Bevor es Push-Benachrichtigungen und Insta-Stories gab, kam der „Feed“ fünfmal am Tag per Briefträger. Wer der Tante in Leipzig zeigen wollte, wie herrlich man an der Elbe lustwandelt, schickte eine handkolorierte Karte. Ab dem 1. Mai zeigt das Schlossmuseum Pillnitz in der Sonderausstellung „Status: Pillnitz – Viele Grüße aus dem Schloss“ rund 90 dieser historischen Schätze – und beweist, dass sich unsere Sehnsucht nach Selbstdarstellung in 100 Jahren kaum verändert hat.

Dresden. Ab dem 1. Mai hängen im Pillnitzer Schlossmuseum rund 90 historische Postkarten – und wer genau hinschaut, erkennt darin die Vorläufer des heutigen Social-Media-Feeds. 

Der Briefkasten als Benachrichtigungsfenster

Fünfmal am Tag kam früher der Briefträger. Fünfmal am Tag also die Chance, der Verwandtschaft zu berichten, wie prächtig die Stimmung im Schlosspark ist. Was nach moderner Zeitgeistanalyse klingt, ist die Rahmung der neuen Sonderausstellung: „Status: Pillnitz – Viele Grüße aus dem Schloss“.

Aus einem Fundus von rund 800 Exemplaren wurden die spannendsten Motive ausgewählt. Schlossleiterin Josefine Frank sieht darin eine frappierende Ähnlichkeit zu heute: Die schönsten Ansichten und die besondere Atmosphäre wurden damals wie heute geteilt – die Postkarte war quasi das analoge „Like“.