Der Chef der Berliner Taxizentralen, Hermann Waldner, warnt, dass die Spritpreiskrise zu existenzgefährdenden Verwerfungen in seiner Branche führen könnte. „Die hohen Spritpreise sind ein Riesenproblem für das Taxigewerbe. Es wird bald zu noch mehr Pleiten von Taxiunternehmen in Berlin kommen“, sagte er dem Tagesspiegel. Infolge des Angriffs auf den Iran durch die USA und Israel Ende Februar sind die Preise für Diesel und Benzin deutlich angestiegen. Inzwischen kostet der Liter E10 vielerorts weit über zwei Euro.
Schon vor dem Preisschock kämpfte das Taxigewerbe mit niedrigen Umsätzen. Dem Vernehmen nach setzt ein Wagen in Berlin im Schnitt rund zwanzig Euro pro Stunde um. Zu wenig, um davon Fixkosten, Sozialabgaben und Steuern zu begleichen – und dann soll ja noch ein faires Gehalt herausspringen. Überleben können unter diesen Bedingungen derzeit vor allem Alleinfahrer, die sich selbst keinen Mindestlohn zahlen müssen. Mehrwagenbetriebe, die dazu verpflichtet sind, haben es hingegen zunehmend schwer.
Zukunftsängste in der Bevölkerung
Waldner zählt auf, welche Gründe hinter der Flaute stecken: Zum einen sei der Kaufkraftverlust infolge der Inflation seit 2020 schuld an den miesen Umsätzen. Auch Zukunftsängste in der Bevölkerung führten dazu, dass die Leute weniger Taxi fahren. „Die Menschen sparen, wo es nötig ist. Dazu gehören leider oft Taxifahrten“, meint Waldner. Zum anderen befinde sich das Taxigewerbe mit den Fahrdiensten in einem Verdrängungskampf. Sie werden per App über Anbieter wie Uber und Bolt an Fährgäste vermittelt.
Die Zahl dieser Mietwagen mit Fahrer, wie die Fahrdienste offiziell heißen, war in Berlin nach 2024 zunächst stark zurückgegangen. Grund war, dass die Ordnungsbehörde Labo scharf gegen Betrüger in der Branche vorgegangen war. Doch daraufhin ließen sich viele Fahrdienste im Brandenburger Umland nieder. „Sie schädigen das Berliner Taxigewerbe in erheblichem Maße“, sagte Waldner.
Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin.
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In der jetzigen Spritpreiskrise haben die Fahrdienste einen großen Vorteil: Sie können ihre Preise frei wählen. Taxen dürfen das nicht. Das Land Berlin schreibt ihnen verbindliche Tarife vor. Einzig bei sogenannten Festpreisfahrten können die Taxen seit 2024 einen Tarifkorridor wählen. Dieser darf zwanzig Prozent über und bis zu zehn Prozent unter dem regulären Taxametertarif liegen.
Im Tagesspiegel vor 80 Jahren Nicht nur meckern – Vorschläge machen!
Zur Wahrheit gehört allerdings dazu: Die Zahl der Taxen in Berlin nimmt seit einigen Monaten wieder zu. Wie passt das mit den kleinen Umsätzen zusammen? Branchenkenner:innen vermuten, der Anstieg sei eine direkte Folge des Verdrängungskampfes mit den Fahrdiensten. Anscheinend wechselten einige, denen das Labo die Mietwagen-Zulassung entzogen hatte, ins Taxigewerbe.
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Hermann Waldner hofft, dass der Staat es wie in anderen EU-Staaten macht und eine gewisse Zeit auf Steuereinnahmen verzichtet. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) plädierte am Freitagmorgen im ARD-„Morgenmagazin“ dafür, die CO₂-Abgabe für eine Zeit zu senken oder auszusetzen. Er forderte außerdem von der Bundesregierung, einen Spritpreisdeckel einzuführen.