Der Ausbau der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Wuppertal soll voranschreiten. Doch weil das nicht überall einfach und vor allem schnell möglich ist, setzt die Stadt auf andere Raumnutzungskonzepte.
„Multifunktionale Raumnutzung“ nennt sich das Projekt, das seit 2022 Grund- und Förderschulen in Wuppertal begleitet, den Herausforderungen des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung aktiv zu begegnen. Das Konzept soll es ermöglichen, Schulräume den ganzen Tag über zu nutzen – im Unterricht am Vormittag als auch bei der Nachmittagsbetreuung.
Wie solche Konzepte erarbeitet werden, war etwa am Dienstagvormittag in der Städtischen Katholischen Grundschule Sankt Antonius in Barmen zu sehen. Wichtig: Alle Beteiligten, ob Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, oder pädagogische Kräfte, sollen selbst in die Planung eingebunden werden. Moderiert und beraten werden die teilnehmenden Schulen der aktuellen Staffel des Projekts durch das Schulbaubüro „Raumbildung“ aus Hamburg, das sich in einem entsprechenden Vergabeverfahren durchgesetzt hatte.
Die aktuell dritte Staffel legt den Fokus auf die Schülerinnen und Schüler: Unter der Leitung von Tobias Ortel von „Raumbildung“ erarbeiten gut 20 Kinder der Klassen eins bis vier in Workshops ihre Wünsche und Bedarfe für das Leben und Lernen im offenen Ganztag, die in die neuen Raumkonzepte mit einfließen. Ortel erklärte den Kindern, was zu tun war – und gleich machten sich alle ans Werk: Ein gewünschtes Möbelstück ungefähr im Maßstab 1:20, das sie an ihrem persönlichen Lern- und Bildungsort brauchen, sollten sie bauen. Ob mit sogenanntem „Playmais“, Papier oder Eierkartons – der Kreativität und Bastellaune der Kinder waren keine Grenzen gesetzt.
Dass jedes Kind in der Gruppe eigene Vorlieben beim Lernen hat, zeigte sich schnell. Einige setzen eher auf viel Bewegung an Spielgeräten, andere wollen eher bequeme Rückzugsorte.
Ob baulich oder in Sachen Ausstattung: In der Nachmittagsbetreuung gibt es ganz andere Anforderungen bei den Räumen, erklärten Konrektorin Monika Labisch und Julia Eisenbach vom Stadtbetrieb Schulen, die sich des Projekts angenommen hat. „Wer weiß das besser als diejenigen, die den ganzen Tag hier arbeiten?“, so Eisenbach.
Das Projekt verlaufe schrittweise. Erst werden ein bis zwei Räume verändert, dann gegebenenfalls nachgebessert und bei anderen Räumen nachgezogen. Tobias Ortel erzählt, dass auch immer mehr Austausch auch zwischen den Schulen stattfindet. Das bestätigt auch die Stadtverwaltung: „Das Projekt hat jetzt schon eine Ausstrahlungswirkung auf andere Schulen, die sich selbstständig mit dem Thema befassen“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.
Bis Ende des Schuljahres soll das Projekt auf 14 teilnehmende Schulen ausgeweitet sein, aktuell nehmen fünf weitere Grundschulen teil. 1500 bis 2000 OGS-Plätze habe man bereits schaffen können, berichtet Julia Eisenbach. „Der Trend geht hin zum selbstreflektierten Unterricht. Die Kinder machen sich immer mehr Gedanken darüber, was sie zum Lernen brauchen“, erklärt sie.
Die Nachmittage beim OGS-Konzept bestehen nicht nur aus Hausaufgabenbetreuung, sondern auch aus Mittagessen, Spielen und AGs. „Es ist ein sehr offenes Programm“, so Konrektorin Monika Labisch, die sich zufrieden mit dem Projekt zeigt. „Auch das ist nämlich Bildung.“
Neu errichtete Schulen in Wuppertal sollen zu 100 Prozent auf das Konzept OGS ausgerichtet sein – Planung und Bau brauchen allerdings bekanntermaßen ihre Zeit. Zum Schuljahr 2026/2027 kann der nun geletende Rechtsanspruch auf Offenen Ganztag in der Stadt nicht vollständig erfüllt werden. Bei den Schulgebäuden in Wuppertal handelt es sich oftmals um Flurschulen der Jahrhundertwende oder der 70er-Jahre, die dem heutigen Bedarf entsprechend zu wenig Platz für die vielfältige Nutzung bieten, teilt das städtische Presseamt mit. Es handele sich bei diesem Projekt nicht um ein Sparmodell, sondern eher eine Erleichterung. Dabei werden Pädagogik und Architektur verknüpft.
„Für den Offenen Ganztag brauchen wir andere Raumnutzungskonzepte. Wie wir vorhandene Kapazitäten besser nutzen und ausschöpfen können, erarbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten an den Grundschulen in diesem Projekt – und das mit Erfolg“, teilt Bildungsdezernentin Annette Berg mit. „Das hilft uns sehr, das Angebot für den Offenen Ganztag in den bestehenden Gebäuden auszuweiten.“
Nach einer Stunde Bastelzeit konnten die Kinder ihre Ideen und Kreationen vorstellen und erläutern. Die Ergebnisse waren ebenso kreativ wie aufschlussreich, denn ein Großteil der Schülerinnen und Schüler wünscht sich gern einen Ort, an dem man es sich bequem machen oder an den man sich ganz allein zurückziehen kann.
Andererseits waren Geräte und Flächen zum Spielen ebenso beliebt wie solche zum Ausruhen. Gebastelt wurden Klettergerüste, eine Yogaecke oder auch eine Slackline zum Balancieren. Doch auch der klassische Stuhl, Schreibtisch und eine Tafel waren in den Vorstellungen vieler Kinder weiter vorhanden.