Megawatt-Elektrolyseure bestehen heute meist noch aus Dutzenden Modulen - das soll sich ändern. Abb.: SunfireMegawatt-Elektrolyseure bestehen heute meist noch aus Dutzenden Modulen – das soll sich ändern. Abb.: Sunfire

Größe zählt: Wasserspalter stoßen in 50-Megawatt-Klasse

Dresden, 14.04.26. Um die Wasserstoff-Produktion europaweit anzukurbeln und vor allem den teuren „Öko“-Wasserstoff billiger zu machen, setzt der Dresdner Anlagenhersteller „Sunfire“ auf Größe: Ihr neuer 50-Megawatt-Elektrolyseur ist so wetterfest, dass er kein eigenes Gebäude mehr braucht. Die Druckalkali-Anlage kommt mit weniger Einzelteilen aus, verträgt mehr Betriebsdruck und lässt sich besser als die bisherigen Klein-Elektrolyseure in Fabriken vorfertigen. All dies halbiert letztlich die Investitionskosten, verspricht „Sunfire“.

5 Hebel drücken die Investkosten

„Mit dem neuen System setzen wir fünf zentrale Hebel für mehr Wirtschaftlichkeit“, betont Sunfire-Technikchef Christian von Olshausen: „Erstens steigern wir die Modulleistung von 10 auf 50 Megawatt und senken dadurch den Material- und Komponentenaufwand deutlich. Zweitens ist die Lösung vollständig für den Outdoor-Betrieb konzipiert, sodass Gebäude und gebäudebezogene Infrastruktur als wesentliche Kostentreiber entfallen. Drittens sind zentrale Schnittstellen bereits in die Anlage integriert, was die Komplexität erheblich reduziert. Viertens verkürzt ein hoher Vorfertigungsgrad die Installationszeit und minimiert den Aufwand vor Ort. Fünftens basiert das System auf unserer bewährten 30-bar-Stack-Technologie mit validierter Performance. Diese fünf Verbesserungen zusammen senken die installierten Gesamtkosten für unsere Kunden um bis zu 50 Prozent.“

Sunfire-Chef Christian von Olshausen mit einem Elektrolyse-Container sowie der E-Diesel-Pilotanlage (rechts) im Hintergrund. Foto: Heiko WeckbrodtSunfire-Chef Christian von Olshausen mit einem Elektrolyse-Container. Foto: Heiko Weckbrodt

Öko-Wasserstoff ist immer noch zu teuer

Die Idee, Kohle, Erdgas und andere fossile Brennstoffe in Stahlwerken, Chemiebetrieben, Kraftwerken, womöglich auch in Lastern, Autos und Flugzeugen durch umweltfreundlich gewonnenen Wasserstoff zu ersetzen, geistert schon lange durch die Köpfe von Ingenieuren und Umweltpolitikern. Bisher kamen diese Versuche jedoch kaum über Pilotprojekte hinaus und wurden oft noch vor dem Übergang zur Serienproduktion wieder eingestellt. Hauptgrund: Ohne Subventionen sind Elektrolyseure, Strom und letztlich auch der damit gewonnene „grüne“ Wasserstoff viel zu teuer.

Sachsen arbeiten bereits an superheißen Elektrolyseuren von morgen

Unternehmen wie Sunfire, aber auch Fraunhofer, die TU Chemnitz und andere Forschungsinstitute drehen daher an mehreren Stellschrauben, um diese Kosten zu senken. Ein Weg führt eben über leistungsstärkere Anlagen in der klassischen Alkali-Technologie mit mehr Betriebsdruck und weniger Einzelteilen. Eine zweite Technologielinie verfolgt Sunfire im eigenen Hause: Hochtemperatur-Elektrolyseure lassen sich mit Wirkungsgraden jenseits der 80 Prozent betreiben und kommen dadurch auf mehr Wasserstoff-Ausbeute. Allerdings sind sie in der Anschaffung teurer, zudem müssen sie auf Temperaturen um die 800 Grad angeheizt werden. Das erfordert strapazierfähige Materialien. Und richtig effizient lässt sich solch ein Hightech-Wasserspalter in einem Hochpreisland wie Deutschland nur in der Nähe von Stahlwerken oder anderen Industriebetrieben betreiben, die ohnehin viel Abwärme produzieren.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Sunfire, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt