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Dresden – Im Dresdner Kulturpalast wird längst nicht mehr nur musiziert, sondern kräftig gestritten. Und die Intendantin der dort ansässigen Dresdner Philharmonie, Frauke Roth (58), scheint dafür zu sorgen, dass der Takt im Dauer-Zoff mit dem Philharmonischen Chor hoch bleibt. Jetzt geht der Beef in die nächste Runde!
Ausgerechnet Stardirigent Sir Donald Runnicles (71), frisch am Pult der Philharmonie, wollte ein Zeichen setzen – und zwar ein musikalisches. Der Schotte zeigte sich nach BILD-Informationen so angetan von den Sangeskünsten des Chors, dass er gleich Nägel mit Köpfen machen wollte: eine professionelle CD-Produktion mit „seinen“ Dresdner Sängern. Doch daraus wird wohl nichts.
Veto von Roth?
Denn: Intendantin Roth habe dazwischengefunkt, heißt es aus dem Kulturpalast. Zwar habe sie der Aufnahme grundsätzlich zugestimmt, berichten Chormitglieder – allerdings unter einer Bedingung, die für reichlich Schnappatmung sorgt: Der hauseigene Chor soll draußen bleiben! Begründung aus dem Umfeld: Das Ensemble sei „nur“ ein Laienchor – und damit offenbar nicht gut genug für die eigenen Ansprüche. Stattdessen plant die Intendantin, für viel Geld einen externen Profi-Chor einzukaufen. Autsch.
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Für die rund 70 Sänger, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich proben, auftreten und den Klangkörper prägen, ist das ein Schlag ins Gesicht. Zumal viele von ihnen nicht nur Zeit, sondern auch eigenes Geld investieren – ganz ohne Honorar. Und der Ärger hat Vorgeschichte. Erst vor wenigen Wochen hatte Roth für Empörung gesorgt, als sie ankündigte: Wer künftig mitsingen will, soll zahlen! Ab 2027 monatlich 25 Euro, später sogar 35 Euro. Sonst drohe dem Chor das Aus. Begründung damals: klamme Kassen.

Führungsduo der Philharmonie: Chefdirigent Donald Runnicles, Intendantin Frauke Roth
Foto: picture alliance/dpa
Kritik aus dem Stadtrat an Roth
Doch die Zahlen werfen Fragen auf. Rund 28 Millionen Euro fließen jährlich aus dem Dresdner Stadthaushalt in die Philharmonie. Da wirkt die Idee, ausgerechnet die eigenen Sänger zur Kasse zu bitten – und sie nun auch noch durch teure Profis zu ersetzen – zumindest erklärungsbedürftig. Entsprechend gewaltig rumort es im Chor. Hinter vorgehaltener Hand ist von einer Retourkutsche die Rede. Denn die Kritik an Roth wegen ihres Führungsstils und Attacken auf den Chor war zuletzt laut geworden.
So attestierte etwa Stadtrat und Kulturpolitiker Matteo Böhme (43, Team Zastrow) Roth „ein sehr seltsames Verständnis von Kultur und Ehrenamt“. Die langjährige Arbeit des Chores verdiene Respekt und Anerkennung. „Gebühren von Chormitgliedern zu verlangen, ist respektlos“, sagte Böhme.
Philharmonie verteidigt Entscheidung
Auf BILD-Anfrage bestätigte eine Sprecherin der Dresdner Philharmonie inzwischen den Vorgang – wies den Vorwurf einer Abwertung des eigenen Chores aber zurück.
„Die Entscheidung, für eine CD-Produktion nicht primär auf den hauseigenen Philharmonischen Chor zurückzugreifen, gründet sich nicht in einer qualitativen Abwertung des Ensembles, sondern in den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Produktionsformats“, so die Sprecherin. Studioaufnahmen verlangten „ein Höchstmaß an klanglicher Homogenität, stilistischer Flexibilität sowie die Fähigkeit, auch unter erheblichem Zeitdruck reproduzierbar auf höchstem Niveau zu arbeiten“.
Welcher Chor konkret zum Einsatz kommen soll, ist noch offen. In der Vergangenheit habe man aber „oft mit dem MDR-Rundfunkchor“ gearbeitet. Zu den Kosten heißt es: Diese variierten stark – eine konkrete Summe könne derzeit nicht genannt werden.