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Berlin – Massenhaft Kot auf dem Boden und angeknabberte Glücksspielautomaten – in einer Lagerhalle der Polizei führen Waschbären das Kommando.

Bis zu 15 Untermieter, die wie die Panzerknacker im Gesicht maskiert sind, treiben seit Oktober vergangenen Jahres an der Belziger Straße in Berlin-Schöneberg ihr Unwesen. Betreten Polizisten oder Sicherheitsdienstmitarbeiter die Halle, geht’s ab nach oben: Die gerissenen Räuber flüchten auf die Dachbalken. Kaum ist es ruhig, übernehmen sie wieder das Parkett. Ein tierischer Schichtwechsel.

Waschbären machen Halle zu ihrem Revier

Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann beschreibt die Lage nüchtern: „Die Waschbären fallen in erster Linie dadurch auf, dass ein hohes Maß an Verschmutzung durch Kot entsteht, wodurch Schäden an einer Decke entstanden sind, die bereits behoben wurden.“

Waschbären-Kot verteilt auf dem Boden. Die Polizei hat jetzt Netze gespannt

Waschbärenkot verteilt auf dem Boden. Die Polizei hat jetzt Netze gespannt

Foto: privat

Heißt: Die kleinen Eindringlinge hinterlassen deutliche Spuren. Immerhin: Um die Tiere zu stoppen, habe man inzwischen „erfolgreich Netze installiert“. Weniger erfolgreich war ein erster Vertreibungsversuch mit Bitterstoff-Pulver. Nach BILD-Informationen entdeckte man selbst darin kleine Pfotenabdrücke – offenbar kein Geschmack, der abschreckt.

Glücksspielautomaten werden zur Waschbär-Baustelle

Noch Ende März wurde es offiziell in der Halle: Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) präsentierten in dem ehemaligen Tramdepot über 120 beschlagnahmte, illegale Glücksspielautomaten. Manche Geräte sind bis zu 10.000 Euro wert.

Bis zu 120 ilegale Glücksspielautomaten werden in der Sicherungshalle verwahrt. Nachts übernehmen die Waschbären das Kommando, einzelne Automaten wurden angeknabbert

Bis zu 120 illegale Glücksspielautomaten werden in der Sicherungshalle verwahrt. Nachts übernehmen die Waschbären das Kommando, einzelne Automaten wurden angeknabbert

Foto: picture alliance/dpa

Doch die wertvolle Beute stand nicht unter Artenschutz. Kot und Schmutz landeten auf den Automaten, einzelne Teile wurden sogar angeknabbert. Ein Insider zu BILD: „Ermittler, die immer wieder an die Glücksspielautomaten heran mussten, um sie zum Beispiel auszulesen, reagierten häufig mit Ekel.“ Zudem besteht – zumindest eine theoretische – Ansteckungsgefahr durch Krankheiten. Zu einer direkten Konfrontation soll es bislang nicht gekommen sein.

Pfoten-Abdrücke, polizeilich gesichert: Waschbären in der Sicherungshalle haben bewiesen, dass ausgelegtes Bitter-Pulver sie nicht vertreibt

Pfoten-Abdrücke, polizeilich gesichert: Waschbären in der Sicherungshalle haben bewiesen, dass ausgelegtes Bitter-Pulver sie nicht vertreibt

Foto: privat

Polizei Berlin sieht Dienstbetrieb nicht gefährdet

Offiziell bleibt die Polizei entspannt. „Die der Polizei Berlin zur Verfügung stehenden Hallen sind für alle Dienstkräfte frei zugänglich. Weder gibt es Auswirkungen auf die Zugänglichkeit noch auf die Nutzbarkeit der Hallen oder des Geländes“, so Sprecher Stefan Petersen-Schümann.

Auf diesen Dachbalken sind die Waschbären unterwegs, wenn Ermittler und Wachschutzmitarbeiter die Halle betreten – trotz verwackeltem Foto sind die Automaten am Boden gut zu erkennen

Auf diesen Dachbalken sind die Waschbären unterwegs, wenn Ermittler und Wachschutzmitarbeiter die Halle betreten – trotz verwackeltem Foto sind die Automaten am Boden gut zu erkennen

Foto: privat

Und er stellt klar: „Sowie das Vorhandensein von Wildtieren Auswirkungen auf den Dienstbetrieb hat, werden, den Naturschutz- und Jagdvorschriften entsprechende, Maßnahmen getroffen.“