Die Ukraine baut ein altes sowjetisches Transportflugzeug zum fliegenden Drohnenjäger um. Die Antonow An-28 startet günstige Abfangdrohnen, die russische Shahed- und Geran-Kamikazedrohnen effizient aus der Luft holen.

Die Ukraine setzt im Kampf gegen iranische Angriffsdrohnen im Krieg gegen Russland neuerdings auf ein Flugzeug aus Sowjetzeiten. Die Antonow An-28, eigentlich ein kleines Transportflugzeug mit zwei Propellern, wurde zu einer fliegenden Startrampe für Abfangdrohnen umgebaut, wie der „Business Insider“ berichtet.  

Unter den Flügeln der An-28 hängen heute bis zu sechs kleine Drohnen, die in der Luft ausgelöst werden. Sie sollen iranische Shahed- und russische Geran-Drohnen abfangen, bevor diese ihr Ziel erreichen. In einem Video des ukrainischen Piloten Tymur Fatkullin ist zu sehen, wie die Abfangdrohnen nacheinander ausgeklinkt werden, auf ihr Ziel zufliegen und beim Aufprall explodieren.

ANZEIGEVon der Linienmaschine zum Drohnenkiller

Die An-28 wurde ursprünglich in der Sowjetunion als einfaches Kurzstrecken-Flugzeug für Passagiere und Fracht entwickelt. Unter jedem Flügel des sogenannten „Shahed-Jäger“ wurden Halterungen angebracht, an denen jeweils mindestens drei Abfangdrohnen hängen können. 

Zum Einsatz kommen verschiedene Modelle, unter anderem die ukrainische Drohne P1-SUN der Firma SkyFall sowie die Merops AS-3 aus den USA. Gesteuert werden sie über Kameras, ähnlich wie bei FPV-Drohnen, bei denen der Operator das Bild aus der Drohne direkt vor sich sieht. 

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Fatkullin erklärt, die Drohne funktioniere fast wie eine einfache Luft-Luft-Rakete und könne später auch bei sehr schlechter Sicht eingesetzt werden.

Eine Shahed-Drohne iranischer Bauart Eine Shahed-Drohne iranischer Bauart picture alliance / Middle East Images | Anonymous Günstiger als Raketen aus Patriot-Systemen

Das Projekt ist für die Ukraine vor allem eine kostengünstigere Alternative. Russland setzt in großer Zahl relativ billige Kamikaze-Drohnen ein, deren Abwehr mit teuren Flugabwehrraketen auf Dauer kaum zu finanzieren ist, wie „The War Zone“  berichtet. 

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Laut Fatkullin habe sich die Methode mit flugzeuggestützten P1-SUN-Abfangdrohnen gegen feindliche Shaheds bereits als wirksam erwiesen. Die Besatzung der An-28 habe bislang 222 russische Drohnen mit den Bordwaffen abgeschossen. Die Drohnen fliegen sie sehr schnell und zerstören feindliche Drohnen, indem sie direkt in sie hineinfliegen oder in unmittelbarer Nähe explodieren.

An-28 bleibt lange in der Luft

Der Start aus der Luft hat für die Ukraine mehrere Vorteile. Die An-28 kann von kleinen, einfachen Flugplätzen abheben und lange in der Luft bleiben. Fluglotsen am Boden schicken das Flugzeug in die Regionen, in denen gerade russische Drohnen unterwegs sind. An Bord beobachten ein Kamerabediener und andere Crew-Mitglieder den Himmel mit Wärmebild- und Nachtsichtkameras. 

Sobald sie eine feindliche Drohne entdecken, setzen sie eine Abfangdrohne ein. Diese startet schon in größerer Höhe und mit der Geschwindigkeit des Flugzeugs. Dadurch ist sie schneller am Ziel und kommt weiter, als wenn sie vom Boden aus starten würde.