Standdatum: 14. April 2026.

Autorinnen und Autoren:
Verena Patel

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Eine Frau legt an Stolpersteinen Blumen nieder

In Bremen werden 21 neue Stolpersteine verlegt. Sie dienen dem Gedenken an Opfer des NS-Regimes. (Symbolbild)

Bild: dpa | Jens Kalaene

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Sie wurden Opfer von Euthanasie, in Haft oder gar im Exil in den Tod getrieben: Für sie und weitere Bremer werden in dieser Woche insgesamt 21 Gedenksteine in den Boden gesetzt.

Die neuen Stolpersteine verlegen die Landeszentrale für politische Bildung Bremen und der Initiativkreis Stolpersteine Bremen am Dienstag und Mittwoch. Der Initiativkreis ist eine selbständige Gruppe im Verein Erinnern für die Zukunft.

Die in den Gehweg eingelassenen Steine dienen dem Gedenken an Familien und Einzelpersonen, die während der Zeit des Dritten Reichs verfolgt, ermordet oder in den Tod getrieben wurden. Darauf sind Messingplatten mit den Namen, Geburtsdaten und Todesdaten angebracht.

Verein recherchiert Lebenswege von NS-Opfern

In Bremen gibt es bereits mehr als 800 Gedenksteine, in ganz Europa rund 116.000. Laut Initiativkreis wollen Angehörige einige der Verlegungen für ihre verstorbenen Verwandten begleiten, ebenso wie Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mitte und der Waldorfschule.

„Gerade für Menschen, die nicht in Deutschland leben, kann ein Stolperstein ein Fixpunkt sein für das Gedenken und die Trauer, denn ein Grab ihrer Angehörigen können sie ja leider nicht besuchen“, sagt Peter Christoffersen vom Initiativkreis Stolpersteine. Der Verein recherchiert die Lebenswege von NS-Opfern mithilfe von Einwohnermeldedaten, anderen Archivbeständen und manchmal auch privaten Sammlungen.

Dass noch lebende Angehörige an den Verlegungen teilnehmen können, ist manchmal auch ein Ergebnis der Recherchen: „Manchmal treten Verwandte an uns heran und wir fangen dann an zu recherchieren, andere Male kommen Kontakte darüber zustande, dass wir in Datenbanken recherchieren und dann Verweise auf lebende Angehörige bekommen.“

Drei Familiengeschichten haben wir hier aus dem Material des Initiativkreises zusammengefasst:

Familie Reichmann, Achimer Straße 32

Herbert Reichmann (Kind) mit Löwenbaby

Herbert Reichmann als Kind mit einem Löwenbaby auf dem Arm.

Bild: Initativkreis Stolpersteine

Der in Göttingen aufgewachsene Hugo Reichmann kam 1913 nach Bremen, wo er nach dem Ersten Weltkrieg Ida Scherk heiratete. Das jüdische Paar wohnte ab 1923 in der Achimer Straße 32 und bekam 1925 einen Sohn, Herbert. 1933 reiste die Familie nach Brasilien aus. Dort arbeitete Hugo Reichmann als Lehrer und Übersetzer, das Geld war jedoch knapp. Reichmann wurde im Exil nicht heimisch, entwickelte depressives und auffälliges Verhalten, auch der Sohn entwickelte Suizidgedanken. Ida Reichmann wollte daraufhin eine klarere Abgrenzung von ihrem Ehemann, 1939 sprach ein Gericht die Trennung von Tisch und Bett aus.

Ida Reichmann

Ida Reichmann nahm nach Kriegsende die brasilianische Staatsbürgerschaft an.

Bild: Initiativkreis Stolpersteine

Am 7. Juni 1939 kam es zur Tragödie: Der damals 55-jährige Hugo Reichmann und sein 14-jähriger Sohn Herbert wurden tot aufgefunden. Offenbar hatte der Vater vorher eine Schusswaffe auf sich gerichtet, was aber nicht zum Tod führte. Der 14-jährige Herbert schoss demnach noch zweimal auf seinen Vater und nahm sich danach selbst das Leben. Die Hinterbliebene Ida Reichmann ließ sich nach Kriegsende in Brasilien einbürgern und arbeitete als Lehrerin. Für Familie Reichmann wird ein Stolperstein an der Achimer Straße 32 verlegt.

Familie Stein, Sielwall 79

Wilhelm Stein wurde 1893 in Bremen geboren, machte eine kaufmännische Ausbildung und übernahm nach dem Tod des Vaters 1921 dessen Juweliergeschäft. 1930 zog er mit Frau und Sohn ins belgische Antwerpen, weil er Verfolgung fürchtete, falls die Nationalsozialisten an die Macht kommen würden. 1936 wurde Stein während einer Geschäftsreise in Braunschweig verhaftet. Nach Haftende nahm ihn die Gestapo in sogenannte Schutzhaft. Im Gefängnis in Braunschweig nahm er sich 1938 das Leben.

Die United Restitution Organization, eine Organisation, die NS-Opfern hilft, ihre Kompensationsansprüche für erlittene Schäden und beschlagnahmtes Eigentum zu stellen, stellte demnach 1953 klar: „Er ist also im Rahmen einer Verfolgungsmaßnahme als Jude von der Gestapo in den Tod getrieben worden.“

Seine Frau und die beiden Kinder gingen während des Zweiten Weltkriegs in den Untergrund. Nach Kriegsende wanderten sie in die USA aus. Für die Familie Stein wird ein Stolperstein am Sielwall 79 verlegt, wo die Familie von 1924 bis zur Ausreise nach Belgien gewohnt hatte.

Louise Mornhinweg, Halmerweg 130

Louise Mornhinweg wurde 1881 in Bremen geboren. Sie arbeitete als Dienstmädchen und bekam zwei Töchter, bevor sie 1901 den Maurer Julius Robert Mornhinweg heiratete. Das Paar bekam noch vier gemeinsame Kinder. Julius Mornhinweg fiel im Ersten Weltkrieg. Seine Frau belastete es sehr, die sechs Kinder alleine großziehen zu müssen. Sie wurde alkoholabhängig, in den 30er-Jahren zog sie oft um, war zwischenzeitlich obdachlos. Ab 1939 wohnte Mornhinweg im Altersheim, dann wieder bei ihren inzwischen verheirateten Töchtern.

1944 kam sie in die Bremer Nervenklinik. Nach Bombenschäden wurde sie nach Lüneburg verlegt, wo sie im November desselben Jahres starb. „Die meisten der verlegten Patienten starben infolge von Medikamentenüberdosierungen, durch Nahrungsentzug, pflegerische oder medizinische Vernachlässigung“, schreibt der Initiativkreis Stolpersteine. Am Halmerweg 130, wo ihre Tochter Robertine wohnte und sie vorübergehend aufgenommen hatte, wird mit einem Stolperstein Louise Mornhinwegs gedacht.

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Bild: Radio Bremen

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Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 14. April 2026, 11:15 Uhr