Das Logo der Firma Northvolt hinter einer Glasscheibe

AUDIO: Nachrichten 16:00 Uhr – 10.04.2026 (4 Min)

Stand: 10.04.2026 16:14 Uhr

Aus der Insolvenz des schwedischen Batterieherstellers Northvolt können offenbar rund 153 Millionen Euro Steuergelder gesichert werden. Weitere Millionen sollen folgen. Somit kostet die Pleite den deutschen Steuerzahler weniger als zunächst angenommen.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittag mitteilte, ist ein Teil der 600 Millionen schweren Wandelanleihe zurückgeflossen. Konkret geht es um 153 Millionen Euro. Das Geld geht jeweils zur Hälfte an den Bund und an das Land Schleswig-Holstein. Weitere 69 Millionen Euro könnten im Sommer an die staatliche Förderbank KfW zurückgehen. Dafür muss zuvor noch eine Genehmigung durch das Land rechtskräftig werden, heißt es.

Hunderte Millionen bereits investiert

Northvolt hatte für den Bau der Batteriefabrik bei Heide (Kreis Dithmarschen) von der KfW eine Wandelanleihe in Höhe von 600 Millionen Euro erhalten. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte für diese Summe. Es heißt, dass rund 330 Millionen Euro aus der Anleihe bereits in Investitionen wie Grundstückskäufe oder Maschinen geflossen seien. 50 Millionen Euro sollen laut Nachrichtenagentur dpa auf einem Sperrkonto zurückgehalten werden, um eine Insolvenz der Northvolt-Tochter „Northvolt Drei“ – so der Name des Projekts bei Heide – zu verhindern.

Blick auf das Baufeld der geplanten Batteriezellfabrik der Firma Northvolt bei Heide.

Viele sahen das Projekt als entscheidend an. Heute zittern Bund und Land um die 600 Millionen Euro, die Northvolt erhielt.

Lyten-Übernahme könnte weitere Millionen bringen

Durch die geplante Übernahme von Northvolt durch das US-Unternehmen Lyten könnten weitere Gelder in zweistelliger Millionenhöhe an den Bund sowie das Land fließen: Der Grund: Es sei auch eine Übernahme von „Northvolt Drei“ durch den US-Konzern geplant. Der Chef des Unternehmens Lyten, Dan Cook, hatte bei einem Treffen mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung im März versichert, rund 1.000 Arbeitsplätze auf dem Gelände bei Heide zu planen. Die Gespräche zwischen Bund, Land und der KfW dauern laut Wirtschaftsministerium weiter an.

FDP: „Erheblicher Schaden für das Land“

Lasse Petersdotter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bezeichnet den Prozess rund um die Insolvenz von Northvolt als „belastend“, verweist gleichzeitig darauf, dass die Arbeit des Landes sich nun auszahle, indem Schleswig-Holstein nun 76,4 Millionen zurückerhalte. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Bernd Buchholz, nannte es „positiv“, dass der Verlust weniger hoch ausfalle, sagt aber auch, dass es ein „erheblicher Schaden für das Land“ bleibe.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen

Für Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) ist die Sicherung ein guter Schritt. „Wir haben damit weniger Steuergelder verloren.“ In aller erster Linie müsse nun auch das Grundstück vermarktet werden, so Madsen weiter. Das Baugrundstück hat laut Madsen bereits eine „gewisse Reife“ erreicht und ist deshalb auch attraktiv für weitere Investoren.

SPD: „Gesamtbilanz fällt weiterhin negativ aus“

Für Kianusch Stender, Vorsitzender der SPD Flensburg, ist der entstandene Schaden immens. Den Rückfluss des Geldes bezeichnet er als „Schadensbegrenzung“. „Am Ende zählt die Gesamtbilanz und die fällt weiterhin sehr deutlich negativ aus.“ Das zurückgeflossene Geld müsse nun unmittelbar zur Tilgung des Kredits verwendet werden, so der SPD-Politiker. Der Wert des Grundstücks in Heide darf laut Stender nicht unter den Tisch fallen. Bei einem Deal mit Lyten müsse sich das bereits investierte Geld im Verkaufspreis widerspiegeln.

SSW fordert volle Transparenz bei Übernahme durch Lyten

Sibylla Nitsch vom SSW mahnt, die Rückzahlung sei reine Schadensbegrenzung und keine Entwarnung. Sie richtet den Blick nach vorne. Auf dem Gelände bei Heide sei durch die bisherigen Investitionen ein realer Wert entstanden, der nicht verramscht werden dürfe. Sie forderte volle Transparenz bei der geplanten Übernahme durch Lyten.

Erste Teilgenehmigung für Fabrikbau

Das Landesamt für Umwelt hat Northvolt hat nun die erste Teilgenehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz für die Errichtung einer Batteriefabrik in Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof bei Heide erteilt. Damit besteht nach Angaben einer Sprecherin der North Volt Drei Projekt GmbH größere Planungssicherheit und auch die Genehmigungsfähigkeit des Gesamtprojekts wurde damit bestätigt.

Der Bürgermeister der Gemeinde Lohe-Rickelshof, Kai Tange (SPD), reagierte auf NDR Schleswig-Holstein Anfrage zurückhaltend: „Hier geht es nach meinem Verständnis um die Teilgenehmigung für die Batteriefabrik. Lyten hat ja jetzt andere Pläne.“ Tange rechnet damit, dass die Bebauungspläne dafür geändert werden müssten.

Eine Aufnahme der Batteriefabrikbaustelle in Dithmarschen bei Heide

Das amerikanische Start-up will die Fabrik nicht nur für die Batterieproduktion nutzen. Dazu Andreas Schmidt.

Claus Ruhe Madsen (CDU), Tobias Goldschmidt (Grüne) Daniel Günther (CDU) und Dan Cook

Lyten-Chef Cook hat am Dienstag der Landesregierung die Übernahme des Northvolt-Projektes in Heide vorgestellt. Der Bau soll im kommenden Jahr starten.

Eine Drohnenaufnahme des Geländes in Heide, wo eigentlich eine Batteriezellenproduktion der Firma Northvolt entstehen sollte.

Große Hoffnungen, viel Steuergeld: Nach der Northvolt-Insolvenz wartet die Region Heide weiter auf das US-Unternehmen Lyten.

Eine Fabrik des Batterien-Start-Ups Lyten

Der US-Konzern Lyten will mit neuen Batterien im Norden Geschäfte machen. Doch nicht alle Experten sind überzeugt.

Ein Gelände mit Geröl und einigen Förderbändern.

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