Wal liegt fast regungslos im Wasser
Der Buckelwal in der Wismarer Bucht hat sich in der Nacht nicht von der Stelle bewegt. Er liegt fast regungslos in etwa zwei Meter tiefem Wasser. Seine Atemzüge sind nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums seltener geworden. Seine Rufe sind am Morgen gar nicht zu hören.
Seit einer Woche beschäftigt der in der Ostsee verirrte Buckelwal viele Helferinnen und Helfer. Erst hing der Meeressäuger mehrere Tage in der Bucht vor Niendorf in Schleswig-Holstein fest, seit dem Wochenende bewegt er sich nun im flachen Wasser in der Bucht vor Wismar in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Prognose für das Tier ist laut Experten nicht sehr günstig. Alle Entwicklungen vom Sonntag gibt es hier zum Nachlesen.

MV-Umweltminister Backhaus versicherte auf einer Pressekonferenz in Wismar, dass weiterhin alles unternommen werde, um dem Wal zu helfen.
28.03.2026 15:13 Uhr
Fragen rund um den Buckelwal
Große Wale sind in der Ostsee nicht heimisch, die Bedingungen sind für sie nicht geeignet. Ziel ist es weiterhin, das massige Tier in Richtung der Meerengen zwischen Deutschland und Dänemark zu lotsen, damit es den Weg zurück in Nordsee und Atlantik nimmt.
Buckelwale leben im Sommer meist im Nordatlantik bei Norwegen und Grönland, im Nordpazifik bei Alaska und im Südpolarmeer. Im Winter schwimmen sie gerne in tropische und subtropische Gewässer in der Karibik und der mexikanischen Pazifikküste. Hier paaren sie sich und bringen ihre Jungen zur Welt. Sie ernähren sich von Krill und kleinen Fischen. Pro Tag können sie eine Tonne Nahrung aufnehmen. Laut Experten können Buckelwale bis zu 30 Tonnen schwer werden. Bis zu 90 Jahren können sie alt werden.
Der Ernährungszustand des Buckelwals in der Ostsee ist gut, sagte am Wochenende Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Buckelwale könnten ihr zufolge wochenlang ohne Nahrung auskommen.
Buckelwale fressen laut Greenpeace nur in ihren polaren Sommerquartieren. Im Winter, wenn sie ihre Jungen gebären und aufziehen, zehren sie von ihren Fettreserven. Die Nahrung der Buckelwale besteht demnach vor allem aus Krill und zu einem geringen Teil aus Fischen.
Nach Angaben des Meeresbiologen Boris Culik, er führt ein eigenes Forschungsunternehmen in Heikendorf bei Kiel, verirren sich Buckelwale öfter, wenn sie Heringsschwärmen folgen, in die Ostsee. Auch Unterwasserlärm von Schiffen könne die Orientierung der Tiere beeinträchtigen, so dass sie sich „verschwimmen“, sagt Almut Neumeister vom Deutschen Meeresmuseum.
Laut Meeresbiologe Culik können viele Walstrandungen auch mit Sonnenstürmen zusammenhängen. Denn die stören den inneren Magnetkompass der Wale. „Das heißt, das Erdmagnetfeld ist als Koordinatensystem nicht so stabil wie zu Zeiten, in denen die Sonne eben ruhiger ist“, so Culik.
In der Ostsee gibt es nicht so viel Nahrung wie in der Nordsee. Die Fischkonzentration ist laut Meeresbiologe Culik deutlich geringer. Und: „Es gibt keine Artgenossen. Der Salzgehalt stimmt auch nicht.“ Das belastet laut Greenpeace, Haut und Stoffwechsel der Säuger. Parasiten und Entzündungen können sich dann leicht auf der Haut der Buckelwale ausbreiten.
Buckelwale jedenfalls nicht. In der Ostsee sind nur Schweinswale heimisch, erklärt Almut Neumeister vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Sie sind mit etwa zwei Metern Länge kleiner als Artgenossen wie Buckelwale oder Pottwale. Geschätzt leben rund 200 Schweinswale in der zentralen Ostsee, in der Beltregion sind es einige Tausend.
Fachleute gehen davon aus, dass es sich um den Buckelwal handelt, der zuerst Anfang März vor Wismar und später in der Flensburger Förde und Lübecker Bucht gesichtet wurde. Messungen ergaben, dass der Wal recht groß ist: Er sei zwischen 12 und 15 Metern lang und wiege geschätzt rund 15 Tonnen, sagte Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW).
Es sei unklar, ob sich der Buckelwal erst in der Ostsee oder schon vorher in dem Netz verfangen habe, sagt Peter Dietze NDR Schleswig-Holstein. Er ist Fischer aus Niendorf und Vorstandsmitglied im Landesfischereiverband. An dem Morgen, als der Wal strandete, sei er mit seinem Kutter draußen gewesen. „Ich war so in 50 Meter Entfernung und habe gesehen, dass ein richtig dickes Seil um ihn herum war. Das sah aus wie eine Festmacherleine oder so. Das hat mit Stellnetzen nichts zu tun. Entweder das ist eine Leine vom Schleppnetz oder es könnte auch eine Ankerleine von einem Sportboot sein.“
Laut der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) werden Schleppnetze, Stellnetze und Reusen in der Ostsee zum Fischfang eingesetzt. Seit den 1960er-Jahren bestehen diese nicht mehr aus abbaubaren Stoffen, sondern aus Plastik. Wenn Fischer Netze verlieren, brauchen diese laut WWF 400 bis 600 Jahre, bevor sie verrottet sind. „An Wracks oder als aufgestellte Stellnetze fischen sie als Geisternetze noch lange (…) sinnlos weiter“, so der WWF. In Europa ist die Entsorgung von Fischereigerät auf See verboten. Fischer müssen diese also eigentlich wieder einsammeln – und, wenn sie eines verloren haben, den genauen Verlustort melden. Fischer aus Schleswig-Holstein würden es deswegen eher vermeiden, dass sie Netze verlieren, sagt Peter Dietze vom Landesfischereiverband. Auch weil sie teuer seien. „Das sind einige Tausend Euro pro Strecke, die dann im Wasser bleiben würde. Das kann sich keiner mehr leisten“, sagt er. Er betont, dass auch dänische Fischer in Schleswig-Holsteinischen Gewässern unterwegs seien.

Nach seiner Befreiung in der Lübecker Bucht ist der verirrte Buckelwal mittlerweile in der Wismarbucht gestrandet.

Zuletzt wurde der Wal vor Mecklenburg-Vorpommern gesehen. Die Entwicklungen im Laufe des Freitags zum Nachlesen.

Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann hat sich am Donnerstag an den Strand in Niendorf begeben, um sich den Buckelwal genauer anzuschauen.