Braune, trockene, mit Unkraut überwucherte Erde – mehr ist derzeit an der Gartenfläche an der Dabringhauser Straße 24 in Wersten nicht zu sehen. Doch schon in wenigen Wochen soll sie sich in eine blühende, duftende Wiese voller Kräuter und Wildblumen verwandeln – mit Majoran und Thymian, hellrosa Mohn, lila Königskerzen und gelben Ringelblumen. Weil die Pflanzen nicht nur schön aussehen, sondern auch Bienen anlocken und ihnen Nektar liefern, tragen sie zudem zum Erhalt der Artenvielfalt bei.
20 Drittklässler der benachbarten Theodor-Heuss-Grundschule an der Lützenkircher Straße und Kinder der Kita „Arche“ am Werstener Feld säten die Samen der Pflanzen nun aus – und hatten dabei viel Spaß. „Den Bienen zu helfen, macht mich froh“, sagte etwa der neunjährige Younes. Aufmerksam betrachteten er, sein Freund Naser und die anderen Schüler zunächst die Samen in ihren Händen und staunten über die verschiedenen Formen und Farben. „Daraus werden viele verschiedene Blumen entstehen“, erklärte ihnen Dorothee Linneweber, die die Aktion verantwortet.
Im Einsatz für den Stadtteil und die Nachbarschaft
Die freie Architektin leitet im Auftrag von fünf Wohnungsunternehmen das Quartiersmanagement Wersten-Südost. Dessen Ziel: das Viertel attraktiver, sicherer und sauberer zu gestalten, Nachbarschaft und soziales Miteinander zu fördern. Dafür bringen die Verantwortlichen verschiedene Projekte auf den Weg: Sie organisieren Feste und Flohmärkte, bauen Bänke, wie jüngst auf der Hundewiese an der Leverkuser Straße, oder schaffen Treffpunkte, wie in dem leer stehenden Ladenlokal an der Immigrather Straße. „Wersten ist ein familienorientiertes, diverses Viertel. Wir wollen, dass die Menschen hier Nachbarschaft erleben“, sagt Linneweber. Der Fokus liege besonders auf Kindern und älteren Menschen, die oft nicht richtig wahrgenommen würden.
Eine Kooperation mit der Awo
Für die Pflanzaktion hat das Quartiersmanagement nicht nur mit der Theodor-Heuss-Schule und der Kita Arche zusammengearbeitet, sondern auch mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWD). Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist ein Kooperationspartner. In den Räumlichkeiten an der Dabringhauser Straße 24 unterstützt der Verband Arbeitslose aus Wersten und Holthausen im sogenannten i-Punkt Arbeit, ein Angebot der Stadt und des Jobcenters. Den Mitarbeitenden des i-Punkts sei auch die eigentliche Idee zur „Bienenblumen“-Aktion gekommen, berichtet Linneweber – weil sie die Rasenfläche vor ihrem Einsatzort so trostlos fanden.
Weniger Samen für mehr Wildblumen
Um das zu ändern, fand die Aktion bereits im vergangenen Jahr statt. Doch mit den Pflanzen habe man nicht so viel Glück gehabt, erinnert sich Linneweber. „Wir haben zu viele Samen ausgesät, der Boden war zu nährstoffhaltig.“ Dieses Mal habe man deshalb weniger Samen verwendet und den Boden vorher sorgsam aufgelockert. „Wildblumen sind eigentlich pflegeleicht, sie müssen nicht gedüngt und auch nicht oft gegossen werden.“ Auf der Gartenfläche entsteht neben der blühenden Wiese außerdem ein Hochbeet, wo Anwohner oder auch Spaziergänger gratis Gemüse wie Gurken oder Karotten ernten dürfen. Hintergrund ist das Projekt „Essbare Stadt Düsseldorf“, das zum Anbau von Lebensmitteln ermutigt.
Ein Mitbringsel für zu Hause und ein besonderes Plakat
Dorothee Linneweber hofft, dass die Kinder regelmäßig nach der Wiese schauen und sie gießen. „Sie lernen dadurch, dass Arbeit nicht immer sofort, sondern häufig erst nach und nach sichtbar wird“, erläuterte sie den pädagogischen Effekt. Im Sommer, wenn die Wiese dann in voller Blüte steht, sollen die Kinder sie bei einer weiteren gemeinsamen Aktion malen, und im Herbst die Samen der verblühten Pflanzen wieder einsammeln – um sie als Saatgut für das nächste Jahr zu nutzen.
Zum Abschluss der Pflanz-Aktion gab es als kleine Überraschung für alle eine Tüte mit Blumensamen zum Mitnehmen. Dorothee Linneweber verewigte zudem jedes Kind mit seinem Namen und einer kleinen Zeichnung auf einem Plakat. Es schmückt ab sofort die Fassade des Gebäudes. Die meisten Kinder, die am Projekt teilgenommen haben, wohnten in der Nähe, sagt Linneweber. „Jedes Mal, wenn sie hier vorbeikommen, sollen sie stolz darauf sein, was sie geleistet haben.“