Die Rettungsaktion für den gestrandeten Wal vor der kleinen Ostsee-Insel Poel läuft. Helfer begaben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal, wie im Livestream von News5 zu sehen war. Unter anderem spritzten sie mit den Händen Wasser auf den Wal. Am Hafen ist ein Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, riesigen Schwimmpontons und Rohren eingetroffen.

Umgesetzt wird das Rettungskonzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut zuständigem Umweltministerium die Verantwortung trägt. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur gesagt. „Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.

Hinter dem Konzept stehen neben Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. „Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie“, sagte die Unternehmerin der dpa. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal ausgehen könne. „Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Dann sei das die Natur. „Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen.“

So soll die Rettung ablaufen

  • Nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus (SPD) war geplant, heute Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben.
  • Dazu soll Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal solle dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden.
  • Gehe alles gut, könne der Transport aus der Region am Freitag beginnen, sagte Backhaus. Ein Schlepper soll die beiden Pontons bis in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik ziehen, um den Wal dort freizulassen.
  • Die private Initiative habe laut Backhaus eine Tierärztin aus Hawaii eingeflogen, die dem bestehenden Team nun zur Seite stehe.

Livestream von News5

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Walforscher sieht Rettungsversuch skeptisch

Ich bin skeptisch gegenüber diesem Versuch der Befreiung des Wals“, sagte Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. dem Tagesspiegel. Zwar sei der Rettungsplan nach bestem Wissen erarbeitet worden. Doch „selbst die jetzt an der Rettungsaktion Beteiligten geben keinerlei Garantie, dass es klappt. Es gibt zu viele Unwägsamkeiten“.

Von einer Rettung werde man erst sprechen können, „wenn der Wal es unbeschadet schafft, wieder frei zu schwimmen und Nahrung aufzunehmen, und zwar über mehrere Wochen“. Davon sei man aber weit entfernt. „Ich fürchte, hier wird gerade Aktionismus betrieben, der auch eine Gefahr für den Wal sein kann“. Ritter finde es zudem „merkwürdig, dass zu diesem Zeitpunkt keine der bisherigen beteiligten Experten einbezogen wurden“.

Der Forscher „bleibe bei seiner Einschätzung, dass es bei diesem Zustand des Wals keine gute Idee ist, auf die geplante Weise zu verfahren. Die Risiken sind zu hoch, dass das Leiden des Wals vergrößert wird.“

Der Meeresbiologe Boris Culik hatte zuvor auf die Netzreste im Maul des Tieres verwiesen. Man müsse den Wal nun dazu bringen, sein Maul zu öffnen. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer.“

Und weiter: „Für die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern ist das ja ein Glücksfall, dass jetzt ein privater Investor kommt und denen den Wal wegtransportiert“. Die Landesregierung sei für alles innerhalb der 12-Meilen-Zone zuständig. „Wenn der jetzt da gestorben wäre, hätten Sie ihn entsorgen müssen. Das wäre dann zulasten der Landeskasse gegangen.“ Herr Backhaus entledige sich damit zudem des Problems, dass er persönlich verantwortlich gemacht werde, wenn der Wal in Mecklenburg-Vorpommern stirbt.

Greenpeace: Keine Unterstützung für geplante Walrettung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an dem neuen Versuch. „Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt“, teilte eine Sprecherin mit.

Laut wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seien die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung sehr gering und gehen mit einem hohen Verletzungsrisiko einher.

Greenpeace habe sich in den vergangenen Tagen an den Rettungsversuchen beteiligt. „Jetzt konzentrieren wir unsere Arbeit darauf, den Schutz der Meere auch als Lebensraum der Wale voranzubringen.“

Experten nicht an neuem Rettungsversuch beteiligt

Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, hatte am Mittwoch ebenfalls mitgeteilt, dass es nicht in die Vorbereitungen der Lebendbergung einbezogen wurde. Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor.

Umweltminister: Der Wal hat eine Chance

Backhaus hat den Versuch einer privaten Initiative zur Rettung des gestrandeten Buckelwals verteidigt. Entscheidend sei, dass nun erstmals ein geeignetes, ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe. Der Wal dürfe nicht verletzt werden. „Solange das eingehalten wird, sehe ich keinen Grund, dass die Chance nicht genutzt wird“, sagte Backhaus auf der Insel Poel.

Alle Beteiligten wüssten, dass der Wal sich in einem schwierigen Zustand befinde. Doch das Tier zeige nach wie vor Aktivitäten. Ab und zu bewege er die Flossen. Er hebe den Kopf aus dem Wasser und atme regelmäßig und kommuniziere auch durch Rufe. „Und ich habe immer gesagt, ich werde diesen Wal bis zum Ende begleiten, in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum. Und dazu stehe ich.“

Bei allem Wohlwollen finde er, dass auch die Wissenschaft sich mal irren könne, sagte er mit Blick auf kritische Stimmen zu dem Rettungsversuch.

Seit Wochen bewegt das Schicksal des gestrandeten, „Timmy“ und „Hope“ getauften Buckelwals viele Menschen. Seit dem 31. März liegt das Tier in etwa 1,50 Meter Wassertiefe vor Poel.

Überraschende Wende für den sehr geschwächten Wal

Zuletzt sah alles danach aus, dass die Reise des Wals vor der Insel Poel enden würde. Experten hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Bei einer Pressekonferenz in Schwerin kündigte Backhaus am Mittwoch dann eine Kehrtwende an.

Demnach gab er grünes Licht für das Rettungskonzept. „Insofern tritt jetzt eine neue Situation ein“, sagte Backhaus. Er sei zwar noch vorsichtig, aber „doch ziemlich glücklich“. Das ambitionierte Vorhaben sei in seiner Form nach seiner Kenntnis einzigartig, sagte Backhaus.

Die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein.

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Backhaus geht von weiteren künftigen Wal-Strandungen an deutschen Küsten aus. „Der nächste Wal kommt bestimmt“, sagte er vor Beginn der neuen Rettungsaktion für den Buckelwal. Für den Umgang mit künftigen Strandungen forderte Backhaus eine überregionale Koordination und Investitionen. (dpa/Tsp)