Kanalbaumaßnahmen sind teuer und aufwendig, sie haben in der Regel große verkehrliche Auswirkungen für die Anwohner – sind aber notwendig, denn die Rohre unter der Erde sind zuweilen 100 Jahre und älter und drohen irgendwann leckzuschlagen. Welche Auswirkungen das dennoch haben kann, zeigt jetzt ein Beispiel in Gerresheim – auch wenn diese Maßnahme einen anderen Hintergrund hat.

Die Diepenstraße ist auf den ersten Blick eine unscheinbare Nebenstraße, die von der Dreherstraße als Sackgasse abgeht. Allerdings hängt viel von ihr ab, denn mehrere Einrichtungen können eigentlich nur über die Diepenstraße angefahren werden.

Da sind zum einen die Aloys-Odenthal-Grundschule und die Waldorfschule mit der dazugehörigen Rudolf-Steiner-Kita. Hier hat auch das Deutsche Jugendrotkreuz seinen Sitz, eine Judoschule ebenso, dazu gibt es den Nachbarschaftspark mit der gerade erst eröffneten Multifunktions-Sportanlage.

Auch ein Reiterhof liegt an der Diepenstraße, die Schausteller haben hier ihr Winterlager und nicht zuletzt muss der Düsseldorfer SC (Hockey, Tennis, Lacrosse), am Ende der Sackgasse gelegen, eigentlich von der Diepenstraße aus angefahren werden. Da kommt eine Menge zusammen.

Und genau hier muss nun für fast fünf Millionen Euro der Kanal erneuert werden. Baustart ist im September dieses Jahres, die Bauzeit soll rund 18 Monate betragen. Aktuell wird hier das Regenwasser (auch von Cosmo Sports und der Josef-Neuberger-Straße) ungereinigt in die Düssel geleitet, das dazugehörige Wasserrecht ist aber schon 2009 abgelaufen.

Stattdessen soll das Niederschlagswasser nun in eine Filteranlage im Baugebiet Quellenbusch geleitet werden, dafür muss ein 400 Meter langer Kanal gebaut werden. Auch der vorhandene Schmutzwasserkanal soll im Anschluss saniert werden.

Die Verlegung des neuen Kanals beginnt am nördlichen Wendehammer der Diepenstraße und endet innerhalb der Straßenkreuzung Diepenstraße/JosefNeuberger-Straße. Die ersten 100 Meter müssen dabei in einer offenen Bauweise verlegt werden, die weiteren 300 Meter können per Rohrvortrieb unterirdisch erfolgen. Die an der Diepenstraße vorhandene Einleitstelle in die Düssel bleibt für den Fall eines Überlaufes des Kanalnetzes erhalten.

Aufgrund der geringen Straßenbreite und der Größe der erforderlichen Baugruben wird innerhalb einzelner Bauabschnitte eine Vollsperrung der Diepenstraße notwendig sein, kündigt der Stadtentwässerungsbetrieb (SEBD) an. Eine Befahrung der Gehwege mit Fahrzeugen ist zum Schutz der Kinder nicht vorgesehen.

Die Erreichbarkeit der Schulen und des Kindergartens für den Individualverkehr wird in diesen Bauabschnitten somit nicht oder nur stark eingeschränkt möglich sein. Abhängig von der Größe des Baufeldes soll geprüft werden, ob eine Zu- und Ausfahrt aus der Sackgasse vor Beginn und nach dem Ende der täglichen Bautätigkeiten möglich ist. Ungeachtet dessen steht zur Abwicklung des Eltern-Verkehrs eine bereits vorhandene Hol- und Bringzone an der Dreherstraße in Höhe der Hausnummer 192 zur Verfügung – bei zwei großen Schulen könnte das nicht ausreichen.

Die Zufahrt von Rettungsdiensten und der Awista kann, so der SEBD, in Abstimmung mit den Betreibern von Cosmo Sports über deren private Zufahrt von der Torfbruchstraße aus erfolgen. Auch die Schausteller sollen diese Möglichkeit nutzen können. Allerdings ist der Parkplatz zumindest ab dem späteren Nachmittag stets voll belegt. Vom DSC 99 ist in der Vorlage, die so vom Bauausschuss einstimmig durchgewunken wurde, keine Rede.

Am Rande: In den abgesperrten Bereichen sollen die Mülltonnen von den Anliegern wie gewohnt an die Straße gestellt werden. Anschließend werden diese durch die beauftragte Baufirma zu den Stellplätzen an den Baustellenköpfen gebracht, wo sie dann von der Awista angefahren und geleert werden. Im Vorfeld der Baumaßnahme erfolgen in den Sommerferien Sicherungsarbeiten an den Versorgungsleitungen durch die Netzgesellschaft.