Viel los in der Wörther Stadtbücherei: Erst kam die Nominierung für den Deutschen Lesepreis, jetzt gibt es auch noch ein neues doppeltes Leitungsteam – zumindest vorläufig.

Die Wörther Stadtbücherei machte zuletzt Schlagzeilen in der Presse, als sie unter etwa 400 Bewerbern mit ihrem „Wörther Modell“ für den Deutschen Lesepreis für die Shortlist ausgewählt wurde. Jetzt ist die über die Grenzen der Region bekannte Bücherei auch zu einem Vortrag zu dieser Bildungspartnerschaft beim Schulbibliothekstag Rheinland-Pfalz eingeladen worden.

Die Kooperation der Stadtbücherei mit der Volkshochschule und den Kulturveranstaltungen der Stadt ist inzwischen zum „Wissens Werk Wörth“ ausgebaut worden. Zuletzt wurde auch der personelle Wechsel im Leitungsteam auf eine besondere Weise vorbereitet. Diplom-Bibliothekarin Helga Hanik leitet seit 2013 die Stadtbücherei und ist verantwortlich für den gesamten Aufbau, die Organisation und die Weiterentwicklung der Haupt- und Zweigstellen im Spritzenhaus an der Dammschule und in Maximiliansau, wobei sie viel Pionierarbeit geleistet hat. 2015 übernahm die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Vera Babilon eine vakante Teilzeitstelle und konnte ihre Vorkenntnisse gut in die Arbeit der Bücherei und die Aktivitäten zur Leseförderung einbringen. Berufsbegleitend absolvierte sie ab 2020 viereinhalb Jahre den Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement an der Hochschule der Medien in Stuttgart, den sie im vergangenen Jahr mit dem Master of Arts abschloss.

„Wörther Modell“ wird fortgesetzt

Jetzt bilden Hanik und Babilon ein eng abgestimmtes Leitungsteam mit je einer halben Stelle. Damit sei durch die gezielte Förderung die Besetzung der Führungsposition mit qualifiziertem Personal „ohne Verluste gelungen“, sagt Tobias Simon, Leiter der Zentralverwaltung bei der Stadtverwaltung , zuständig auch für das Personalwesen. So könne die künftige Leitung nach und nach Verantwortung übernehmen und zugleich vom Erfahrungsschatz und Know-how der Vorgängerin profitieren. Das von Hanik aufgebaute „Wörther Modell“ soll auf jeden Fall weitergeführt und weiterentwickelt werden. „Was aufgebaut wurde, soll fortgesetzt werden“, sagt Hanik.

Dieses Modell mit Bildungspartnerschaften zur Leseförderung holt schon die Kita-Kinder in die Bibliothek, versorgt Grundschüler über angebundene Schulbibliotheken und schließt auch die weiterführenden Schulen durch enge Kooperationen ein. Dazu investiert die Stadt gezielt in gute Bildungschancen und ist ein Vorreiter. Man kann von einem „Leuchtturm-Projekt“ sprechen, das Hanik mit momentan zehn Mitarbeiterinnen aufgebaut hat.

Alle Grundschul-Bibliotheken werden versorgt

So wurde eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle eingerichtet, die sich um die drei Schulbibliotheken in den Grundschulen Dorschbergschule, Dammschule und Tullaschule Maximiliansau als Zweigstellen mit gleicher technischer Ausstattung und jeweils zehn Personalstunden kümmert. Jede Klasse hat im Stundenplan eine Büchereistunde integriert und alle zwei Wochen im Schnitt erfolgen Klassenbesuche in der Bücherei um Medien- und Lesekompetenz zu fördern, Lesefreude zu wecken, unter anderem auch mit Lesespielen.

Die beiden kleineren Grundschulen in Schaidt und Büchelberg werden mit betreut und erhalten finanzielle und fachliche Unterstützung. Somit sind alle Bibliotheken der Grundschulen als Teil des städtischen Bibliothekswerks versorgt. „Durch diese enge Verzahnung zwischen Schulen und Bücherei ist es möglich, den Medienbestand zu halten, regelmäßige Öffnungszeiten anzubieten und während der Büchereibesuche auch lese- und medienpädagogische Angebote durchzuführen. Alle Kinder sollen die Chance haben, es muss für alle möglich sein, an dieser Bildungspartnerschaft teilzunehmen“, betonen Hanik und Babilon. Auch für die Kitas aus Wörth gibt es halbjährlich Programme zur Sprachförderung – differenziert nach Alter und Themen – mit entsprechendem Material. Diese sind auch sehr gefragt. Eine ausgebildete Erzieherin ist dazu in der Stadtbücherei zuständig.

Ausleih- und Besucherzahlen stark gestiegen

Diese vielfältigen Aktivitäten haben auch zu einer gewaltigen Steigerung der Ausleih- und der Besucherzahlen in der Bücherei geführt. Babilon hat dazu genaue Zahlen: Es gab im letzten Jahr 120.000 Ausleihen inklusive der Schulen. Registriert sind 2500 Nutzer der Bücherei, darunter über 1300 Kinder. Gezählt wurden über 50.000 Besuche im Jahr, die zum Lernen oder zum Lesen in die Bücherei kommen, womit sich die Zahl in den letzten Jahren verdoppelt hat. Dazu gehören auch zwei Literaturkreise, zwei selbstständige Spielegruppen für Erwachsene sowie ein VHS-Kurs Französisch, der auch in der Bücherei tagt. Insgesamt gab es über 400 Veranstaltungen in der Bücherei.

Die Leser der Stadtbücherei haben Zugriff auf 35.000 Medien – Bücher, CDs und Hörbücher, DVDs, Spiele, Tonies, Zeitschriften und Zeitungen. Über den Online-Zugang „Findus“ können die Leser im Medienbereich recherchieren.

Gemeinsam hat das Leitungsteam in den vergangenen Monaten ein Zukunftskonzept erarbeitet, das im Laufe des Jahres dem Stadtrat vorgestellt wird. Hanik gab im Gespräch mit der RHEINPFALZ nur so viel bekannt, dass der Fokus auf der Hauptstelle und den Angeboten liegen werde und nannte das Stichwort „dritter Ort“.