Stand: 22.04.2026 06:46 Uhr
Im April 2016 wurde Hannover zur Bühne der Weltpolitik. Barack Obama kam zur Hannover Messe – und hinterließ Bilder, die bis heute nachwirken. Es war ein Moment, in dem sich große Erwartungen bündelten.
Zehn Jahre ist es her, dass Barack Obama gemeinsam mit Angela Merkel durch Hannover schritt. Der Besuch des mächtigsten Mannes der Welt: ein politisches Signal. Die USA nutzte die Bühne, um sich als Freund Deutschlands zu zeigen – immer wieder wurden gemeinsame Werte betont. Die Zusammenarbeit wollten beide Seiten vorantrieben – besonders die Wirtschaft sollte profitieren. Deutschland wählte die USA auch deshalb als Partnerland der Hannover Messe. Die gemeinsamen Auftritte wurden zu Momenten transatlantischer Freundschaft und mittendrin war eine Stadt, die für einen kurzen Moment ins Zentrum globaler Aufmerksamkeit rückte.
Mittendrin zwischen Politik und Protokoll
Mitten im Geschehen: der damalige Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Er erlebte den Besuch aus nächster Nähe – beginnend mit der Begrüßung auf dem Rollfeld. „Es war ein eisig kalter Wind“, sagt Weil über das Warten auf Obamas Ankunft. Seine Rolle sei klar gewesen: Gastgeber, nicht politischer Hauptakteur. „Bevor die Kolonne dann losgefahren ist, hat es lange gedauert und in der Zeit musste ich da warten auf dem Rollfeld“, erzählt Weil heute lachend. Wegen der Live-Übertragung habe er trotz der Kälte stehen bleiben müssen. „Ich konnte nicht sagen, jetzt reicht es mir und ich gehe jetzt“.
Zwischen Gartenkulisse und Weltpolitik
Unvergessen bleibt der Auftritt in den Herrenhäuser Gärten. Vor barocker Kulisse sprachen Obama und Merkel über Demokratie, Verantwortung und die Rolle Europas in einer unsicheren Welt. Die Inszenierung: bewusst nahbar und zugleich staatsmännisch. Es war ein Dialog, der Vertrauen signalisieren sollte. Für die Politikwissenschaftlerin Cornelia Woll ist der damalige Auftritt ein Zeichen der Zeit. „Die Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika war auch eine Freundschaft zwischen Angela Merkel und Barack Obama“, sagt sie. „Das hat natürlich die deutschamerikanische Freundschaft gestützt, wenn der Wille war, auch nochmal extra lange über bestimmte Themen nachzudenken“.
TTIP und die Idee vom Wandel durch Handel
Eines der Themen damals: TTIP. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Amerika war Ausdruck einer damals dominierenden Vorstellung: wirtschaftliche Verflechtung als stabilisierende Kraft. Handel sollte
eine „zivilisierende Leistung“ entfalten und politische Spannungen in den Hintergrund drängen. „Doch die Idee, dass das funktioniert, ist gestorben“, erklärt Professorin Woll.

Während juristischer Prüfung
Die Europäische Union wird das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten noch während einer laufenden juristischen Prüfung anwenden. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen an.
Warum TTIP scheiterte – und was sich verändert hat
Die Idee – Handel könnte Konflikte lösen, ist – laut Woll – überholt. Stattdessen habe sich eine neue Logik durchgesetzt: Wirtschaftliche Beziehungen werden gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt. Doch daran allein sei das Abkommen nicht gescheitert. Hinzu kamen schon damals politische Widerstände: Freihandelsabkommen würden Gewinner und Verlierer schaffen – erklärt Woll – und gerade diejenigen, die Nachteile befürchten, mobilisieren besonders stark gegen solche Projekte.
Der Moment, wo wir von einer Zeitenwende gesprochen haben, als Olaf Scholz das benutzt hat nach dem Angriff oder dem Übergriff auf die Ukraine durch Russland, wurde klar, der Handel hat nicht die Kraft, wirklich große Konflikte und Kriege einzudämmen.
Cornelia Woll, Professor of International Political Economy
Ein Besuch aus einer anderen Zeit
Heute, zehn Jahre später, erscheint der Besuch wie ein Blick in eine andere Zeit.
Der Besuch von Obama stand damals für Hoffnung auf Kooperation und offene Märkte. Was damals selbstverständlich schien, wirkt heute fragiler. Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft sei brüchiger geworden, sagt Woll. Auch Weil sieht das so: „Wir sind heute um einige Illusionen ärmer.“ Die Unterschiede zwischen Barack Obama und Donald Trump könnten „unterschiedlicher nicht sein“. Gerade deshalb lohne sich der Rückblick – als Erinnerung an einen Moment, in dem die Welt noch enger verbunden schien.

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