
AUDIO: Wal-Rettung: Ablauf verzögert sich etwas – Reaktionstests am Tier (1 Min)
Stand: 16.04.2026 15:37 Uhr
Eine private Initiative will den Buckelwal vor Poel lebend bergen und in die Nordsee transportieren. Laut Umweltminister Till Backhaus (SPD) soll das Tier heute per Luftkissen angehoben werden. Er hatte zuvor sein Okay für die Rettungsaktion gegeben. Die Ereignisse im Überblick:
Das Wichtigste im Überblick:
15:23 Uhr
Material-Konvoi eingetroffen

Kräne stehen am Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel. Der erste Ponton soll schon ins Wasser gehoben worden sein.
Am Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel ist ein Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, riesigen Schwimmpontons und Rohren eingetroffen. Das Material wird für den wohl letzten Versuch zur Rettung des gestrandeten Buckelwals benötigt. Insgesamt kamen fünf große Lkw auf dem Hafengelände an. Auf dem gesperrten Parkplatz wurden zunächst Rohre entladen. Die ersten Pontons wurden schon ins Wasser gehoben.
15:06 Uhr
Backhaus: Antrag für Umweltministerkonferenz im Mai
Umweltminister Till Backhaus (SPD) geht davon aus, dass künftig weitere Wale an deutschen Küsten stranden werden. Er verwies dabei auch auf einen Belugawal, der vor Flensburg gesichtet worden sei. „Das heißt, wir werden uns mit dem Thema weiter auseinandersetzen müssen.“ Er forderte für künftige Fälle eine überregionale Koordination. Dafür gebe es mit dem Havariekommando, das vom Bund und den Küstenländern für Schiffsunglücke gebildet wurde, eine geeignete Einheit. Das Kommando habe Wissenschaftler und Technik verfügbar. Er habe einen entsprechenden Antrag für die Umweltministerkonferenz im Mai gestellt und sei überzeugt, dass der Antrag Zustimmung finden werde. „Im Übrigen muss da auch Geld investiert werden“, so Backhaus weiter.
14:53 Uhr
Meeresbiologe: Aktion ist positiv – doch das Netzproblem bleibt
Der Meeresbiologe Boris Culik bewertet den aktuellen Rettungsversuch durchaus positiv. Er schätze die Maßnahmen als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. Dennoch sei es eine andere Frage, ob der Wal dies überlebe. Denn das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibe bestehen. Um die Netzreste zu entfernen, müsse man ihn zunächst dazu bringen können, sein Maul zu öffnen, sagt Culik, der sich vor einigen Jahren mit einer Firma selbstständig gemacht und akustische Warngeräte zum Schutz von Schweinswalen entwickelt hat. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer.“ Für die Landesregierung in MV sei es ein Glücksfall, dass jetzt ein privater Investor den Wal wegtransportiere. Wäre der Wal innerhalb der 12-Meilen-Zone verstorben, hätte das Land ihn entsorgen müssen. „Das wäre dann zulasten der Landeskasse gegangen.“ Backhaus entledige sich damit zudem des Problems, dass er persönlich verantwortlich gemacht werde, wenn der Wal in Mecklenburg-Vorpommern stirbt, meint Culik.
14:16 Uhr
AfD: Im Zweifelsfall „tierethische Maßnahmen in Betracht ziehen“
Die AfD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich angesichts der Zustimmung zu einer privaten Rettungsinitiative verwundert. „Im Zweifelsfall hat der Umweltminister Zeit verschenkt, um dem Tier mit einem Rettungsversuch zu helfen und wilden Spekulationen vorzugreifen“, so Thore Stein, naturschutzpolitischer Sprecher der Fraktion. Es sei richtig gewesen, Experten zu Rate zu ziehen und alle Möglichkeiten auszuloten. Der Minister habe sein Handeln zwei Wochen lang mit einem wissenschaftlichen Gutachten begründet und ethische Aspekte, die gegen das Gutachten für eine Rettung gesprochen hätten, kategorisch ausgeschlossen, sagte Stein. „Sollte der Versuch misslingen, der Wal nicht aus eigener Kraft sich mehr retten können und ein weiterer Rettungsversuch nicht mehr vertretbar sein, müssen die Behörden tierethische Maßnahmen in Betracht ziehen“, sagte der AfD-Politiker. „Das wäre verantwortungsvoller, als untätig den Wal erneut seinem Schicksal zu überlassen.“
14:00 Uhr
Kommentar: Dringend etwas ändern
Der Buckelwal vor der Insel Poel halte uns allen den Spiegel vor, und was wir darin sehen, sei nicht wirklich beruhigend, kommentiert NDR Redakteur Wolfram Dietrich. Es sei dringend Zeit, etwas zu ändern: Im Umgang mit der Natur und miteinander.

