Das Kellerbergwäldchen in Essen-Werden ist ein kleines Naherholungsgebiet, sogar eine „Burgruine“ gibt es hier. Der Wald wird auch von Gassi-Gehern und als Abkürzung für Fußgänger und Radfahrer genutzt. Neben dem stark frequentierten Gehweg verlief immer schon eine bis zu sieben Meter hohe, teils steile Böschung. 

Doch jetzt hat die Stadt Alarm geschlagen: Es sei dort im Bereich von Felsaufschlüssen und Stützmauern wiederholt zu „Stein- und Blockschlägen bis auf den Gehweg“ gekommen. Der Ausschuss für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz beschloss daraufhin den Bau einer „Felshangsicherungsmaßnahme“. Der Rat der Stadt Essen gab am 25. März grünes Licht für die Bereitstellung der erforderlichen, außerplanmäßigen Mittel. Die Sicherungsmaßnahmen sollen rund 372.000 Euro kosten. Was Fragen aufwirft: Warum ist es so teuer? Droht dort wirklich Gefahr? Und warum dauert das alles so lange?

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Waldweg in Essen-Werden: Stadt verschärft Absperrung

Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde der Gehweg abgesperrt. Nachdem das Flatterband immer wieder entfernt worden war, von Mitbürgern, die das Ganze offenbar nicht ernstnahmen, nahm die Stadt massive Sperrmaßnahmen vor. Übertriebene Aktion oder dringend erforderlich für die Sicherheit argloser Mitmenschen?

Unmut kam auf, weil dieser Fußpfad, eine absolut etablierte Verbindung hinunter nach Werden, schon so lange gesperrt ist. Anwohner fragten immer hartnäckiger nach: „Warum tut sich da nichts?“ Auch zweifelten alteingesessene Werdener die tatsächliche „Gefährlichkeit“ an. Zum Beispiel sei der Gehweg direkt oberhalb der Gefahrenstelle nicht gesperrt. Dort habe es immer schon „so wild“ ausgesehen und nie habe sich jemand darum geschert. Wer die gerade mit Fahrrädern und Kinderwagen rege genutzte Passage nicht nutzen wolle, könne es ja sein lassen. Die anderen wären dann halt „auf eigene Gefahr“ unterwegs. 

Auf diesem Foto der Gutachter sind Teile der maroden Steinmauer in Essen-Werden zu erkennen.

Auf diesem Foto der Gutachter sind Teile der maroden Steinmauer in Essen-Werden zu erkennen.
© Dr. Spang Ingenieurgesellschaft für Bauwesen, Geologie und Umwelttechnik

Gutachten stellt Risiken fest

Elisabeth Frieling, Sprecherin von Grün und Gruga, teilt auf Anfrage mit, dass ein „Besichtigungstermin“ vor Ort aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt werden könne: „Der betreffende Weg ist weiterhin gesperrt. Die Entscheidung zur Sperrung basiert auf dem Gutachten eines Ingenieurbüros, das entsprechende Risiken festgestellt hat.“ Zum Schutz aller Beteiligten sei ein Betreten des Weges aktuell nicht möglich.

In der Tat hatte die beauftragte Dr. Spang Ingenieurgesellschaft für Bauwesen, Geologie und Umwelttechnik aus Witten im Juni 2025 Untersuchungen durchgeführt und ein geotechnisches Gutachten erstellt. Es sieht erhebliche Gefährdungen: „Der anstehende Tonschiefer ist aufgrund ungünstiger Trennflächen und Verwitterung instabil. Zudem weisen mehrere Stützmauern deutliche bauliche Mängel wie Risse, Fehlstellen und Teileinstürze auf. Dadurch erhöht sich das Risiko weiterer Gesteinsabgänge.“

Das Gutachten liest sich bezüglich einzelner Mauerabschnitte wie ein „Who is Who“ möglicher Schäden: „Fehlstellen, unvollständige und lose Mörtelverfugung, Durchwurzelung, Teileinsturz, weitreichende geöffnete Risse.“ Darüber hinaus sei an einigen Abschnitten eine „Felsinstabilität“ zu erkennen.

Felshänge mussten gesichert werden

Das Ruhrtal mit seinen steilen Felsenhängen ist für unliebsame Überraschungen gut. 2012 war ein Hang an der Ruhrtalstraße ins Rutschen gekommen und mit einem Metallnetz gesichert worden. Die Kosten betrugen 350.000 Euro.

2015 rollten am Mitzwinkel die Felsbrocken bis hinunter zur Straße. Im Februar 2024 rutschten an einer Steilböschung Felsbrocken bis auf die Werdener Straße. Für den Bau einer Felshangsicherungsmaßnahme mussten 322.000 Euro bereitgestellt werden.

Stahlseilnetze sollen Felswand und Stützmauern in Essen-Werden sichern

Das klingt in der Tat gar nicht gut. Was nun? Aufwändige Sicherungsmaßnahmen sind geplant. Und die haben ihren Preis. Zur Reduzierung der Gefährdungen empfiehlt das Gutachten insbesondere die „Übernetzung“ gefährdeter Fels- und Stützmauerbereiche mit hochfestem Stahldrahtgeflecht, das mittels Mikropfählen rückverankert wird.

Mit Haken sollen die Stahlnetze an Essener Felswand gesichert werden.

Mit Haken sollen die Stahlnetze an der Essener Felswand gesichert werden.
© Daniel Henschke

Wer um die Ecke geht, sieht solche Übernetzungen an der Felswand am Weg hin zum Tanzhaus, im Schatten der Folkwang-Universität. Dort wurden also bereits Sicherungen vorgenommen, die bisher am Gehweg durchs Wäldchen nicht notwendig schienen.

Es ist geplant, den Bau im Winter 26/27 zu beginnen.

Elisabeth Frieling , Sprecherin Grün und Gruga

Die Experten gehen noch weiter: In besonders exponierten Bereichen des Gehweges wird ergänzend die Errichtung eines Schutzwalls oder alternativ einer doppelten Schutzplanke empfohlen. Für einen stark geschädigten Stützmauerabschnitt mit dahinterliegendem Hohlraum wird sogar ein vollständiger Rückbau angeraten.

Gesperrter Waldweg in Essen-Werden: Bauarbeiten sollen im Winter starten

Einen genauen Zeitrahmen kann Grün und Gruga-Sprecherin Elisabeth Frieling noch nicht nennen: „Es ist geplant, den Bau im Winter 26/27 zu beginnen. Konkrete Zeitpläne werden jedoch aktuell erst noch gefertigt.“

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Die gesperrten Gehwegabschnitte könnten auf jeden Fall „erst nach Umsetzung und Abnahme der Sicherungsarbeiten“ wieder freigegeben werden. Bis dahin müssen die Werdener wohl oder übel diese so praktische „Abkürzung“ durchs Wäldchen umgehen.