
AUDIO: 15 Jahre Clubstiftung: Vorsitzender Heiko Langanke im Interview (6 Min)
Stand: 09.04.2026 17:32 Uhr
Wie geht es weiter mit dem Hamburger Nachtleben? 2010 gründete sich die Clubstiftung mit dem Ziel, die Clubkultur in Hamburg fördern. Am Donnerstagabend lädt die Stiftung alle Interessierten zur Podiumsdiskussion ins Molotow ein, um Bilanz zu ziehen und Fragen zu klären.
Es waren Jahre voller Veränderungen für die Hamburger Clubkultur. Gentrifizierung, hohe Mieten und steigende Strom- und Heizkosten machen den Clubs zu schaffen. Während die Gelder immer knapper werden, stehen Betreibende in der Musikmetropole Hamburg zunehmend unter Druck. Die Clubstiftung hat sich der Erhaltung und Förderung von Hamburgs Live-Musikclubs angenommen und setzt sich für die Stärkung privater Musikbühnen ein. Nun feiert die Stiftung 15-jähriges Bestehen.
Clubstiftung: Finanzielle Förderung reicht nicht
Zwar würden laut Antonio Stefaniak, Leiter der Geschäftsstelle der Stiftung, Clubs immer mehr Anerkennung als Kulturstätten finden, dennoch: Mehr finanzielle Förderung reiche nicht aus, es müsse sich auch strukturell etwas ändern. Aktuell konzentrieren sich die Clubs auf Hamburg-Mitte, Altona und St. Pauli. Durch die steigenden Mieten und fehlenden Freiflächen für Kultur sei es für Clubs jedoch schwierig geworden, Locations zu finden. Die Stadt Hamburg sollte sich mit diesem Thema auch aus stadtplanerischer Sicht beschäftigen, findet Stefaniak.
Die Clubstiftung Hamburg wurde eigenen Angaben zufolge aus Liebe zum Nachtleben und zur Livemusik gegründet und hat sich der Erhaltung und Unterstützung der Musikclubszene in Hamburg verschrieben. Sie will sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen das Hamburger Nachtleben durch nachhaltige und integrative Initiativen erleben können.
Clubkultur als Wirtschaftsfaktor
In den 15 Jahren, in denen die Clubstiftung besteht, habe sich viel verändert, erzählt auch der stellvertretende Vorsitzende Heiko Langanke. Dadurch, dass sie kein Geld in Aktien oder Immobilien anlegen, sondern in Ton- und Lichtanlagen der Clubs investieren, habe die Stiftung bereits viel Gutes für Clubs tun können. Dabei hätten sie festgestellt, was für ein großer Wirtschaftsfaktor Clubkultur und Livekultur sei, so Langanke.
Livemusik-Verhalten in stetem Wandel
Aber funktioniert die Idee von Musikclubs auch 2026 noch? Für Langanke sind Club-Macherinnen und -Macher zumindest „genauso bescheuert wie früher“ – denn die meisten täten es aus Idealismus, nicht unbedingt aus wirtschaftlichen Interessen. Einen Wandel im Freizeitverhalten und Livemusik-Kulturverhalten des Publikums habe es schon immer gegeben. Für den stellvertretenden Stiftungsleiter ist die Livekultur also kein auslaufendes Modell: „Wir Menschen sind soziale Wesen und insofern ist Livekultur auch etwas, was wir brauchen.“

Bundesweit steht die Live- und Clublandschaft unter Druck. Auf diese schwierige Lage macht die Clubwoche Hamburg aufmerksam.
Reeperbahn nicht einziger Liveclub-Standort
Dass gerade die Reeperbahn wichtigster Club-Standort in Hamburg sei, hält Langanke für ein Klischee. „Das Zentrale ist eher das, was die Liveclubs auszeichnet, nicht, dass es unbedingt die Reeperbahn sein muss. Der Wandel der Reeperbahn liegt nicht in unseren Händen alleine, aber es muss nicht unbedingt dort sein.“
Auch wirtschaftlich spielen Musikclubs für Hamburg eine zentrale Rolle. Hamburg selbst werbe gerne und stolz mit seinen Liveclubs – und sei auch als Ausgehstadt bekannt, findet Langanke. „Wenn man nach Hamburg fährt, um ein langes Wochenende zu verbringen, dann wollen sich viele jüngere Leute durchaus Liveclubs antun.“
Am Donnerstagabend lädt die Clubstiftung ins Molotow ein
Am Donnerstagabend, den 9. April, lädt die Clubstiftung nun zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit dem Titel „15 Jahre Clubstiftung Hamburg – (K)ein Grund zum Feiern?“ im Molotow ein. Denn 15 Jahre Clubstiftung Hamburg sollen nicht mit einer klassischen Jubiläumsfeier gefeiert werden. Stattdessen möchte man einen kritischen Blick auf die Stiftungsarbeit und die aktuelle Lage des Hamburger Nachtlebens werfen.
Dabei sollen zentrale Fragen offen diskutiert werden: Warum gibt es die Stiftung eigentlich? Was hat sich in den letzten 15 Jahren verändert? Und vor allem – wo steht Hamburgs Clubkultur heute angesichts steigender Mieten, fortschreitender Gentrifizierung und dem Verlust von Freiräumen?
Gemeinsam mit Gästen aus Stadtentwicklung, Clubkultur und Journalismus soll über Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven gesprochen werden. Die Veranstaltung ist für alle Interessierten öffentlich zugänglich und richtet sich an alle, die sich für Clubkultur, Stadtentwicklung und kulturelle Freiräume interessieren.
Mit Informationen von Susanne Hasenjäger.

Wir haben dazu aufgerufen, Erinnerungen an Clubs und Diskotheken der 1980er- und 1990er-Jahre zu teilen. Hier eine Auswahl!

Das Buch „Hamburg Wache 16“ von Kabarettist Michael Ehnert erzählt vom aufreibenden Polizeialltag der 1970er-Jahre auf St. Pauli.
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