Zwischen Mitgefühl, Politik, Inszenierung und einem System im Dauerstress.
13:49 Uhr
Grüne: Ministerium darf sich nicht aus der Verantwortung nehmen
Die Grünen-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern fordert das Umweltministerium auf, bei der privaten Rettungsaktion des in der Ostsee gestrandeten Wals die Verantwortung zu übernehmen. „Das Ministerium darf sich jetzt nicht von seiner Verantwortung für das Wohl des Tieres entbunden sehen“, sagte Harald Terpe, tierschutzpolitischer Sprecher der Fraktion. Bei allen Maßnahmen zur Rettung des Wals müsse das Tierwohl oberste Priorität haben. „Rettungskonzepte sind ausschließlich auf Grundlage tiermedizinischer und fachlicher Expertise zu bewerten, insbesondere im Hinblick auf die Transportfähigkeit und die Belastung des Tieres“, betonte Terpe. Daher sei auch bei neu eingebrachten oder privaten Initiativen eine fachliche Begleitung durch unabhängige Experten und Expertinnen sicherzustellen.
13:12 Uhr
Überlebenschancen: „Genauso wie vor zwei Wochen – oder schlechter“

Thilo Maack von Greenpeace sagt, er sei von den aktuellen Rettungsplänen überrascht.
„Ich bin sehr erstaunt, dass es nach wie vor bei einigen noch Hoffnung gibt, diesem Tier noch helfen zu können“, sagt Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace im NDR Interview. An der Lage, wie sie vor zwei Wochen schon bestand, habe sich nichts geändert. Das Tier brauche Ruhe und die gemeinsame Entscheidung sei gewesen, ihm diese Ruhe auch zu geben. Er kenne das aktuelle Rettungskonzept nicht. Aber: „Die Überlebenschancen des Wals sind genau so – beziehungsweise schlechter – wie vor zwei Wochen“. Maack ist Meeresbiologe und schon seit der Strandung vor Niendorf mit dabei. „Was ich sehe, ist ein Wal, der schwere Hauterkrankungen hat, offensichtlich immer noch Netzreste im Maul hat und vier Mal gestrandet ist, oder im flachen Wasser aufgesessen hat. Ich hab in der ganzen Zeit nicht gesehen, dass er gefressen hat. Das heißt, dieses Tier ist extrem geschwächt.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass sich der Zustand durch den Rettungsversuch verbessern werde.
12:57 Uhr
Helfer im Wasser
Sechs Helfer haben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal begeben. Unter anderem spritzten sie Wasser auf den Wal. Es soll versucht werden, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Ein Schlepper könnte dann den Wal, der auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert werden soll, bis in die Nordsee ziehen – möglicherweise sogar bis in den Atlantik.

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12:51 Uhr
Die CDU-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist von der privaten Rettungsinitiative des in der Ostsee gestrandeten Wals überrascht worden. Man gehe davon aus, dass die zuständigen Behörden ausschließlich das Wohl des Tieres im Blick haben und alles dafür tun, dass ihm unnötiges Leid erspart bleibe, sagte Daniel Peters, Vorsitzender der CDU-Fraktion, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Politisch lasse sich nicht beurteilen, wie sich das Tierwohl bestmöglich sicherstellen lasse. „Wir wünschen der privaten Initiative viel Erfolg“, sagte Peters. Verantwortlich blieben aus seiner Sicht aber die zuständigen Behörden.
12:35 Uhr
Boote nähern sich dem Wal

Auf dem Wasser nähern sich Rettungskräfte dem geschwächten Buckelwal.
12:27 Uhr
ITAW: Waren an fachlicher Prüfung nicht beteiligt
An den Rettungsaktionen im Schleswig-Holsteinischen Niendorf war auch das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) an der Tiermedizinischen Hochschule Hannover beteiligt. Zu den jetzigen Rettungsplänen äußert man sich dort zurückhaltend. Man habe die Entscheidung von Minister Backhaus zur Kenntnis genommen. „An der fachlichen Prüfung der hierzu vorgelegten Planungen waren wir nicht beteiligt und können das Vorgehen daher nicht bewerten“, heißt es vom ITAW auf NDR Anfrage. An der bisherigen Einschätzung der Lage habe sich aber nichts geändert.
12:22 Uhr
Mitinitiatorin der Rettungsaktion: „Wir haben alles vor Ort“
Das Konzept für die heute geplante Rettungsaktion kommt vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. Sie sieht die Schuld für die Verzögerung der Rettungsaktion im Umweltministerium, erklärte sie im NDR MV Interview. Gestern hätten sie das „GO“ von Minister Backhaus erhalten, aber dann habe es „Probleme mit den Besetzungslisten“ gegeben. Laut Walter-Mommert sollten alle Personen benannt werden, die an der Aktion beteiligt sind. Dies sei „form- und fristgerecht“ eingereicht worden. „Wir haben das Equipment, wir haben Manpower, wir haben alles vor Ort“, erklärte Walter-Mommert und weiter: „Es darf uns jetzt keine Zeit mehr weggenommen werden.“ Am Freitag soll eine Ärztin – extra aus Hawaii kommend – hinzugezogen werden.
11:20 Uhr
Backhaus: „Der Wal ist ein schwer kranker Patient“

