Es ist noch gar nicht so lange her, da mussten sich die Eisbären nicht wirklich strecken, um die Kölner Haie nach Belieben zu dominieren. Nachdem die Zeit von Trainer Uwe Krupp in Berlin 2018 geendet hatte und er 2020 seine zweite Amtszeit am Rhein begann, musste er ein ums andere Mal feststellen, dass er kaum Lösungen hatte, um seinen Ex-Klub zu ärgern. Die Haie waren lange Zeit eine Art Lieblingsgegner der Eisbären.

Inzwischen sind die Kölner ein echter Rivale geworden. Unter Trainer Kari Jalonen kann das Team seine Potenziale wieder entfalten. Zumindest dann, wenn es gegen Teams geht, die sich dem druckvollen System der Haie unterordnen, wodurch die Qualität im Kader zum Tragen kommt.

Schöner geht’s gar nicht.

Leo Pföderl über seine Empfindungen während der Play-offds

In der Hauptrunde zeigte sich das, als die Haie über weite Strecken ihren Stiefel herunterspielen konnten und am Ende 116 Punkte sammeln konnten. Doch in den Play-offs weht eben ein anderer Wind. Das bekommen sie gerade im Halbfinalduell mit den Eisbären zu spüren.

Nach dem 4:2 aus Sicht der Berliner am Sonntagabend sprach Jalonen „von einem der besten Spiele, das ich in dieser Saison gesehen haben“. Zwar lobte er sein Team dafür, dass es am Ende das Spiel noch mal spannend gemacht habe. Aber die ersten Minuten, „in denen die Eisbären sehr stark waren“, wie er sagte, dauerten eigentlich 50 Minuten. Bis auf die letzten zehn Minuten waren die Kölner klar unterlegen.

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Leo Pföderl, der nach langer Torflaute, seine ersten beiden Treffer in diesen Play-offs erzielen konnte, sprach sogar vom besten Spiel der Eisbären in dieser Saison. „Schöner geht’s gar nicht“, sagte er über seine Empfindungen in diesen Tagen.

Dass die Eisbären in den Play-offs meist mehrere Level über dem Niveau der Hauptrunde performen, ist mittlerweile bekannt. Die Art und Weise, wie sie in diesem dritten Spiel das Geschehen dominierten und beim Puckbesitz, bei den gewonnenen Zweikämpfen und den Schüssen aufs Tor klar führend waren, überraschte dann schon.

Eisbären lassen die Gegner in den Play-offs stolpern

Vielleicht waren die Haie in Gedanken noch zu sehr beim 5:1 am Freitagabend, als sie im zweiten Drittel den Berlinern nicht den Hauch einer Chance ließen. Und es fehlte die Anpassungsfähigkeit an einen Gegner, der sich sortiert und einen genauen Plan hatte, wie er das Kölner System entscheidend sprengen kann. Janne Juvonen hielt zwar deutlich besser als in Spiel eins. Allerdings musste er sich trotz starker Paraden der Berliner Wucht ergeben.

Dass die Eisbären in den Play-offs derart zielstrebig wirken, liegt natürlich an der Qualität der Spieler und der Siegermentalität des Vereins, die auch auf neue Spieler wie Markus Vikingstad oder Andreas Eder übertragen wird. Aber nicht zu unterschätzen ist eben die Flexibilität, sich immer wieder neu ausrichten zu können. Es geht nicht unbedingt darum, den eigenen Stiefel herunterzuspielen, sondern die Gegner stolpern zu lassen.

Dank eines aggressiven Forecheckings und dem Willen jeden Zweikampf gewinnen zu wollen, bremsten die Eisbären die Haie ab dem ersten Wechsel aus. Und dann gibt es eben die vielen Einzelkönner, die einem solchen Spiel ihren Stempel aufdrücken können – wie in diesem Fall Leo Pföderl.

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Es ist davon auszugehen, dass die Eisbären sich wieder etwas Spezielles zurechtlegen, um die Haie in ihrem zweiten Heimspiel zu ärgern. Bereits das erste Drittel im zweiten Duell dieser Serie hatte Hinweise geliefert, wie es aussehen kann. Schon hier kamen die Kölner kaum zur Entfaltung, bevor sich dann die Berliner ihrerseits von ihrem Stil verabschiedeten und dafür bestraft wurden.

Man darf jedenfalls gespannt sein, ob die Kölner ihrerseits lernfähig sind. Denn sonst droht die große Euphorie rund um den Verein von den Berliner Systemsprengern schnell wieder ausgebremst zu werden.