Paderborn. Samstagabend, Flutlicht und ein Topspiel im Aufstiegsrennen – viel mehr geht in der 2. Bundesliga nun wirklich nicht, wenn der SC Paderborn 07 um 20.30 Uhr bei Hannover 96 antritt. Dabei ist die Ausgangslage so klar wie selten zuvor in dieser Saison: Gewinnt der SCP, macht er einen riesigen Schritt in Richtung Bundesliga.

So haben die Hannoveraner sicherlich den größeren Druck, wenn es in das Duell der beiden Aufstiegskandidaten geht. Denn: Fünf Spieltage vor Schluss beträgt der Paderborner Vorsprung auf den Drittplatzierten aus Niedersachsen komfortable vier Punkte.

Für SCP-Präsident Thomas Sagel ist die Ausgangssituation – wie er kürzlich im Interview mit dieser Zeitung erklärte – daher eindeutig. „Wir sind von keinem abhängig, weil wir gegen alle Konkurrenten noch spielen“, sagte der 62-Jährige. So „liegt es einzig und allein in unseren Händen, ob wir durch die Tür hindurchgehen oder nicht.“

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Tipps vom Aufstiegshelden: So schaffen der SC Paderborn und Hannover 96 den Aufstieg

Paderborns Trainer Ralf Kettemann sieht im Vorsprung ein „Luxusproblem“

Für Trainer Ralf Kettemann ist die Konstellation vor allem eines: ein „Luxusproblem“. Denn das Rechenspiel ist einfach erklärt. „Wenn wir das Ding gewinnen, sind wir sieben Punkte vor und dann sind es nur noch vier Spiele. Dann sind nur noch zwölf Punkte zu holen. Das wäre natürlich ein riesen Brett“, führte der 39-Jährige aus.

Und selbst im Falle einer Niederlage bliebe die Ausgangslage gut: „Sollten wir das Spiel verlieren, dann wäre das so. Dann wären wir immer noch einen Punkt vorne bei vier Spielen. Von daher ist es Luxus, was die Situation angeht.“

Wer nun aber glaubt, die Partie in Hannover habe keine Bedeutung für den Paderborner Cheftrainer, der irrt. Ganz im Gegenteil. Denn „gerade mit der Erfahrung aus der Hinrunde“ – wo der SCP 0:2 verlor – sei es wichtig, „direkt zu zeigen, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben“. Der SCP habe seinerzeit schon bewiesen, „dass wir mitspielen können“, nun gehe es aber darum, „ein kleines Zeichen an uns selber zu setzen“.

Im Interview: Präsident Thomas Sagel – so plant der SC Paderborn 07 für die Bundesliga

Am Ende der Hinserie holte der SC Paderborn nur vier Punkte

Die Bühne dafür ist bereitet: Rund 49.000 Zuschauer werden in der Heinz-von-Heiden-Arena erwartet, etwa 3.300 davon kommen aus Paderborn. Es geht um „Big Points“, wie Sagel es im Interview formulierte. „Wir sind bereit“, sagte Ralf Kettemann.

Das Paderborner Selbstvertrauen speist sich auch aus der gerade hingelegten Serie: Seit neun Spielen ist der SCP ungeschlagen, die vergangenen drei Partien wurden gewonnen. Gleichzeitig weiß der Trainer um die Feinheiten dieser Erfolgsphase. „Bei allem Respekt vor den Ergebnissen – wir wissen, dass da keine Kantersiege dabei waren und es immer auf des Messers Schneide war“, so der Chefcoach. Jedes Unentschieden, jeder Sieg war folglich hart erarbeitet. „Das hilft, die Sache wirklich selbstbewusst anzugehen.“

Ein Blick zurück dient jedoch als Mahnung. Vom 13. bis zum 17. Spieltag holten die Paderborner – nach einer Serie von acht Siegen in Folge – am Ende der Hinrunde nur noch vier Punkte, verspielten die Tabellenführung und rutschten auf Rang vier ab. „Wir dürfen jetzt auch zeigen, was wir aus der Hinrunde gelernt haben“, so Kettemann. Die Mischung im Team stimme schließlich: „Wir haben die Lockerheit, die es absolut braucht, aber man merkt auch, die Anspannung steigt ganz leicht.“

„Es werden die fünf geilsten Wochen“: SC Paderborn geht voller Vorfreude in den Saisonendspurt

SC Paderborn stellt beste Offensive der 2. Bundesliga

Dass es gegen Hannover anders laufen soll als beim 0:2 im Hinspiel, hat auch mit der eigenen Entwicklung zu tun. „Ich habe mir das Hinspiel tatsächlich noch mehrmals angeschaut. Es war tatsächlich sehr wichtig für unseren Prozess“, erklärte der Trainer. Zwar sei der SCP häufig „vor ihre Abwehrkette gekommen“, doch „dann ist immer recht wenig passiert“. Genau dort habe die Mannschaft Fortschritte gemacht – nicht ohne Grund stellt der SCP mit 51 Treffern inzwischen die beste Offensive der Liga.

In der entscheidenden Saisonphase geht es nun auch um die richtige Balance im Kopf. Kettemann setzt dabei auf Normalität statt Aktionismus: „Am Ende gilt es so natürlich zu sein, wie es geht. Wir müssen also nichts Besonderes machen.“ Die Situation sei ohnehin besonders genug.

„Es ist auch nicht so, dass wir hektisch sind. Wir gehen immer noch zum Trainingszentrum, ich weiß, wo mein Spint ist. Es klappt also relativ viel und es fühlt sich alles ganz normal an. Von daher empfinde ich jetzt gerade keinen größeren Druck als sonst. Im Gegenteil. Es fühlt sich eher nach einer absoluten Vorfreude an.“

Alle SCP-Nachrichten im Überblick: Der News-Blog rund um den SC Paderborn

Hannover 96 bangt vor Duell mit Paderborn um Duo

Personell muss Paderborn in Hannover lediglich auf den gelbgesperrten Mattes Hansen verzichten, für ihn dürfte Santiago Castaneda in die Startelf rücken. Der freie Kaderplatz bleibt voraussichtlich unbesetzt, auch weil die U21 am Samstag um 14 Uhr im Einsatz ist.

Ganz anders die Lage beim Gegner: Hannover muss definitiv auf mehrere Spieler verzichten, darunter Maik Nawrocki und Boris Tomiak. Hinter dem Einsatz von Noel Aseko und Benedikt Pichler stehen derweil noch Fragezeichen. Während Aseko von einem Infekt geplagt ist, hat Pichler Beschwerden im Bereich der Wade und Achillessehne.