Gute Nachrichten vom Tapetenspezialisten und Papierhersteller Erfurt & Sohn in Wuppertal-Beyenburg: Die Firma an der Stadtgrenze zu Radevormwald unterstützt das Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Hagen und liefert künftig das Faserstoff-Wasser-Gemisch für den Betrieb der historischen Papiermaschine.

Wie die Papierherstellung ursprünglich ablief und wie viel handwerkliches Geschick in jedem einzelnen Blatt steckt, das lässt sich im Museum nun wieder live erleben. Nachdem die historische Papiermaschine aufgrund der Insolvenz des bisherigen Faserstofflieferanten seit Frühjahr 2025 stillstand, sorgt nun die neue Partnerschaft für die Rückkehr in den Museumsbetrieb: „Erfurt & Sohn ermöglicht die Wiederaufnahme einer der wichtigsten Werk- und Vorführstätten des Museums“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Partnerschaft wurde von Henrik Erfurt, geschäftsführender Gesellschafter, initiiert. Nach Firmenangaben führte er die Gespräche mit den Verantwortlichen und setzte sich für die Fortführung des historischen Museumserlebnisses ein. „Papier sowie seine Herstellung und Verarbeitung sind Teil unserer Tradition und Historie. Dass wir mit unserer Unterstützung dazu beitragen können, dieses traditionsreiche Handwerk im Freilichtmuseum Hagen wieder erlebbar zu machen, ist für uns eine Herzensangelegenheit“, betont er.

Das für den Betrieb benötigte Faserstoff-Wasser-Gemisch stammt direkt aus dem Werk von Erfurt in Wuppertal, wo es eigentlich als Grundmaterial für die Herstellung von Vliestapeten aufbereitet wird. Pro Lieferung werden künftig 300 Liter Faserstoff direkt aus dem Pulper entnommen und nach Hagen transportiert. Dort wird er mit 900 Litern Wasser zu dem benötigten mit Wasser verdünnten Faserstoff vermischt, der anschließend in der historischen Maschine verarbeitet wird.

Das Freilichtmuseum Hagen zählt zu den bedeutendsten Industriemuseen Europas. In 60 historischen Werkstätten wird hier täglich gearbeitet – von Schmiede und Gießerei über Seilerei und Färberei bis hin zur Papiermühle. Die Besucher können bei der Ausführung traditioneller Handwerksprozesse zusehen und so Techniken kennenlernen, die vielerorts längst aus dem alltäglichen Wissen verschwunden sind, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei nehme das Thema Papier einen hohen Stellenwert ein: In mehreren Gebäuden werde die Entwicklung des Materials vom handgeschöpften Bogen bis zur maschinellen Herstellung gezeigt.

Die Papiermaschine von 1928, ursprünglich als Ausbildungsmaschine gebaut, veranschaulicht diesen Übergang. Sie verarbeitet pro Vorführung mehrere 100 Liter des mit Wasser verdünnten Faserstoffs und produziert Papierbögen, die im Museumsshop erhältlich sind sowie in Kindergärten und Grundschulen der Region kreativ genutzt werden. „Durch die neue Partnerschaft erhält die historische Papiermaschine nicht nur ihren Rohstoff zurück, sondern das Freilichtmuseum auch eine langfristige Perspektive für Bildungsangebote und Vorführungen“, heißt es in der Pressemitteilung. Künftig soll die Maschine zwischen April und Oktober regelmäßig an den Wochenenden laufen.

Auch für Erfurt & Sohn bringt die Zusammenarbeit einen besonderen Mehrwert, von dem vor allem die Auszubildenden zum Papiertechnologen profitieren. Das Museum gewährt ihnen exklusive Einblicke, wie die Papierherstellung ursprünglich funktionierte – und lässt sie selbst mit anpacken. „Viele Abläufe sind in den heutigen Produktionsanlagen technisch hochkomplex und gar nicht mehr unmittelbar nachvollzieh- und einsehbar. Im Museum wird das Handwerk für sie nah- und greifbar gemacht und kann seine Faszination viel intensiver entfalten“, sagt Henrik Erfurt.

Die Verbindung zum Papierhandwerk sei bei Erfurt & Sohn tief verankert. Das Familienunternehmen wurde 1827 als Papiermühle gegründet und entwickelte sich über Generationen zu einem international tätigen Spezialpapierhersteller und zum Marktführer für überstreichbare Wandbeläge. „Diese Wurzeln sind für uns bis heute prägend. Deshalb ist es uns ein persönliches Anliegen, kulturelle Angebote zu unterstützen, die die Geschichte und das Wissen rund um Papier bewahren“, betont Henrik Erfurt.