TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Berlin – Jetzt steht fest, wie die große Gesundheitsreform aussehen soll. In einem ersten Gesetzentwurf will Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) im kommenden Jahr 19,6 Milliarden Euro einsparen – bis 2030 sogar 42,8 Milliarden Euro. Ziel: Beitragserhöhungen für Versicherte verhindern. Dafür sollen die Kosten im System sinken – und Versicherte mehr aus eigener Tasche zahlen. Doch auch Kliniken, Ärzte und Pharmaindustrie bekommen weniger Geld – während die Kassen vergleichsweise glimpflich davonkommen.
BILD zeigt die wichtigsten Punkte des Entwurfs:
Versicherte
Zuzahlungen für Medikamente rauf
Die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente steigt auf mindestens 7,50 Euro und maximal 15 Euro (aktuell 5 und 10 Euro) pro Packung. Auch im Krankenhaus wird es teurer: 15 Euro pro Tag statt bisher 10 Euro. Die Belastungsgrenzen bleiben bei 2 Prozent (bzw. 1 Prozent für chronisch Kranke) des Bruttojahreseinkommens. Bei 40.000 Euro Einkommen sind das 800 Euro im Jahr (ca. 67 Euro im Monat), bzw. für chronisch Kranke: 400 Euro/Jahr, ca. 33 Euro/Monat. Alles darüber zahlt die Krankenkasse.
Besserverdiener sollen mehr zahlen
Die Beitragsbemessungsgrenze soll 2027 einmalig um rund 300 Euro steigen – von aktuell 5812,50 Euro auf etwa 6112,50 Euro im Monat. Bis zu diesem Einkommen werden Beiträge zur Krankenkasse fällig – nur Einkommen darüber bleibt beitragsfrei. Heißt: Wer gut verdient, muss künftig auf einen größeren Teil seines Gehalts Beiträge zahlen.
Weniger Zuschuss für Zahnersatz
Die Zuschüsse der Krankenkassen für Zahnersatz werden um 10 Prozent gekürzt, Patienten müssen mehr selbst zahlen.
Krankengeld soll gesenkt werden
Die Höhe des Krankengelds soll geringer ausfallen. Wer länger als sechs Wochen krankgeschrieben ist, bekommt aktuell 70 Prozent des Bruttogehalts von den Kassen bezahlt – für maximal 78 Wochen. Künftig soll es noch 65 Prozent des Bruttolohns geben.
Familienversicherung
Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern soll gestutzt werden. Ab 2028 sollen Versicherte für mitversicherte Ehepartner zusätzlich zahlen – rund 3,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Ausnahmen gelten etwa für Familien mit kleinen Kindern, Pflegefälle oder Rentner. Kinder bleiben weiterhin beitragsfrei mitversichert.
Homöopathie fliegt aus Kassen-Katalog
Globuli und Co. sollen künftig nicht mehr Kassenleistung sein.
Diese Sparmaßnahmen sollen den Krankenkassen 2027 fünf Milliarden Euro bringen.
Kliniken
Sie sollen rund 5,1 Milliarden Euro sparen. Geplant sind unter anderem: Begrenzung der Vergütungssteigerungen, strengere Abrechnungsprüfungen und weniger Geld für Pflege.
Ärzte
Auch sie müssen sparen: rund 2,7 Milliarden Euro. Konkret soll es weniger Sondervergütungen geben und eine Begrenzung ihrer Honoraranstiege.
Pharmaindustrie
Die Industrie wird stärker in die Pflicht genommen: höhere Rabatte für Medikamente, strengere Preisregeln. Ersparnis für die Krankenkassen: 1,9 Milliarden Euro
Krankenkassen
Die 93 gesetzlichen Krankenkassen kommen vergleichsweise glimpflich davon: Sie sollen bei den Verwaltungskosten (aktuell 13 Milliarden/Jahr) etwas sparen. 100 Millionen Euro soll das 2027 bringen.
Staat
Streitpunkt in der Koalition: Die CDU/CSU wollte, dass der Staat die Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger komplett übernimmt (Ersparnis für die Kassen: rund 12 Milliarden Euro jährlich). Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) blockte – die Beiträge zahlen weiter die Versicherten.