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Berlin – Kürzen BISS zur Zahnfehlstellung! Das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geplante Sparpaket wird massive negative Folgen für Kinder und Jugendliche haben: 156 Kieferorthopäden dürfen danach nicht mehr praktizieren. Keine Korrekturen mehr durch Zahnspangen, Brackets oder Schienen.
Ein neuer Sparhammer Warkens (46, CDU) trifft bis zu 100.000 Heranwachsende in Berlin und Brandenburg, bis zu einer Million bundesweit. Die Bundesgesundheitsministerin plant einen sogenannten Facharztvorbehalt für Kieferorthopäden. Das steht im neuen Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die gesetzlichen Krankenkassen.
Im Referentenentwurf heißt es: Vertragszahnärzte, die keine Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie besitzen, dürfen keine kieferorthopädischen Behandlungen mehr durchführen.
Für Berlin bedeutet das: Von 4416 Zahnärzten haben 4343 KEINE Anerkennung als Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. „Kieferorthopädie ist Inhalt des Zahnmedizin-Studiums“, sagt dagegen Dr. Bianca Göpner-Fleige, Präsidentin der Zahnärztekammer Berlin, auf BILD-Anfrage. „Jeder approbierte Zahnarzt ist dazu berechtigt, kieferorthopädisch zu behandeln.“
Tatsächlich gibt es in Berlin 229 niedergelassene Kieferorthopäden. 73 von ihnen führen den von Warken geforderten Titel Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Einziger Unterschied: Diese haben eine Weiterbildung mit einem Jahr Klinik absolviert.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken stutzt jetzt mit dem Spar-Skalpell die Kieferorthopäden
Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
156 Kieferorthopäden entsprechen nicht Warkens neuer Anforderung. Sie sind keine Fachzahnärzte für Kieferorthopädie. 65 von diesen haben einen international anerkannten Abschluss (Master of Science). So wie Dr. Juliane Maron (42) mit Praxis in der Hermannstraße in Neukölln.
Seit 15 Jahren arbeitet sie als niedergelassene Kieferorthopädin, behandelt 350 Kinder und Jugendliche im Quartal. Schon ihre Assistenzzeit begann sie in dieser Praxis. „Ich wurde damals von meiner Vorgängerin gefragt, ob ich Lust hätte, den Master neben dem Job zu machen, damit ich schnell als Kieferorthopädin einsteigen kann“, berichtet sie. Da die Wartezeit für das Klinik-Praktikum endlos war, entschied sie sich dafür. Doch plötzlich sollen Master und Teile des Studiums nichts mehr wert sein…

Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen erhalten heutzutage eine kieferorthopädische Behandlung
Foto: Getty Images
„Man spricht uns die Kompetenz ab“, sagt sie verärgert. Viel mehr Sorgen macht sie sich aber um ihre Patienten. „Einige Kolleginnen würden, so wie ich, wieder als normale Zahnärzte arbeiten, viele ihre Praxen aufgeben.“ Die 73 Fach-Kieferorthopäden müssten deren Kassenpatienten mitversorgen! In Brandenburg müssten 33 die Arbeit von 82 stillgelegten Kollegen mitmachen. Für Privatversicherte gilt das Gesetz nicht.
Mehr zum ThemaLange Wartezeiten sind die Folge
Die Folgen: Lange Wartelisten oder gar kein Platz. „Behandlungen würden verschleppt oder fänden gar nicht statt“, befürchtet Maron. „Soziale Unterschiede würde man wieder an den Zähnen sehen.“ Denn zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen erhalten eine kieferorthopädische Behandlung.
Dr. Bianca Göpner-Fleige warnt: Die geplante Regelung geht zulasten der Versicherten. Sie gefährdet die flächendeckende Versorgung – besonders für sozial schwächere Patienten.

Kieferorthopädin Dr. Juliane Maron sorgt sich um ihre Patienten
Foto: © Parwez
Zahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung fordern von Warken die Rücknahme der „nicht zu Ende gedachten“ Regelung.