An die Unterstützung aus Amsterdam für Wuppertaler Gewerkschafter und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten während der Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse 1935/36 erinnerte eine Veranstaltung am vergangenen Samstag im Widerstandsmuseum in Amsterdam. Davon berichtet der „Vereins zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal“.

Auf Initiative des Vereins und der Berliner Rosa-Luxemburg-Stiftung waren dazu nach Angaben des Vereins 90 Personen zusammengekommen. Neben der 48-köpfigen Delegation aus Wuppertal, die mit einem Reisebus nach Amsterdam kam, bestand das Publikum vor allem aus Angehörigen des niederländischen Wuppertal-Komitees. Sie waren mit ihren Familien aus den Niederlanden, aber auch – wie Robert F. Teitel und A Min Tjoa – aus den USA und Österreich angereist.

Die Delegation aus Wuppertal wurde, so der Verein, angeführt von dem Wuppertaler Bundestagsabgeordneten Helge Lindh, dem NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall, Knut Giesler, und Heinz Sünker, Professor für Sozialpädagogik an der Bergischen Universität. Im Bus saßen auch die US-Amerikanerin Lisa Cole, Angehörige der Wuppertaler Gewerkschafter August und Hermann Gehlen, die extra aus den USA gekommen waren.

Helge Lindh: Solidarische Hilfe wird auch heute gebraucht

Helge Lindh würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Amsterdamer Wuppertal-Komitees, wie der Verein berichtet: „Wir verneigen uns vor den Mitgliedern des Wuppertal-Komitees.“ Er betonte die Aktualität dieser Menschenrechtsarbeit: „In Zeiten wie diesen brauchen wir solidarische Hilfe wie vor 90 Jahren – für die von Hinrichtung bedrohten Menschen im Iran, genauso wie für die Aktivisten von Memorial in Russland und für die eingesperrten Politiker in der Türkei wie den abgesetzten Oberbürgermeister von Istanbul Ekrem İmamoğlu.“

Von 1935 bis 1937 wurden in Wuppertal, Remscheid, Solingen und Velbert insgesamt mehr als 1900 Menschen verhaftet und 649 Personen von ihnen am Landgericht Wuppertal wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Prozesse erhielten eine große internationale Beachtung, herausragend war dabei die Arbeit des Wuppertal-Komitees. Das von niederländischen Intellektuellen in Amsterdam gegründete „Centraal Wuppertal Comité“ begann Weihnachten 1935, Geld für die Familien der Verhafteten zu sammeln. Die Liste der 123 namentlich bekannten Frauen und Männer, die die Wuppertaler unterstützten, liest sich wie ein „Who is Who“ der niederländischen Intellektuellen der Arbeiter-, Frauen- und Friedensbewegung. Darunter waren viele jüdische Menschen, aber auch Prediger und Aktivisten der christlichen Kirchen, Theosophen und religiöse Sozialisten.

Die Hauptaufgabe des Komitees bestand darin, die internationale Öffentlichkeit über die Massenverhaftungen, die Massenprozesse und den Repressionsapparat des NS-Regimes zu informieren. Auf dem Höhepunkt der Kampagne entsandten französische Gewerkschaften und niederländische Organisationen Delegationen zu den Prozessen nach Wuppertal.

Die Nachricht von der Ankunft der niederländischen und französischen Delegation vor dem Landgericht in Wuppertal verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Anwesenheit der „Ausländer“ ermutigte die Angeklagten und ihre Angehörigen enorm. Sie waren nicht allein. Zudem brachten in den Folgemonaten Kurierinnen und Kuriere Unterstützungsgelder illegal aus den Niederlanden nach Wuppertal, die über die „Rote Hilfe“ an die Familien der politischen Gefangenen verteilt wurden. Die Gestapo in Wuppertal war hingegen fassungslos, sie musste sich aber im Jahr der Olympiade 1936 in Berlin gegenüber den ausländischen Beobachtern zurückhalten. Die Gestapo resümierte 1941: „Das Wuppertal-Komitee war die übelste Hetzzentrale gegen Deutschland“ und hat entscheidend dazu beigetragen, die breite Öffentlichkeit des Auslandes gegen das Dritte Reich aufzuputschen. Red