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte am Donnerstagvormittag, dass der Wal weiterhin atme.
Der Wal atme relativ regelmäßig alle zwei bis fünf Minuten, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), der sich erneut vor Ort ein Bild von der Lage machte. Wenn sich eine Fähre oder Personen näherten, werde die Frequenz niedriger. „Der Wal ist ein schwer kranker Patient“, sagte der Minister im Livestream des Senders News5 live. Laut NDR Informationen sind Taucher vor Ort, aber noch nicht im Wasser.
09:18 Uhr
Schriftsteller Sergio Bambarén vor Ort
Die Rettungsaktion für den vor Poel gestrandeten Buckelwal hat noch immer nicht begonnen. Die genauen Gründe für die Verzögerungen von mittlerweile mehr als drei Stunden sind unklar. An der Rettung soll unter anderem Sergio Bambarén beteiligt sein. Der in Peru geborene Schriftsteller und Redner erlangte unter anderem mit den Bestsellern „Der träumende Delphin“ und „Die Stimme des Ozeans“ Bekanntheit. Außerdem setzt er sich für den Schutz der Meere ein, engagiert sich für „Dolphin Aid“ und ist Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mundo Azul“. Im Gespräch mit Medienvertretern erklärte Bambarén, dass er schon zuvor gestrandeten Walen, die sich in Schleppnetzen verfangen hatten, geholfen hätte. Zur heutigen Rettungsaktion für den Wal sagte er: „Wenn er gesund genug und ruhig ist, besteht eine Chance, das Tier aufs offene Meer zu bringen.“

Sergio Bambarén, Schriftsteller und Umweltschützer ist vor Ort und will den Wal nach eigener Aussage beruhigen, damit er für den Transport ins offene Meer gewappnet ist.
08:29 Uhr
Wasserschutzpolizei auf dem Weg zum Wal

Die Wasserschutzpolizei ist mit der „Uecker“ auf dem Weg zum Wal.
So langsam geht es los: NDR Reporter berichten, dass sich das Wasserschutzpolizeiboot „Uecker“ dem Wal nähert. Aktuell liegt es vor der Schutzzone.

Die Gründe für die Verzögerungen sind unklar. Bisher hat sich nur ein Schiff der Wasserschutzpolizei dem Wal genähert.
06:58 Uhr
Zeitplan verschiebt sich
Noch hat die Rettungsaktion für den Wal nicht angefangen. Nach NDR Informationen werden die Taucher gegen 8 Uhr loslegen. Auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) wird auf der Insel Poel erwartet. Es soll eine Lagebesprechung mit allen Beteiligten geben.
06:22 Uhr
Reaktionstest geplant
Mit Sonnenaufgang haben die intensiven Vorbereitungen für den Rettungsversuch begonnen. Experten wollen zuerst einmal untersuchen, wie es dem Wal geht. Unter anderem sollen Reaktionstests zeigen, wie das Tier auf Taucher und Boote reagiert. Im nächsten Schritt soll getestet werden, wie die Beschaffenheit des Untergrunds ist, auf dem der Buckelwal festliegt – und ob der Schlick entfernt werden kann.
Video:
Buckelwal: Backhaus gibt grünes Licht für Rettungsversuch (4 Min)
05:04 Uhr
Ziel des Rettungsversuchs sind Nordsee und Atlantik
Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist geplant, heute ein Luftkissen unter den Buckelwal zu bringen und ihn schonend anzuheben. Dazu soll Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal solle dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden. Gehe alles gut, könne der Transport aus der Region am Freitag beginnen, sagte Backhaus. Ein Schlepper soll die beiden Pontons bis in die Nordsee und den Atlantik ziehen, um den Wal dort freizulassen. Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd sieht das neue Konzept zur Rettung des Wals kritisch. „Wir wissen nicht, ob es eine Art Gutachten gibt. Wir wissen nur, dass für die Beratungen keines der wissenschaftlichen Institute hinzugezogen wurde. Das heißt, es liegt keine meeresbiologische oder tiermedizinische Expertise vor“, sagte Florian Stadler, Kampagnenleiter bei Sea Shepherd. Angesprochen auf den Erfolg oder Misserfolg des Rettungsversuchs, erklärt Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Gespräch mit dem NDR, dass es ein lohnenswerter Versuch sei. Das Konzept, welches vorliegt, sei „sehr durchdacht und jetzt müssen diejenigen, die es entwickelt haben, auch beweisen, dass es funktioniert.“

Welche Rettungsmaßnahmen sind geplant und wie sind die Erfolgsaussichten? Reporter Marek Walde mit Informationen.
Der Irrweg des Wals in der Ostsee
Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet und mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd mit Booten aus dem Hafenbecken geleitet worden. Am 23. März lag er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Nachdem für ihn eine Rinne ausgebaggert worden war, schwamm er sich am 27. März frei.
Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb gegen 13 Uhr in der Kirchsee vor Poel liegen.