
Stand: 16.04.2026 16:26 Uhr
Wie steige ich sicher in den Bus mit Rollator? In Göttingen zeigt ein Training, wie Senioren Mobilität zurückgewinnen. Rund 50 Teilnehmende üben Einsteigen, Verhalten im Bus und Aussteigen.
„Wer möchte als Nächstes?“ Ilona Traupes Stimme ist fest und herzlich. Um sie herum steht eine Gruppe Senioren, die meisten stützen sich auf ihre Gehhilfen. Was auf den ersten Blick wie eine alltägliche Busfahrt aussieht, ist ein lebenswichtiges Training. Denn auf dem Hubschrauberlandeplatz des Weender Krankenhauses sollen die anwesenden Seniorinnen und Senioren an diesem Tag den Linienbus erobern. „Man muss es immer wieder probieren“, ermutigt Traupe die Gruppe. „Man merkt, dass man freier wird und mehr Spaß am Leben hat. Keiner braucht mit dem Rollator zu Hause zu sitzen!“
Bloß nicht draufsetzen: Die größte Gefahr im Bus
Gemeinsam mit Busfahrer Benjamin Grebe erklärt die Kursleiterin das richtige Verhalten im und am Bus. Die goldene Regel: Niemals während der Fahrt auf den Rollator setzen. „Die meisten Unfälle haben wir, weil die Leute auf dem Rollator sitzen“, weiß Grebe aus der Praxis. Bei einer Bremsung wird die Gehhilfe zum unkontrollierbaren Geschoss. Stattdessen gilt: Rollator auf der Mehrzweckfläche abstellen, Bremsen feststellen und sich selbst auf einen festen Sitzplatz setzen. Grebe nimmt den Teilnehmenden den Zeitdruck: „Wir haben lieber Verspätung als einen Unfall.“
Rückwärts sicher aussteigen

Auch das Aussteigen aus dem Bus muss geübt werden – mit Rollator sollte es rückwärts erfolgen.
Die 93-jährige Sonka Winner und die 91-jährige Ute Block steigen gemeinsam ein. Ute Block ist seit Jahren Stammgast im Bus, doch an diesem Tag lernt auch sie etwas Neues: das richtige Aussteigen. „Ich bin bisher immer vorwärts ausgestiegen“, sagt sie. Doch die Experten raten zum Rückwärtsgang. Nur so behält man die Balance und verhindert, dass die kleinen Vorderräder des Rollators an der Bordsteinkante hängen bleiben. „Angst hat man schon, dass man stürzt“, sagt Ute Block, „man will sich ja nichts brechen.“
Rollator muss richtig eingestellt sein
Damit der Rollator – beim Training auch liebevoll „Mercedes der zweiten Lebensart“ genannt – wirklich zur Hilfe und nicht zur Stolperfalle wird, ist die Technik entscheidend. André König ist Techniker eines Sanitätshauses. Er prüft die Griffhöhe der Rollatoren. „Das größte Problem ist, dass die Leute Verspannungen kriegen und die Sturzgefahr steigt, wenn sie zu weit weg vom Gerät laufen“, erklärt er. Sein Tipp: Man sollte so nah wie möglich am Rollator stehen, die Arme locker baumeln lassen und genau dort sollten die Griffe sein.
Großer Bedarf am „Rollatorsport“
Dass der Bedarf für ein Rollator-Training groß ist, weiß Traupe aus ihrer Arbeit beim SC Hainberg. Dort hat sie den „Rollatorsport“ ins Leben gerufen, inzwischen gibt es drei Kurse pro Woche. Das Training soll Kraft, Stabilität und Konzentration fördern. Beim Einsteigen in den Bus sei die erste Hemmschwelle hoch, sagt sie: „Teilweise hören wir nach Jahren noch, dass Menschen nicht einmal wussten, dass ihr Rollator Bremsen hat.“ Für Traupe ist das Training deshalb mehr als nur Bewegung. Es soll Mut machen und Sicherheit geben: „Jeder vermiedene Sturz ist ein Gewinn an Lebensqualität.“

Was muss man beim Beantragen der Hilfsmittel beachten? Und was muss man im Sanitätshaus letztendlich zahlen?

Rollstuhlfahrer oder blinde Menschen erleben an den Stränden einige Hürden – oft fehlen schon vor dem Besuch wichtige Informationen.