Bielefeld. „Wir sehen, dass unsere Erde brennt“, sagt Angelika Claußen von der Friedensinitiative Bielefeld-OWL. Sie hat den Ostermarsch dieses Jahr mitorganisiert und in ihrem Redebeitrag zum Start auf dem Jahnplatz zeichnet sie ein düsteres Bild – nicht ohne Grund. Der Frieden hat es schwerer als noch vor wenigen Jahren, ist auch für Europäer nicht mehr so selbstverständlich, wie er es zuletzt so lange war.
Putins Russland führt seit Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Israel und die USA haben den Iran angegriffen – der Nahe Osten steht in Flammen. Claußen sieht eine „existenzielle Krise internationaler Institutionen“, nennt viele Konflikte völkerrechtswidrig. Vehement wehren sich die Redner und Teilnehmer des Ostermarsches gegen eine neue Aufrüstung und Anfänge einer neuen Wehrpflicht. „Friedensfähig statt kriegstüchtig“ ist das Motto. Von der Bundesregierung fordern sie, Waffenlieferungen einzustellen und sich stattdessen für Diplomatie und Entspannungspolitik starkzumachen.
Und sie machen eine einfache Rechnung auf: Würde die Bundesrepublik weniger Geld für Rüstung ausgeben, wäre mehr Geld für andere Dinge da. Etwa für die Pflege. Diese besondere Position vertritt dabei die Gruppierung „Care Revolution Bielefeld“, die sich aber auch dafür einsetzt, mehr Wohnraum zu schaffen, statt Waffen zu kaufen.
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Ostermarsch durch die Innenstadt
Nationalflaggen beim Ostermarsch nicht willkommen
Die Liste der Vereine, Parteien und anderen Gruppen, die den Ostermarsch unterstützen, ist 37 Positionen lang und kunterbunt. Neben Kirchen, Links- und Wagenknecht-Partei sind auch die vom Verfassungsschutz beobachtete Deutsche Kommunistische Partei und die DIDF dabei, die zuletzt 2021 im hessischen Verfassungsschutzbericht erwähnt wurde. Auch der Klimabeirat Gütersloh ist dabei – und unter den vielen Plakaten findet man sogleich eines, das konstatiert: „Krieg ist der größte Klimakiller.“
Als Mitorganisatorin Monika Greve zu Beginn des Marsches darauf hinweist, dass Nationalflaggen nicht willkommen seien, senkt ein offensichtlicher Unterstützer des iranischen Mullah-Regimes seine Fahne mit Sicheln und Schwert. Später hagelt es scharfe Kritik an den Angriffen der USA auf den Iran. An die zig tausend Opfer, die eben dieses Regime allein in den ersten Monaten dieses Jahres zu verantworten hat, um Proteste niederzuschlagen, wird jedoch nicht gedacht.
„Antisemismus-Keule“ aus Pappe
Auch an Vorwürfen gegenüber Israel mangelt es bei dem Marsch nicht. Ein Mann rennt mit Netanjahu-Maske nebenher und schwingt eine „Antisemismus-Keule“ aus Pappe. An seiner mit roter Farbe bemalten Schürze hängen Babypuppen.
Eine junge Frau auf der Rednerbühne trägt eine Halskette mit den Umrissen Israels, das aber in palästinensischen Farben gefärbt ist. Auch auf einem Plakat wird gefordert: „Until Total Liberation“ – bis zur kompletten Befreiung. Die Palästina-Flaggen durften während des Marsches übrigens geschwungen werden, denn Palästina sei – so sagte es Mitorganisatorin Greve – „leider noch kein eigenständiger Staat“.
Das Leid der israelischen Bevölkerung im Nahost-Konflikt wird dagegen nicht thematisiert. Zur Erinnerung: Am 7. Oktober 2023 griffen Kämpfer der palästinensischen Terrororganisation Hamas Israel an und durchbrachen die Sperranlage zum Gazastreifen. Die Terroristen begingen massive Verbrechen an Zivilisten, 1.140 Menschen kamen ums Leben, rund 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt.
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