Herford. Zu „Car-Freitag“ nehmen die Polizeibehörden der Region wieder die Hotspots der Tuner-, Poser- und Raserszene ins Visier. Ein beliebter Treffpunkt befand sich bislang auf Herforder Gebiet. Doch der ist offenbar Geschichte – dank eines Schildes und dem strikten Durchgreifen der Behörden.
Eigentlich ist der Karfreitag – in diesem Jahr fällt er bekanntlich auf den 3. April – bundesweit ein stiller Feiertag. Für die Besitzer und Fans PS-starker und getunter Fahrzeuge ist er als „Car-Freitag“ so was wie ein Saisonauftakt. Teils herrscht auf den Treffen der Szene an diesem Datum dann Volksfestcharakter, Hunderte Schaulustige bestaunen Autos, die nicht selten so aufgemotzt sind, dass sie eigentlich gar nicht auf deutschen Straßen unterwegs sein dürften.
Vor allem der Bereich rund um die Röntgenstraße in Elverdissen – im Grenzgebiet zum Kreis Lippe und der Stadt Bielefeld – war im vergangenen Jahr ein beliebter Anziehungspunkt. Auch schon vor Karfreitag. Bereits Ende März hatten sich knapp 800 Menschen zwischen Westfalen-Tankstelle und Burger-King-Filiale versammelt, unter ihnen viele PS-Protzer mit ihren getunten Karren. Der Grund für die recht spontane Zusammenkunft der Szene: Kurz zuvor war in den sozialen Medien publik geworden, dass an der Location ein Beitrag für eine TV-Doku über Poser und Co. entstehen soll. Das wollten sich viele Fans nicht entgehen lassen.
Autos von PS-Protzern stillgelegt

In Höhe der Westfalen-Tankstelle steht seit einigen Monaten ein Einfahrt-verboten-Schild. Und seither sei die Röntgenstraße von Besuchern der PS-Szene verschont geblieben, heißt es.
(© Daniel Salmon)
Allerdings hatten auch die Polizei und das Ordnungsamt Wind von der Aktion bekommen, zeigten massive Präsenz. Es gab so einige Verwarngelder, hagelte zudem Falschparker-Knöllchen. Davon ließen sich die PS-Protzer und ihre Fangemeinde aber nicht beeindrucken: Zu „Car-Freitag“ – nicht einmal vier Wochen später – war die Röntgenstraße erneut Anlaufpunkt für Scharen von Tuning-Jüngern aus OWL und darüber hinaus. Doch auch dieses Mal griffen die Ordnungshüter hart durch. In einer konzertierten Aktion ahndeten Beamte aus Herford, Lippe und Bielefeld Verkehrsverstöße, legten so einige illegal frisierte Autos still. Mehrere Wagenbesitzer mussten den Heimweg ohne ihren fahrbaren Untersatz.
„Wir allein haben damals 17 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen. Bei allen Autos wurde auch im Nachgang bestätigt, dass die Betriebserlaubnis erloschen war“, hatte Martin Schneeweiß, Leiter der Direktion Verkehr bei der Herforder Kreispolizei, vor Kurzem am Rande der Vorstellung der jüngsten Verkehrsunfallstatistik für den Wittekindskreis erklärt. Er wusste zudem zu berichten: „Wir haben bei unseren Maßnahmen auch mehrere Telefonate von Teilnehmern des Treffens mitbekommen. Die haben ihren Kumpels davon abgeraten, nach Herford zu kommen. Wegen der starken Polizeipräsenz.“
Ein Erfolg für den Direktionschef und seine Kollegen – aber noch nicht das Ende der Fahnenstange in Sachen Tuner-Treffen. Denn die Polizei schärfte gemeinsam mit den zuständigen Straßenverkehrsbehörden im „Dreiländereck“ im Anschluss an den „Car-Freitag“ 2025 noch in anderer Hinsicht nach. Für die Hansestadt teilt Dilara Ünal von der Pressestelle des Herforder Rathauses mit: „Von Seiten der Stadt wurde an der Röntgenstraße aufgrund der Treffen der Tunerszene in Verbindung mit entsprechenden Lärmbelästigungen das Verkehrszeichen 250 – Verbot für Fahrzeuge aller Art – mit dem Zusatzschild 1020-30 – Anlieger frei angeordnet.“
Schild legt Treffpunkt lahm
Somit ist klar: Wenn PS-Protzer das ausgeschilderte Einfahrtsverbot missachten würden, um auf der Röntgenstraße ihre Fahrzeuge zu präsentieren, könnte die Polizei ohne Weiteres Verwarngelder verhängen. Allerdings: Mittlerweile soll sich die Poser-Szene aus dem einst beliebten Bereich zurückgezogen haben. „Seitdem das Schild Ende November 2025 aufgestellt wurde, ist es mit den Treffen vorbei. Und die fanden ja eigentlich fast jeden Freitag statt, nicht nur an Karfreitag“, berichtet ein Mitarbeiter der dortigen Westfalen-Tankstelle.
Zwar hätten zunächst noch einige Tuning-Fans an der Röntgenstraße vorbeigeschaut. „Aber dann stand auch immer gleich die Polizei am Schild. Gott sei Dank ist es mit den Treffen endlich vorbei“, so der Tankstellen-Mitarbeiter.
Völlig unabhängig davon, wo und ob überhaupt Tuner oder Poser im Wittekindskreis in diesem Jahr am Karfreitag unterwegs sein sollten, kündigt Herfords Polizeisprecher Uwe Maser auf NW-Nachfrage an: „Rund um die Osterfeiertage muss im ganzen Kreisgebiet immer mit unangekündigten Kontrollen unseres Verkehrsdienstes gerechnet werden.“