Kunst, Musik, Lesungen und Performance und das alles an besonderen Orten überall in der Stadt – so lässt sich das neue Düsseldorfer Format „Die Nacht der Künste“ zusammenfassen, das am Samstag, 18. April, eine gelungene Premiere feierte. Wer sich an die „Nacht der Museen“ erinnert fühlte, lag richtig: 20 Jahre lang war das Event immer im April eins der Highlights im Kalender gewesen.
Mit dabei ist auch die Nachbarstadt Neuss, die für die Premiere gleich mit einem eigenen Event-Highlight aufwarten kann. Denn am 16. April wurde auf dem Gelände der ehemaligen Neusser Rennbahn und des Stadtparks die Landesgartenschau 2026 eröffnet. Diese konnten Besucher der Nacht der Künste am Samstag ebenfalls erkunden. Oldies der Rheinbahn pendelten eigens dafür über die Kardinal-Frings-Brücke.
Das sogenannte grüne Herz des Neusser Stadtparks und das Rheinvorland sind nicht nur zur Oase für Pflanzenfreunde geworden. Sie bieten auch Künstlern wie Hannah Schneider oder Hayato Mizutani und Christian Odzuck eine Möglichkeit, ihre Arbeiten unter freiem Himmel zu präsentieren. Die verschiedenen Werke sind nach Einbruch der Dunkelheit illuminiert und die Besucher werden so Teil einer lebendigen Installation.
Düsseldorf punktete zur Premiere mit außergewöhnlichen Locations wie dem Bilker Bunker, dem Maschinendorf und dem Klonkk in Flingern oder der ehemaligen Toilettenanlage Reinraum. Das kam so gut an, dass Besucher an einigen Orten etwas Geduld mitbringen mussten. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, wie Toni Massinato und seine Freundin fanden, die am Abend vor dem Haus der Universität am Schadowplatz auf Einlass warteten. „Man kommt mit den Leuten schnell ins Gespräch und bekommt Tipps, was man sich noch ansehen kann“, sagte Massinato.
Einmal drin, erwartete die beiden eine audiovisuelle Reise in Polarwelten. Studierende erzählten ihnen von Expeditionen. Besonders faszinierten das Paar die Fotografien von Eiswelten und einem springenden Eisbären. „Die Bilder berühren mich sehr“, sagte eine Besucherin – und erklärte gleich auch, warum: „Sie haben so eine Tiefe und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus.“ Gleichzeitig mache die Ausstellung ihr auch bewusst, sagt sie, „wie fragil und schützenswert unser Ökosystem ist“. Flankiert wurden die Ausstellung und die Dokumentarfilme über das ewige Eis von einer Lesung mit Texten aus der Feder von Alexander Steindorf.
Das „Tribe“ auf der Graf-Adolf-Straße lockte mit Live-Painting zu Underground House Sounds (klassisch von Vinyl) und Positionen von gleich zwölf verschiedenen Künstlern. Im „Zufluchtsort der Ideen“ auf der Brunnenstraße wurde es hingegen surrealistisch. Das Atelier präsentierte Zeichnungen von Arnelia Hasani und ihren Schülerinnen und Schülern. Den kreativen Prozess der Entstehung einer Kohlezeichnung konnten Besucher wie Martin Sopphart hautnah miterleben. „Das gefällt mir so an diesem Format. Wo hat man sonst schon die Gelegenheit, zuzusehen wie Kunst entsteht?“, zeigte sich der Krefelder anschließend begeistert.
Bei „Kunst+Tonic“ auf der Brunnenstraße gab es „Poetry on Demand“ von Performerin und Lyrikerin Sylvia Bratzik. Im „Pretty Portal“ nur ein paar Meter weiter ließ es sich wunderbar in die bunte Welt der Urban Art eintauchen. Zu sehen waren Arbeiten von Guy Denning, einem der Ur-Gesteine der Szene, der die Bewegung in Bristol etwas zur gleichen Zeit wie Banksy anstieß.
Bei „BallaBalla“ im Düwell an der Grünstraße ging es im wahrsten Sinne rund um die Platte beim Tischtennis zu Italo-Disco-Klängen. Ein Angebot, das besonders viele Familien annahmen. Vor allem Kids hatten sichtlich Spaß am Schlagabtausch. Auch die Verlegung des Ticketverkaufs vom Grabbe- auf den Graf-Adolf-Platz kam gut an.