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Berlin – Um das Müllproblem der Hauptstadt in den Griff zu bekommen, plant der Senat eine ungewöhnliche Offensive: Touristen sollen zu Müll-Sheriffs auf Zeit werden. Wer Abfall aus der Spree fischt oder Parks sauber hält, bekommt als Belohnung Gutscheine für Museen oder Cafés. Das Konzept „BerlinPay“, angelehnt an das Vorbild Kopenhagen, soll Berlin attraktiver und sauberer machen. Aber haben Urlauber zwischen Brandenburger Tor und Currywurst-Bude überhaupt Lust auf Putz-Urlaub?

Klara (35), Textilkünstlerin aus Göteborg (Schweden), steht am Lustgarten vor dem Berliner Dom und muss herzlich lachen, als sie von dem Angebot erfährt: „Sollten das nicht eigentlich die Bewohner der Stadt machen?“, fragt sie. Doch die Skandinavierin ist höflich und hilfsbereit: „Ich sammle auch zu Hause Müll auf, wenn ich etwas sehe. Warum also nicht auch, wenn ich auf Reisen bin?“ Ähnlich sehen es die Grafikdesign-Studenten Ksenia (22) und Markiz (23) aus Warschau. Sie sind für vier Nächte in Berlin und vom Belohnungssystem sofort angetan: „Eine gute Idee! Kostenlos in Museen zu kommen, wäre wirklich cool.“

Die Schwedin Klara (35) würde sofort loslegen, wenn es das Müllsammel-Angebot für Touristen gäbe

Die Schwedin Klara (35) würde sofort loslegen, wenn es das Müllsammel-Angebot für Touristen gäbe

Foto: Stefanie Herbst

Die Studenten Ksenia (22) und Markiz (23) aus Polen würden sich über kostenlose Eintritte oder Gutscheine freuen

Die Studenten Ksenia (22) und Markiz (23) aus Polen würden sich über kostenlose Eintritte oder Gutscheine freuen

Foto: Stefanie Herbst

Etwas skeptischer sind Yang (24) und Ollie (24) aus China, die in Darmstadt und London studieren. Sie fragen sich, wie die Kontrolle funktionieren soll: „Wie beweist man eigentlich, dass man den Müll wirklich aufgehoben hat?“ Zudem finden sie Berlin gar nicht so dreckig: „80 Prozent der Straßen, die wir gesehen haben, waren sauber.“ Grundsätzlich würden aber auch sie Müll aufsammeln.

Ollie (24) und Yang (24) aus China vor dem Alten Museum

Ollie (24) und Yang (24) aus China vor dem Alten Museum

Foto: Stefanie Herbst

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Datenwissenschaftler Thomas van Bavel (27) aus Rotterdam kennt ähnliche Überlegungen aus Amsterdam. Er glaubt nicht an den Erfolg der Berliner Idee, denn er bezweifelt den tatsächlichen Nutzen: „Man müsste wohl mehr Geld ausgeben, um das Konzept zu bewerben, als es am Ende einen sichtbaren Effekt hätte.“ Er hat kein Problem damit, den vollen Preis für Eintritt oder Essen zu bezahlen, „höchstens als Student hätte ich das gemacht“.

Niederländer Thomas von Bavel (27) vor dem Neuen Museum

Der Niederländer Thomas von Bavel (27) vor dem Neuen Museum

Foto: Stefanie Herbst

Gerlinde Kellnberger (59) aus Niederbayern hebt zu Hause ohnehin den Müll auf, in Berlin würde sie es auch machen: „Ich habe gestern erst darüber nachgedacht, als ich Dreck auf der Straße sah. Aber man will es eben nicht mit der bloßen Hand anfassen.“ Die Bereitschaft der höflichen Touristen ist also grundsätzlich da. Eine Augsburger Familie sieht es pragmatisch und würde im Urlaub keinen Müll sammeln: „Das Problem gäbe es gar nicht, wenn jeder seinen eigenen Müll wegbringen würde.“