Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) legt großen Wert darauf, die vorhandene Infrastruktur in einem guten Zustand zu halten, um die Qualität und die Pünktlichkeit im öffentlichen Nahverkehr langfristig zu gewährleisten. Vor allem Vorstandssprecher Thomas Moser will verhindern, dass sich ein Investitionsstau – von der Deutschen Bahn bestens bekannt – aufbauen könnte. Daher investiert die SSB jedes Jahr eine stattliche Summe in das rund 140 Kilometer lange Schienennetz. Alleine 2026 sollen in zwölf bedeutendere Maßnahmen insgesamt 60 Millionen Euro fließen. Umso überraschender erscheint daher die Tatsache, dass nun zwei davon gestrichen wurden.

Die SSB schöpft das Budget komplett aus

„Es gab bereits in den vergangenen Jahren immer wieder kurzfristige Änderungen“, betont SSB-Sprecherin Birgit Kiefer mit Blick auf die geplante Agenda an Baumaßnahmen für das Jahr 2026 (siehe Grafik). Dass nun zwei Vorhaben gestrichen würden, führe zu keinem Sanierungsstau. Verantwortlich seien auch angesichts der knappen Haushaltsmittel keinerlei Sparzwänge beim städtischen Tochterunternehmen, das „Budget von 60 Millionen Euro wird auch voll ausgeschöpft.“ Vielmehr erhofft sich der Verkehrsbetrieb sinnvolle Synergieeffekte.

So wurde die Erneuerung der Gleise an der Haltestelle Ruhbank auf das kommende Jahr verschoben. Lediglich in den Nachtstunden ab 21 Uhr sollten dafür die Linien U7 und U8 vom 8. bis 21. Juni unterbrochen werden. Diese Maßnahme wird nun mit der für 2027 geplanten Neugestaltung der Haltestelle Waldau zusammengelegt. „Das ist für alle Beteiligten entspannter“, erklärt Kiefer. Auf der einen Seite für die Arbeiter, die ohne Unterbrechungen sehr viel entspannter die neuen Gleise verlegen könnten, anstatt ausschließlich auf die Nachtstunden angewiesen zu sein. Zudem müssten sich die Fahrgäste nicht zweimal auf eine Streckensperrung einstellen, sondern lediglich während des Umbaus der Waldau-Haltestelle. Für diese Maßnahme sei ein Schienenersatzverkehr mit Bussen sowieso unerlässlich.

Das sind die geplanten Maßnahmen in der Übersicht. Die Punkte 5 und 7 wurden nunmehr gestrichen. Foto: STZN/Yann Lange

Nicht um verschiedene Instandhaltungen miteinander zu bündeln, als vielmehr um das vorhandene Budget optimal einzusetzen, hat die SSB auch die Sanierung der Strecke der U4 zwischen Bergfriedhof und Wangener- sowie Landhausstraße verschoben. Von 29. Juni bis 26. Juli sollten dort neben den Gleisen vor allem auch die Stützpunkte erneuert werden. Für die Instandhaltung der Träger der Stromleitungen „stehe aber nur ein begrenztes Budget pro Jahr zur Verfügung“, sagt die SSB-Sprecherin.

Im Zuge der 20 Millionen Euro teuren Sanierung zwischen Pragsattel und dem Löwen-Markt in Weilimdorf wurden umfangreiche Gleis-, Weichen- und Stellwerksarbeiten durchgeführt. In den Abschnitt der Linien U6, U12 und U13 floss jedoch mehr Geld als ursprünglich geplant – „insbesondere eben auch für die Stützpunkte“. Als Ausgleich entschied sich die SSB daher auf die Maßnahme in Wangen zu verzichten, „weil die Arbeiten nicht sofort ausgeführt werden müssen“.