Einst brachten die Schwalbe-Brüder unter dem Namen „Stroke Art Fair“ gemeinsam vorwiegend Urban- und Street Art an den Kunstmessestandort München. Das war 2009. Dann trennten sich ihre Wege, jedenfalls messetechnisch gesehen. Marco Schwalbe verantwortet seither weiterhin die Stroke, Bruder Raiko die Artmuc, die 2014 gegründet wurde. Die Praterinsel, auf der einst alles begann, wird nach einigen Ortswechseln nun wieder von der Stroke bespielt. Die Artmuc ist in den Münchner Norden abgewandert, wo sie in einer Veranstaltungslocation an der Ingolstädter Straße seit einigen Jahren ihre Messe etabliert hat.

Nun finden beide Messen zeitgleich vom 1. bis 3. Mai statt und bieten ein recht ähnliches Portfolio. Gezeigt wird Malerei, Skulptur, Fotografie, Animation, Illustration, Typografie, Objekt- und Grafikdesign, Comic und Digital Art. Doch egal welches Medium: Einen Picasso oder Gerhard Richter sucht man hier vergebens. Stattdessen lockt eine leicht zugängliche zeitgenössische Kunst im unteren bis mittleren Preissegment das Publikum. Den schöneren Veranstaltungsort kann die Stroke für sich reklamieren: Auf der Praterinsel mit ihrem Industriecharme herrscht die interessantere Atmosphäre. Und mit der Gastronomie im Innenhof auch die höhere Aufenthaltsqualität jenseits des Kunstangebots.

Was dieses Angebot betrifft, dürfte wohl die Artmuc die Nase vorn haben, auch wenn das im Vorfeld immer schwer zu bewerten ist. Sie wirbt mit mehr als 160 jurierten, internationalen Künstlerinnen und Künstlern, Galerien und Kollektiven aus mehr als 15 Ländern. Dabei streckt die Artmuc seit einiger Zeit ihre Fühler verstärkt nach Asien aus und legt einen Fokus auf China. So werden erstmals Ausstellungsstücke der privaten Sammlung von Sun Yan präsentiert.  Sie ist eine in China geborene, in München lebende internationale Kunstsammlerin, die sich für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und China engagiert.

Die Stroke, die sich auch Messe für junge unkonventionelle Kunst nennt, wirbt mit einem bunten Mix aus Kunst für das 21. Jahrhundert, Urban Art, Street Art, Fotografie und Installationen sowie Schwarzlichtkunst. Das Begleitprogramm listet unter anderem Live-Tattoos- und Paintings, Konzerte, Kunstvorträge und After Show Partys.

Wie gesagt, wie gut die Qualität ist, lässt sich für beide Messen schwer vorhersagen, selbst wenn es heißt, die Auswahl sei kuratiert. Künstlerinnen und Künstler können sich selbst bewerben und müssen nicht den Weg über eine etablierte Galerie gehen. Der kunterbunte Mix bedient erfahrungsgemäß eine stark Instagram-orientierte Klientel. Es muss also vor allem farbintensiv sein und auf kleinen Bildschirmen gut rüberkommen. Aber immer wieder versuchen auch junge, präzise arbeitende und ernst zu nehmende Künstlerinnen und Künstler auf diesem Weg ein Bein in den Kunstmarkt zu bekommen. Außerdem sind auch hier einige Galerien und Stiftungen vertreten.

Es gilt also: hingehen und schauen. Die Eintrittspreise liegen bei der Stroke bei 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, unter 16 Jahren ist der Eintritt frei. Bei der Artmuc zahlt man 18 Euro, wofür es ein Kunstposter des Keyvisuals von FinDAC gibt (an den ersten Messetagen und nur solange der Vorrat reicht). Für unter 16-Jährige, Rollstuhlfahrer und deren Begleitpersonen ist der Eintritt frei.

Artmuc: 1. bis 3. Mai, AMTC Supreme Locations, Ingolstädter Straße; Stroke Art Fair: 1. bis 3. Mai, Praterinsel