Steinhagen. Die Baugrube, vor der Michael Alter, Katharina Eckstein und Semir Sokolar stehen, wirkt eher wie ein Teich. Viele Meter hoch steht das Wasser dort, wo bald das neue Sedimentationsbecken der Kläranlage entstehen soll. „Vierte Reinigungsstufe“ heißt das Projekt, das derzeit an der Friedhofstraße läuft. Die besondere Schwierigkeit dabei: der hohe Grundwasserspiegel.

Spundwände kennt der Steinhagener vermutlich eher vom Urlaub an der Nordsee. Dort sichern die schweren Metallplatten Hafenanlagen gegen die Flut. An der Steinhagener Kläranlage kommen die Metallwände zum Einsatz, um in den knapp acht Meter tiefen Baugruben überhaupt arbeiten zu können. Im Normalzustand würden sie zum Großteil unter (Grund-)Wasser stehen. Würde die Wiese komplett trockengelegt, könnten Gebäude in der Nachbarschaft beschädigt werden.

Zusätzlich zu den Wänden bekommen die Baugruben einen meterdicken verankerten Betonboden, der das Grundwasser zurückhält, erklärt Semir Sokolar. Der Polier des französischen Tiefbauunternehmens Eiffage hat die Arbeiten seit Baubeginn im August 2025 im Blick. Tatsächlich laufe die Baustelle aber gut, die Trockenlegung bewähre sich und man liege etwa im Zeitplan, erläutert Ingenieurin Katharina Eckstein. Bis Ende kommenden Jahres soll die vierte Reinigungsstufe fertig sein. 2028 geht sie in Betrieb.

18-Millionen-Projekt in Steinhagen liegt etwa im Zeitplan


Knapp acht Meter tief ist die Baugrube, in der die Sandfiltrations-Anlage der Kläranlage Steinhagen entsteht. Spundwände verhindern, dass sie unter Wasser steht. - © Jonas Damme

Knapp acht Meter tief ist die Baugrube, in der die Sandfiltrations-Anlage der Kläranlage Steinhagen entsteht. Spundwände verhindern, dass sie unter Wasser steht.
| © Jonas Damme

Um in den Baugruben überhaupt arbeiten zu können, kommt Unterwasserbeton zum Einsatz. Der härtet nach rund einem Monat aus, ohne trocknen zu können. „Taucher kontrollieren ihn bis dahin“, so Eckstein. Die Bodensole der großen Sandfiltrationsanlage ist auf diese Weise bereits trockengelegt. Sedimentations-, Einmisch- und Kontaktbecken sollen folgen.

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Auch bei den (enormen) Kosten seien keine großen Ausreißer zu vermelden, so die Rathaus-Mitarbeiterin. Insgesamt kalkulieren die Ausführenden für Planung, Bau und Baunebenkosten derzeit etwas mehr als 18 Millionen Euro. Rund die Hälfte trägt das Land. Die zeitlich begrenzte Förderung ist einer der Gründe, warum Steinhagen das Mammutprojekt bereits jetzt in Angriff nimmt. Pflicht wird es für kleinere Kommunen wohl frühestens 2040.

Trotzdem sind Kläranlagen-Chef Michael Alter und Katharina Eckstein vom Sinn der zusätzlichen Reinigung überzeugt. Klassisch haben solche Anlagen drei Stufen. Erstens: die mechanische Reinigung mit Rechen, Sand- und Fettfang sowie Vorklärbecken. Zweitens: die biologische Reinigung mit Bakterien. Drittens: die chemische Reinigung. Dabei werden Phosphate und Stickstoffverbindungen in Feststoffe umgewandelt und dann entfernt.

Steinhagener Kohlefilter soll PFAS und Mikroplastik aus dem Wasser holen


Ingenieurin Katharina Eckstein und Leiter Michael Alter zeigen auf einer Karte, wo derzeit die Bauarbeiten für die vierte Reinigungssgtufe der Kläranlage Steinhagen laufen. - © Jonas Damme

Ingenieurin Katharina Eckstein und Leiter Michael Alter zeigen auf einer Karte, wo derzeit die Bauarbeiten für die vierte Reinigungssgtufe der Kläranlage Steinhagen laufen.
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Die vierte Klärstufe arbeitet mit pulverisierter Aktivkohle. Die wird per Lkw angeliefert und in einem Silo gelagert, erklärt Michael Alter. „Die Kohle wird dem Wasser beigemischt“, erläutert er weiter. Sie binde dann allerlei Schadstoffe, die derzeit noch in den benachbarten Abrooksbach eingeleitet werden. Dazu gehören Arzneimittel-Rückstände, Haushalts-Chemikalien und Pflanzenschutzmittel. Aber auch Mikroplastik und die sogenannten PFAS-Ewigkeitschemikalien, wie Katharina Eckstein erläutert. Die Filtrationsanlage holt dann die Aktivkohle und die gebundenen Schadstoffe wieder aus dem Wasser.

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Für die sieben Mitarbeiter der Steinhagener Kläranlage ist die zusätzliche Reinigungsstufe Neuland. „Den grundsätzlichen Ablauf kennen wir. Aber auch wir müssen uns da erst rein arbeiten“, sagt Michael Alter. In den kommenden Jahren werde sich zeigen, wie viel Mehrarbeit die Becken mit sich bringen.

Mit seiner neuen High-End-Kläranlage ist Steinhagen übrigens noch nicht am Ende der Möglichkeiten angekommen. Bereits jetzt sind die Planer gehalten, bei den Wasserleitungswegen eine weitere mögliche Stufe mitzudenken, die UV-Bestrahlung. Die Technik tötet Bakterien ab und wird bereits jetzt von einigen Kläranlagen in Deutschland eingesetzt, die ihr Abwasser in Badeseen einleiten.

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