Bereits das aufgetürmte Material und die Rodungen an der Anschlussstelle Haar zur A99 lassen erahnen, was für Geduldsproben auf Autofahrerinnen und Autofahrer im Münchner Osten zukommen. Eines der am stärksten von Pendlern befahrenen Verkehrskreuze in der Region wird umgebaut. Die Brücke der B304 über den Autobahn-Ostring A99 wird bis Ende 2028 erneuert. Dafür muss erst mal eine Behelfsbrücke eingebaut werden. Allein das ist ein logistisches Großwerk in zwei Akten. Der erste Abschnitt beginnt an diesem Freitag, 24. April, um 20 Uhr, und endet am Montag, 27. April, um 5 Uhr. Ein weiterer Stressmoment für den gesamten Großraum wird für Ende November erwartet: Dann wird die A99 wegen des Abrisses der alten Brücke komplett gesperrt.
Bei solchen Baustellen muss ein Rädchen ins andere greifen. Wie schwierig das ist, deutet Josef Seebacher, Sprecher der Autobahn Südbayern GmbH, an. Er erzählt von komplexen Absprachen, die allein wegen der jetzt für den Brückeneinhub notwendigen Teilsperrungen der Autobahn erforderlich sind. Bis in den späten Abend dauere es, den gesamten Verkehr auf der A99 auf die Spur in Richtung Nürnberg zu führen. Erst dann hebt ein 50‑Tonnen‑Kran die erste Hälfte der Behelfsbrücke über den gesperrten Teil der Autobahn in Fahrtrichtung Salzburg ein. Die Arbeiten sollen bis Montag, um 5 Uhr, dauern. Dann rollt der Berufsverkehr wieder an.
Während der Arbeiten am Wochenende wird laut Seebacher die Einfahrt in die A99 in Fahrtrichtung Salzburg gesperrt. An der Einfahrt in Fahrtrichtung Nürnberg entfällt die Beschleunigungsspur. Eine weitere kurzfristige Sperre erfolgt von Montag auf Dienstag an der Einfahrt von der B304 in Fahrtrichtung Salzburg, um die Fahrbahn zu sanieren. „Der Fahrbahnzustand ist in diesem Abschnitt stark beeinträchtigt und erfordert eine dringende Erneuerung“, sagt Seebacher.
Das Erstaunen war im Juli 2025 groß, als die Autobahn GmbH verkündete, dass die täglich von Zehntausenden Autos befahrene Brücke über die A99 so schnell wie möglich erneuert werden muss. Der Zustand des Bauwerks mache dies erforderlich, hieß es damals, wenngleich keine unmittelbare Gefahr bestehe. Jetzt erläutert Seebacher, man habe bereits bei einer Brückenprüfung im Mai 2025 festgestellt, dass die vorhandenen Schäden „sich noch einmal erheblich verschlechtert“ hätten. Die aus den Siebzigerjahren stammende Brücke sei in die Jahre gekommen und weise für diese Bauzeit typische Schwächen auf. Damals habe man nicht den besten Beton verwendet, sagt Seebacher.
Die Schäden an der alten Brücke sind nicht zu übersehen. Florian Peljak
Doch bevor die alte Brücke abgerissen werden kann, muss in einem zweiten Akt von Freitag, 8. Mai, bis Montag, 11. Mai, der zweite Teil der Behelfsbrücke installiert werden. Dazu wird analog zum ersten Bauabschnitt die Fahrbahn der Autobahn in Fahrtrichtung Nürnberg freigehalten. Die Ausfahrt aus der A99 in Fahrtrichtung Salzburg wird gesperrt. Dann werden die Fahrbahnanschlüsse zur Behelfsbrücke hergestellt und Radfahrer für kurze Zeit auf eine Alternativstrecke entlang der Bahntrasse gelenkt. Ende Juni soll der Verkehr der Bundesstraße einschließlich der Radfahrer über die Behelfsbrücke fließen.
Der Abbruch der maroden Brücke soll Ende November erfolgen. Dafür werde am Wochenende um den 23. November die A99 gesperrt, berichtet Seebacher. Das werde ein einschneidender Akt für die gesamte Region. Man werde wohl das Lkw-Fahrverbot auf dem Mittleren Ring in München vorübergehend aussetzen und Lastwagen bereits ab Nürnberg auf alternative Routen lotsen. Die gesamte Bauzeit einschließlich der Vorarbeiten und der Wiederaufforstung ist auf rund drei Jahre angesetzt.
In den Nächten zum 29. April und zum 30. April werden an der Anschlussstelle Hohenbrunn die Ein‑ und Ausfahrten in Fahrtrichtung Salzburg erneuert. Dafür müssen sie gesperrt werden. Umleitungen werden ausgeschildert.